Alles wieder auf Anfang beim TB Richen

Handball  Den Handballern des TB Richen kommt die Zwangspause beinahe recht: Die Motivation des Tabellenletzten der Bezirksliga war im Keller. Nun wollen die Kraichgauer freiwillig absteigen und wagen mit einem neuen Trainer einen Neustart.

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Gunther Ohr (Mitte) hatte den TB Richen interimsmäßig betreut, macht jetzt aber dem neuen Trainer Benjamin Bernauer und einem Neuanfang Platz.

Foto: Archiv/Bertok

Die Saison war schon vorher zum Vergessen. Lange vor Corona. Sofern eine Virus-Pandemie überhaupt etwas Gutes haben kann, dann ist es in diesem Fall, dass den Handballern des TB Richen am Ende ein gutes Stück ihres eigenen sportlichen Elends erspart geblieben ist.

Zwar hatte sich der Bezirksligist aus dem Kraichgau in den letzten acht Spielen durchaus noch gegen den einen oder anderen Gegner was ausgerechnet. "Aber für mehr als den letzten Platz hätte auch das nicht gelangt", sagt Keeper Martin Appelt.

Die ersten zehn Spiele gingen allesamt verloren

Diesen letzten Platz kennt der TB Richen nur zu gut: Mit 3:29 Punkten war die Mannschaft abgeschlagenes Schlusslicht, die ersten zehn Saisonspiele gingen allesamt verloren. Die Kraichgauer standen schon früh auf verlorenem Posten. "Ich persönlich bin fast froh, dass es vorbei ist", sagt Appel über die Saison, die im Prinzip abgebrochen ist und auch nicht wieder aufgenommen wird. Die Lust auf Handball war den Kraichgauern vergangen. Absteigen müssen sie trotzdem nicht: Nach aktueller Lage wird es auf Verbandsebene zwar Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Die Kraichgauer wären einmal mehr mit blauem Auge davongekommen.

Doch diesmal ziehen die Handballer gleich selbst die Reißleine und wollen freiwillig in die Bezirksklasse absteigen. "Alles andere macht ja keinen Sinn", sagt Abteilungsleiter Michael Haag. Bereits in der Vorsaison waren die Kraichgauer sportlich abgestiegen, hielten die Klasse aber, da aufgrund der Fusion der TSG Heilbronn und des SV Heilbronn am Leinbach ein Platz frei geworden war.

Doch kein Glücksfall

Im Nachhinein kein Glücksfall, was die Richener schnell zu spüren bekamen. "Wenn man immer nur auf den Sack kriegst, ist es natürlich schwierig", sagt Haag. Insofern schützen sich die Kraichgauer mit dem freiwilligen Abstieg auch selber, wollen eine Klasse tiefer nun den Neuanfang nachholen.

Es wird ein größerer Umbruch, da einige ältere Spieler künftig kürzertreten oder komplett aufhören - und zeitgleich eine Reihe junger Spieler aus dem Nachwuchs aufrückt. Zwar wird es in der neuen Spielzeit keine A-Junioren mehr geben - dafür wird der TB eines seiner größten Probleme nachhaltig lösen. Die Jugendlichen rücken auf, verstärken die erste und zweite Mannschaft. Anhaltende personelle Engpässe hatten es Richen in der Runde zusätzlich schwer gemacht. "Das Problem sollte damit aber behoben sein", hofft Haag.

Der Trainer trat mitten in der Saison zurück

Hinzu kam noch der Rücktritt von Trainer Oliver Zimmermann mitten in der Saison. Weil sich die Nachfolger-Suche schwer gestaltete, sprang Gunther Ohr interimsmäßig ein, mit dem Trainerfuchs kamen die ersten Punkte - aber Ohr hätte maximal bis Saisonende weitergemacht. So richteten die Richener ihre Suche gleich auf die neue Saison aus und sind nun fündig geworden: Benjamin Bernauer wird vom SV Heilbronn an Leinbach II kommen. Der 32-Jährige war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung auf eine Anzeige der Kraichgauer gestoßen - danach ging dann alles schnell.

Noch vor der Zwangspause leitete Benjamin Bernauer ein Probetraining beim TB. "Ich war völlig überwältigt, da standen plötzlich 25 Spieler in der Halle", sagt er. Umgekehrt hinterließ auch er einen guten Eindruck. "Er ist die Sache absolut positiv angegangen", sagt Haag, der bald Nägel mit Köpfen gemacht hat. Der Gang in die Bezirksklasse ist für Bernauer in Ordnung. "Ein Neuaufbau ist sicher sinnvoll und ist auch in meinem Sinn", sagt er.

Der Abteilungsleier macht Pause

Auch dem Abteilungsleiter ist die Lust am Handball zuletzt ein wenig abhandengekommen. Zwar bleibt Michael Haag vorerst Abteilungsleiter beim TB Richen. Spielen will der 33-Jährige zumindest vorerst aber nicht mehr. "Ich werde ein Jahr Pause einlegen", sagt Haag, der seit einiger Zeit in Lauffen wohnt. Abgesehen von der sportlichen Talfahrt war ihm zuletzt auch die Pendelei aufs Gemüt geschlagen. Er will nun erstmal Abstand gewinnen, seine aktive Karriere aber hat Haag noch nicht aufgegeben. "Ich will das Jahr Pause nutzen und vielleicht neue Motivation sammeln", sagt er.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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