Fehlendes Neckarsulmer Bauchgefühl bei der Zukunftsfrage

Fußball  Thorsten Damm, der Sportliche Leiter des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union, stellt Fortsetzung der Oberliga-Saison infrage. Marc Schneckenberger setzt sich in internem Wettbewerb durch.

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Neckarsulms Torhüter Marcel Susser stellt auf der NSU-Facebook-Seite seine koordinativen Fähigkeiten als Jongleur auf einem Bein mit zwei Avocados und einer Zitrone unter Beweis.

Fotos: Alexander Bertok

Viel zu tun gibt es für Thorsten Damm und seinen Stab auch während der Coronavirus-Zwangspause. Es gilt die Akteure mit Home-Training fit und im Stand-by-Modus zu halten. Auch werden die Personalplanungen vorangetrieben. "Die Gespräche mit den Spielern laufen aktuell", sagt der Sportliche Leiter des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union, ohne dabei zum jetzigen Zeitpunkt ins Detail gehen zu wollen. "Sicher ist aber, ein Großteil der Mannschaft wird auch in der nächsten Saison auf dem Pichterich zu sehen sein."

Drängend ist diese Frage: Wie und wann geht es mit der aktuellen Saison weiter? "Das ist eine noch nie dagewesene Situation, die mir jegliches Bauchgefühl raubt. Im Moment scheint alles möglich", sagt Damm. "Da heißt es, wir befinden uns in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, interessieren uns dann aber für alltägliche Dinge. Wann geht die Schule weiter, wann wird in der Kreisliga wieder gekickt. In New York stapeln sich die Toten und wir machen uns Gedanken, ob es am 2. Mai gegen Freiburg weitergeht. Das macht es für mich so schwer und unwirklich."

Es gibt viele Unwägbarkeiten. "Angenommen, die Runde wird am 2. Mai fortgesetzt und verlängert, was passiert, wenn danach ein Spieler irgendeines Teams am Virus erkrankt? Und das muss passieren, rein statistisch. Dann ist diese Mannschaft ja komplett schon wieder zwei Wochen in Quarantäne und darf nicht trainieren" spekuliert Damm. "Oder lasse es am letzten Spieltag noch um etwas gehen und freitags davor wird einer positiv getestet. Was dann? Es heißt ja, die letzten beiden Spieltage müssen wegen einer möglichen Wettbewerbsverzerrung zeitgleich stattfinden. Pausieren alle? Wird dann die Saison nochmals verlängert?" Auch ein Abbruch wäre für Damm mit Ungerechtigkeiten verbunden. "Ich bin froh, darüber nicht entscheiden zu müssen."

Die Spieler werden bei Laune gehalten

Doch es hilft nichts, auch in Neckarsulm muss man sich auf eine mögliche Fortsetzung der Saison einstellen. Thorsten Damm und Coach Marcel Busch befinden sich in ständigem Kontakt mit ihren Akteuren. "Telefonisch oder per Whatsapp wird versucht, die Jungs bei Laune und auf dem Sprung zu halten. Wir sind im Austausch. Wie gestaltet man diese Phase, so dass alle körperlich und geistig fit bleiben?"

Fehlendes Neckarsulmer Bauchgefühl bei der Zukunftsfrage

Sieger der Klopapier-Challenge wurde Marc Schneckenberger.

Auch soll die Zeit genutzt werden, um etwas abzuschalten. Individuelles Training daheim, ist dennoch notwendig. "Die Jungs machen es super und dokumentieren das über eine App. Es ist nicht so, dass jeder macht, was er will. Alles ist zielgerichtet", erzählt Damm von ausgearbeiteten Programmen. Die Spieler im Motivations-Modus zu halten, ist nicht einfach. "Wir befinden uns in einer künstlichen Situation, in einer Art Bereitschaft wie bei der Freiwilligen Feuerwehr. Auch auch wenn einige denken, es brennt doch eh nie."

Depressiv ist noch niemand. "Die Stimmung ist gut, und die versuchen wir hochzuhalten, unter anderem mit einer Wochen-Challenge. Wie der Klassiker, dem Jonglieren einer Klopapierrolle", berichtet Damm vom Sieg des Kapitäns Marc Schneckenberger vor Nico Charrier und Marius Klotz. "Schnecke hat es 95 Mal geschafft. Dass ist echt krass und gar nicht so einfach. Ich habe das selbst auch probiert, es aber schnell wieder gelassen." Das witzigste Video kam von Marc Mägerle. Dessen Hund schnappte sich während der Übung die Rolle und biss hinein.

Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht

In einer weiteren Aktion werden Interessierten auf Facebook Übungen zum Mit- und Nachmachen angeboten. Hierbei wechseln sich die Spieler des Oberligisten ab, und sie machen in den Videos durchaus eine gute Figur, vor allem Avocado-Jongleur Marcel Susser. Alle zwei Tage gibt es ein neues Fitnessangebot.

"Ich durfte der Erste sein", erzählt Damm. "Ein ehemaliger Mitspieler hat mir geschrieben, sein Sohn habe den ganzen Tage geübt, bis es klappte. Er hat ein Foto dazu mitgeschickt." Es gibt also erfreulich viele positive Rückmeldungen. Gleiches gilt offenbar auch für die Vertragsverhandlungen mit den eigenen Spielern.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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