Die Mini-WM in Neckarsulm wirkt maximal nach

Handball  Warum es gar nicht so wichtig ist, dass Dänemark in der Neckarsulmer Pichterichhalle Weltmeister geworden ist.

Von Lars Müller-Appenzeller

 

Hans Artschwager kommt ganz schön rum: Am Freitag und am Samstag Nancy, am Sonntag Neckarsulm. Der Präsident des Handballverbandes Württemberg hatte in Frankreich ein Auge auf die deutschen Frauen, die bei der Europameisterschaft glänzen. "Aber das war nur die EM", sagt Artschwager in der Neckarsulmer Pichterichhalle augenzwinkernd, "das hier ist die WM: Jeder ist gespannt, wer der wahre Mini-Weltmeister wird."

24 E-Jugend-Mannschaften aus dem Bezirk Heilbronn-Franken waren von Samstag bis Sonntag bei der ersten Stimme Mini-Handball-WM am Start. Die Premiere war nicht nur ein voller Erfolg, sie hat eingeschlagen wie ein Sprungwurf in den Torwinkel. Gänsehautatmosphäre - nicht nur vor dem großen Finale zwischen Dänemark (JH Flein-Horkheim) und Brasilien (HSG Hohenlohe 1).

 

 

Mehr als 250 Kinder sorgen für Gewusel

In der Sulmhalle und in der Pichterichhalle ist es vor allem: laut. Mehr als 250 Kinder mit ihren Trainern, Eltern und Geschwistern sorgen an den beiden Tagen für Gewusel und Action. Am Samstag hat Lenni Münz Geburtstag. Auf die Frage, was er sich wünscht, antwortete er: "Dass Deutschland Weltmeister wird." Lenni spielt bei der SG Heuchelberg 1, die bei der Mini-WM Deutschland vertritt.

Am Sonntag wuselt sein Teamkollege Rafael Geist in der Sulmhalle herum - hier können die Neun- und Zehnjährigen beim Zielwerfen oder dem Speedcheck ihr Können testen. Der neunjährige Rafael freut sich über seinen 45 Stundenkilometer schnellen Wurf, ärgert sich aber ein bisschen über das Abschneiden im Turnier: "Wir sind gerade ausgeschieden."

Deutschland verpasst das Halbfinale

Das Aus für Deutschland? Das wäre schlecht für die WM der Männer, die von 10. bis 27. Januar in Deutschland und Dänemark stattfinden wird. Aber bei der Mini-WM ist die Stimmung auch nach dem deutschen Aus prächtig. Die Isländer werden beispielsweise auf der proppenvollen Tribüne der Pichterrichhalle lautstark von Fans in Island-Trikots mit dem weltbekannten "Huh!" unterstützt. Das ist Heinz Nitsche das Wichtigste: "Die Begeisterung der Kinder auf dem Feld und der Eltern auf der Tribüne", sagt der Vorsitzende des Bezirks Heilbronn-Franken.

Mit einem Auge verfolgt Nitsche die Hauptrundenpartie der Ungarn - die Mannschaft des TSV Weinsberg wird von seiner Tochter Anja Nitsche betreut. Der Handball-Boss der Region sagt: "Was für tolle Talente hier sind: Wie manche Kinder den Ball annehmen und schon einen Sprungwurf machen - phänomenal!"

 

 

Thomas Schadenberger: Ganz wichtiges Alter

Normalerweise haben Handballer in diesem Alter fünf bis sechs Spieltage - quasi kleine Turniere - zwischen September und Ostern, sind auch ein Mal im Jahr bei einem Bezirksspielfest am Start. Was anders ist: "Die Mini-WM ist viel professioneller aufgezogen", sagt Thomas Schadenberger. Der 44-Jährige aus Nordheim ist Vertreter der Jugend im Bezirk und weiß. "Das ist ein ganz wichtiges Alter: Die E-Jugend ist der Grundstock für unseren Handball in der Region, hier ist die Begeisterungsfähigkeit am größten." Sicher ist: Die Mini-WM, die von einer 100 Köpfe großen Helferschar der Neckarsulmer Sport-Union ausgetragen worden ist, wirkt maximal nach.

Auch Hans Artschwager ist begeistert. Vor dem Finale filmt er mit dem Smartphone die Hymnen und sagt: "Diese Mini-WMs, die in elf anderen Landesverbänden durchgeführt werden, sind eine supertolle Grundlage, um für die Männer-WM zu werben." Die Dänen und Brasilianer liegen sich in den Armen und singen lauthals die deutsche Hymne mit, die zu Ehren der Schiedsrichter Henrik Rösch und Michael Roll gespielt wird. Die Halle ist voll, die finalen zehn Minuten des Turniers stehen an.

Humba vor der proppenvollen Tribüne

Es geht zur Sache: Da wird geworfen, getroffen, geweint und getröstet, aber auch schon geschoben und gehalten. Am Ende gewinnt Dänemark 40:20 - die erzielten Tore werden mit der Anzahl der Torschützen multipliziert. Die Dänen feiern, machen mit ihren Fans auf der Tribüne das Humba. Weltmeister-Torhüter Tim Leinsetter strahlt. Wer sein Vorbild ist? Schulterzucken. Ob er im Januar die WM verfolgt? Schulterzucken. Wen er sich als Weltmeister wünscht, Deutschland oder Dänemark? "Beide!"

 

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