Aufschwung in Neckarsulm, Flaute in Weinsberg

Handball  Feierlaune in Neckarsulm, Krisenmodus in Weinsberg – die Stimmungslage bei den beiden Oberligisten aus der Region könnte zurzeit kaum unterschiedlicher sein. Dabei trennen beide abstiegsgefährdeten Teams in der Tabelle gerade einmal zwei Punkte.

Von Stephan Sonntag

 

Neckarsulmer Sport-Union − TSV Blaustein 25:22

Aufschwung in Neckarsulm, Flaute in Weinsberg

Starker Auftritt der Neckarsulmer Sport-Union um Spielmacher Benjamin Schreider gegen den Tabellenführer aus Blaustein.

Foto: Andreas Veigel

"Derbysieger, Derbysieger", skandierten die Neckarsulmer Spieler nach dem überraschenden, aber verdienten Sieg gegen den Tabellenführer. Nun liegt ja Blaustein immerhin 159 Kilometer entfernt von Neckarsulm, von einem Lokalrivalen kann da eigentlich keine Rede sein. "Bei uns ist jeder Erfolg ein Derbysieg. Das fühlt sich einfach besser an", klärte Kreisläufer Felix Hofacker auf.

Richtig gut fühlt sich auch der 7:1-Lauf seit Jahresbeginn an. Die Sport-Union schickt sich an, eine ähnlich starke Rückrunde zu absolvieren wie in der Aufstiegssaison. "Das ist natürlich das Ziel, gerade zu Hause wollen wir wieder eine Macht sein", sagte Torhüter Max Kerner, der mit zwölf Paraden großen Anteil am Sieg hatte. Dabei hatte der Keeper unter der Woche noch mit einer Erkältung aussetzen müssen.

"Wir haben sofort einen Zugang ins Spiel bekommen", lobte Trainer Clemens Borchardt. Das galt besonders für die in den ersten 30 Minuten überragende Abwehr der Gastgeber. Erst in der siebten Minute gelang den Blausteinern der erste Treffer, bis zur 20. Minute waren es gerade einmal drei, zur Pause acht. "Die erste Hälfte lief überragend, es hat so gut wie alles geklappt", freute sich Kerner. Vom 3:1 (9. Minute) setzte sich Neckarsulm bis auf 10:3 (20.) ab. "Alle Spieler haben gezündet", sagte Borchardt.

Blaustein kam aus dem Rückraum nullkommanull zur Geltung, die Kreisanspiele wurden von der aktiven Deckung verhindert, die Würfe von Außen waren eine sichere Beute von Kerner. Kein Wunder, dass Gästetrainer Tim Graf bereits früh in Alarmstimmung war und verzweifelt versuchte, sein Team auf Kurs zu bringen.

Mit reichlich Wut im Bauch kam der TSV aus der Kabine, um den 8:14-Pausenrückstand zu drehen. "Das haben wir erwartet. Es ging darum gegenzuhalten", sagte Borchardt. Das gelang zunächst nicht. Beim 16:14 (40.) war der schöne Vorsprung schon auf zwei Treffer geschmolzen. Als nach dem 17:15 (43.) innerhalb von neun Sekunden Benjamin Schreider und Robin Matschke Zeitstrafen erhielten, schien die Partie endgültig zu kippen. Doch mit großem Einsatz und viel Laufbereitschaft hielt das verbliebene Neckarsulmer Quartett dagegen. Fabian Göppele traf in Unterzahl zum 18:15 (44.), Kevin Matschke legte das 19:15 (45.) per Strafwurf nach.

Jetzt war die Sport-Union wieder in der Spur und kochte den Spitzenreiter eiskalt ab. Bei den Blausteinern lagen die Nerven blank, Adrian Wowra und Jan Philipp Terbeck gerieten auf der Bank sogar aneinander. Die Blauen feierten da schon. "Wir sind gerade eine geile Einheit", sagte Borchardt, warnte aber: "Wir dürfen uns nicht zurücklehnen."

Neckarsulmer Sport-Union: Kerner, Bognar (Tor) - Göppele (5), Baumann, Trumpp (1), Brake (2), Schenk (3/1), Schreider (2), K. Matschke (7/2), Weippert, R. Matschke, Hofacker (1), Heilmann (1), Gohly (3).

Beste Schützen des TSV: Rapp (8/2), Terbeck (3), Hoßfeld (3).

Siebenmeter: NSU 5/3; TSV 2/2.

Zeitstrafen: 6/5.

Disqualifikation: Wowra (Blaustein/60.) nach dritter Zeitstrafe.


TSV Zizishausen − TSV Weinsberg 34:30

Aufschwung in Neckarsulm, Flaute in Weinsberg

Der TSV Weinsberg mit Moritz Wahl (blaues Trikot) strauchelt weiter und kassiert in Zizishausen die zweite Niederlage in Folge.

Foto: Archiv/Veigel

Die vorgezogene Staffelübergabe auf der Trainerbank hat in Weinsberg nicht zur sofortigen sportlichen Trendwende geführt. Der neue alte Trainer Markus Kübler erlebte in Zizishausen ein Festival der vergebenen Chancen seines Teams. "Wir hatten keine Abschlussquote und haben dadurch unseren Vorsprung zu schnell hergegeben", sagte Kübler. Kapitän Sven König machte den Kräfteverschleiß für die Niederlage verantwortlich: "Am Ende fehlte die Kraft, weil zu viele Leute 60 Minuten durchspielen müssen."

Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte zogen die Gäste mit einem 3:0-Lauf auf 20:16 (35.) davon. Doch nur vier Minuten später stand es schon 21:21. Besonders die Rückraumhalben Cornelius Maas und Thomas Grau bekam die Weinsberger Abwehr nicht in den Griff. Vorne wurde viel zu oft überhastet und unkonzentriert abgeschlossen. Ein 3:0-Lauf innerhalb von 84 Sekunden vom 26:26 zum 29:26 sorgte schließlich für die Entscheidung.

TSV Weinsberg: Hölzl, Wersch (Tor) - Schulze (5), Nentwich (2), J. König (4), Bollmann, F. Reichert (2), S. König (4), Ruck (4/2), Frank (4), Rieker, Wahl (5), Darancik.

Beste Schützen des TSV: Grau (8), Maas (8).

Siebenmeter: Weinsberg 3/2; Zizishausen 6/3.

Zeitstrafen: 6/7.

 
 

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