Das ist es wieder, das Hinrunden-Syndrom der Neckarsulmer Oberliga-Handballer

Handball  Neckarsulmer Sport-Union verliert mit 28:31 gegen Söflingen und steckt erst einmal wieder im Tabellenkeller.

Das ist es wieder, das Hinrunden-Syndrom der Neckarsulmer Oberliga-Handballer

Gegen die offensive Söflinger Abwehr war es für die Neckarsulmer um Moritz Kerner (Mitte) schwer hindurch zu schlüpfen.

Foto: Andreas Veigel

Hinrunde können die Neckarsulmer in der Oberliga einfach nicht. In der Aufstiegssaison stand die Sport-Union zur Hälfte bei 10:20 Punkten, ein Jahr später waren es 9:19 Punkte, nach der vierten Niederlage im fünften Spiel sind es aktuell 2:8 Zähler. "Unser klassischer Saisonstart", sagte Trainer Clemens Borchardt am Samstagabend zähneknirschend.

Da hatte sein Team in der Pichterichhalle gerade mit 28:31 (14:16) gegen die TSG Söflingen verloren.

Ärger über Spielende

Wie fast in jeder Partie war mehr drin gewesen für die Unterländer. "Das Ende war sehr ärgerlich", sagte Robin Mahl. Der 24-Jährige war mit zehn Treffern nicht nur der beste Torschütze, sondern gemeinsam mit Felix Trumpp auch der unermüdliche Antreiber seines Teams. Als der Linksaußen kurz nach der Pause hart bedrängt im Gegenstoß das 17:17 erzielte und sein Gegenspieler Moritz Bittner für die Attacke gegen ihn die Rote Karte sah, schien die Siegesstraße für die Gastgeber geebnet. Mahl gelang zwar kurz darauf das 18:17, doch das blieb bis zum Ende die einzige Führung.

Kleinigkeiten machen den Unterschied

Bis zum 26:26 (52.) schenkten sich beide Teams nichts. Söflingen legte vor, Neckarsulm zog postwendend nach. "Dann haben Kleinigkeiten den Unterschied gemacht", konstatierte Borchardt. Nicht auf alle hatte sein Team Einfluss. Die haarsträubende Zwei-Minuten-Strafe gegen Trumpp etwa (53.). Oder Pech bei Abprallern, Blocks und gehaltenen Siebenmetern, meiste landete der Ball direkt wieder beim Gegner oder im Seitenaus. Kein Wunder, dass das meistgespielte Lied des Abends "Das gibt"s doch gar nicht" von Rapper Wolf war.

Andere Kleinigkeiten hätten die Neckarsulmer dagegen besser machen können. "Uns hat am Ende die Tiefe im Angriff gefehlt", monierte Niklas Brake, der auf halbrechts deutlich torgefährlicher und durchsetzungsstärker agierte als Neuzugang David Track. Beim Stand von 28:29 (57.) hatten beide Teams einen Mann weniger auf dem Feld. Söflingen nahm den Keeper raus, spielte den sechsten Feldspieler frei und markierte in Person des überragenden Rechtsaußen Kevin Kraft (zehn Tore) das vorentscheidende 30:28.

Neckarsulm geht nicht ins Risiko

"Gegen die offensive Deckung haben wir auch in Unterzahl nie den Torhüter gezogen, weil das Risiko eines Ballverlusts zu groß war", erklärte Borchardt die unterschiedlichen Strategien. Der Erfolg gab ihm grundsätzlich recht, denn die Neckarsulmer spielten mit fünf Angreifern teilweise effektiver als mit sechs. Die nackten Zahlen logen am Ende aber nicht. "31 Gegentore zu Hause sind zu einfach zu viel", sagte Borchardt.

Trotz des Hineinrutschens in ein neuerliches Hinrunden-Syndrom lag aber auch Mahl mit seinen Worten nicht falsch: "Auf dem Spiel lässt sich aufbauen." So richtig viel falsch hatten die Neckarsulmer nicht gemacht. Allerdings dürfte eine "ordentliche Leistung" (Borchardt) auch nächste Woche nicht genügen, um sich zu therapieren. Dann kommt der 10:0-Punkte-Tabellenführer Pforzheim-Eutingen in die Pichterichhalle.

Für am Hinrunden-Syndrom leidende Neckarsulmer beinahe eine unlösbare Aufgabe.

Mehr zum Spiel

Neckarsulmer SU: Bognar, Max Kerner (Tor) - Broqi, Trumpp (6), Brake (3), Track (1), Moritz Kerner (4/3), Schreider (1), K. Matschke, Hofacker (3), Heilmann, Gohly, Mahl (10).

BesterSchütze der TSG: Kraft (10/2).

Siebenmeter: NSU 3/3; TSG 8/5.

Zeitstrafen: 5/3.

Disqualifikation: Rot für Bittner (Söflingen/35.).


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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