Der Horkheimer Trainer grillt, statt das TSB-Team vorzubereiten

Handball  In der aktuellen Corona-Krise herrscht viel Ungewissheit ganz ohne sportlichen Alltag, nicht nur beim Handball-Drittligisten im Heilbronner Stadtteil.

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Augen zu und draufgeballert: Pierre Freudl, der Kapitän des TSB Horkheim, weiß nicht, wann er das nächste Mal die Chance dazu bekommen wird.

Foto: Veigel

Michael Schweikardt steht am Grill. Drauf liegen Brutzel-Klassiker. "Ich bin nicht so fürs vegetarische Grillen." Es ist Samstag, spät am Nachmittag. Eigentlich hätte Schweikardt jetzt keine Zeit, um mit der Familie und ein paar Freunden zusammenzusitzen. Eigentlich stünde er in Blaustein in der Sporthalle und würde die Drittliga-Handballer des TSB Horkheim aufs Spiel vorbereiten. Was ein Trainer eben so macht. Aber es gibt keinen Sportbetrieb mehr in Zeiten der Coronavirus-Krise. Schweikardt fühlt sich komisch. "Es ist schon ungewöhnlich für mich, ein Wochenende ohne Handball zu haben."

Gesamter Spielbetrieb ausgesetzt

Es ist nicht nur ein Wochenende. Der Deutsche Handballbund hat den gesamten Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt. Danach käme regulär noch die Saisonabschluss-Partie des TSB gegen Hochdorf am 25. April. Die vier Begegnungen zuvor sind vorerst abgesagt.

Vorerst? Oder wird gar nicht mehr gespielt? "Keine Ahnung", sagt Michael Schweikardt. Niemand weiß, wie sich die Corona-Krise weiter entwickeln wird.

Manager Löbich bedauert die Verbandsfunktionäre

"Die Leute beim Verband haben wirklich die Arschkarte, man kann es nicht anders ausdrücken", sagt Michael Löbich, der Manager des TSB Horkheim. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Infektionslage auch Ende April keine Spiele ermöglicht. Wer soll dann aufsteigen, wer absteigen? Wird die Saison annulliert? Spielt man 2020/21 in den alten Konstellationen weiter?

Die Zahl der Fragen ist groß. Antworten gibt es keine.

"Ich will nicht Verbandspräsident sein, nirgendwo", sagt Löbich. Es sind ja alle Sportarten gleichermaßen betroffen. In vielen Fällen wird versucht, auf Zeit zu spielen.

Beim TSB Horkheim ist das Training ausgesetzt. Am Montagabend trifft sich die Vorstandschaft, auch Trainer Schweikardt ist dabei. Dann wird erörtert, wie es weitergehen könnte, auch in noch dramatischeren Zeiten, wenn vielleicht Ausgangssperren verhängt werden. Alles ist denkbar. Die Frage, die sich Michael Löbich am Samstag gestellt hat, ist womöglich bald gar nicht mehr wichtig: "Wie halten wir die Kerle fit?"

Immerhin droht keine finanzielle Pleite

Dem Horkheimer Drittliga-Handball droht zumindest nicht die Pleite. "Es würde weh tun, wenn gar nicht mehr gespielt wird, uns fehlen im schlechtesten Fall zwei Heimspiele", berichtet Löbich. "Aber es ist nicht so, dass es den Verein nach der Corona-Krise nicht mehr geben würde."

Anderswo könnte die Lage drastische Folgen haben. Michael Schweikardt ist nicht nur Trainer beim TSB, er hat auch einen Job beim Erstligisten TVB Stuttgart, für den er bis zur vergangenen Saison gespielt hat. Er sagt: "In der Bundesliga werden einige Clubs zu knabbern haben." An diesem Montag schalten sich die Geschäftsführer der 18 Mannschaften zu einer Telefon-Krisenkonferenz zusammen. Es geht darum zu klären, wie die wirtschaftlichen Risiken abgemildert werden können.

Die Gedanken ans Weiterspielen sind auch auf dieser Ebene nur theoretischer Natur. Doch irgendwelche Konzepte muss es geben. Michael Löbich sagt: "Zwischen normalem Denken und Hysterie muss man schon unterscheiden." Er weiß, dass es demnächst den ersten Infizierten im TSB-Kader geben könnte. "Ich kann den Spielern keine bindenden Vorgaben machen, dass die nur noch daheim sein dürfen, das sind ja keine Handball Profis, die gehen arbeiten. Ich kann auch nicht sagen: Du gehst jetzt zum Gesundheitsamt und lässt dich testen!"

Die einzige Gewissheit

Die einzige Gewissheit: Die Verträge mit den Spielern laufen bis zum 30. Juni. Bis dahin spätestens müsste die Saison zu Ende gespielt sein. "Dann ist da aber natürlich nix mit Urlaub machen und nach Malle fliegen", verweist Löbich auf die ursprünglichen Planungen von Spielern. Immerhin, der Trainer konnte sich am Samstag eine kleine Grillparty gönnen. Ein bisschen normales Leben in diesen außergewöhnlichen Zeiten der Corona-Krise. Es sieht sehr danach aus, als werde alles noch viel schlimmer kommen.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme. 

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