1989 spielte die sowjetische Handball-Nationalmannschaft in der Ballei

Sport  In dieser Woche vor elf, 31 und 58 Jahren war ganz schön was geboten im internationalen und im regionalen Sportgeschehen. In der Neckarsulmer Ballei traten Weltstars gegen die heimischen Spieler an.

Email

Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen schier unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich manch historisches Schätzchen. Was bestimmte das Sportgeschehen in der 43. Kalenderwoche vor 11, 31 und 58 Jahren?

1962: 75.000 Zuschauer sehen im Neckarstadion ein 2:2

Im zweiten Länderspiel nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM 1962 in Chile trennte sich eine neuformierte deutsche Nationalmannschaft in Stuttgart mit 2:2 von der Equipe tricolore. Foto: imago

"Auch nach fünfundzwanzig Jahren kein Sieg über Frankreich", titelte die HSt am 25. Oktober. Im zweiten Länderspiel nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM 1962 in Chile trennte sich eine neuformierte deutsche Nationalmannschaft vor 75.000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion mit 2:2 von der Equipe tricolore. Den zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand glichen Timo Konietzka und Debütant Heinz Steinmann aus. Eindrucksvollster Spieler war aber Uwe Seeler.

"Selbstbewusst suchte der ,Dicke' den Weg zum Tor", analysierte die Stimme. Dabei spielte der Kapitän in seinem 35. Länderspiel auf der ungewohnten Rechtsaußenposition. "Das Spiel ,draußen' macht Spaß, aber der Weg zum Tor ist weiter", erklärte Seeler hinterher. Bundestrainer Sepp Herberger analysierte die Partie leicht kryptisch: "Das Spiel war zu schön, als dass es gut gewesen sein könnte."

Heute undenkbar, damals nicht ungewöhnlich, gab auch der österreichische Schiedsrichter Fritz Seipelt seine Bewertung des Spiels ab: "Wenn die deutsche Abwehr beim 3:2 in Zagreb gegen Jugoslawien so viele Fehler wie beim 2:2 gegen Frankreich gemacht hätte, wäre Deutschland gegen Jugoslawien nicht als Sieger vom Platz gegangen." Einig war sich der Unparteiische mit der HSt über die besten Spieler: "Im deutschen Sturm gefielen Uwe Seeler und Heinz Strehl besonders."

Knapp fünf Jahre später endete in Berlin schließlich die Sieglosserie gegen Frankreich. Der 5:1-Erfolg ist bis heute der höchste Sieg gegen die Franzosen.

1989: Die Russen greifen tief in die Handball-Trickkiste

Russen treffen in der Ballei sogar per Kopf

Wimpelübergabe der Kapitäne 1989: Andrei Tjumenzew (li.) und Neckarsulms Jürgen Kaufmann. Foto: Archiv/Krüger

Neckarsulms Trainer Günther Pflug gab hinterher unumwunden zu: "Wenn die Russen wollen, verlieren wir hier 60:5." So schlimm kam es für den Regionalligisten SG Neckarsulm nicht. Die sowjetische Handballnationalmannschaft beließ es vor 1000 Zuschauern in der Ballei bei einem gnädigen 38:28. "Russen griffen tief in ihre Handball-Trickkiste", titelte die HSt am 18. Oktober. Besonders Linksaußen Aljaksandr Karschakewitsch versetzte Gegenspieler und Zuschauer ins Staunen. "Er trickste die Bälle mal in Volleyballmanier, mal mit dem Rücken zum Tor, mal mit dem Kopf ins Netz", schrieb die HSt anerkennend am 19. Oktober.

"Daran kann ich mich auch noch erinnern", sagt Jürgen Kaufmann. Der Neckarsulmer Stadtkämmerer war 1989 Kapitän der Neckarsulmer. "Das war ein tolles Erlebnis für uns, in der vollen Ballei gegen solche weltbekannten Spieler wie Alexander Tutschkin spielen zu dürfen", sagt Kaufmann, der sogar noch eine Eintrittskarte von diesem Tag besitzt. "Ich habe auch ein Foto mit beiden Teams. Die Russen waren so groß, die passten nicht ins Tor."

2009: Jenson Button kostet seinen Triumph voll aus

Russen treffen in der Ballei sogar per Kopf

Jenson Button am Ziel seiner Träume: Im Jahr 2009 wird der Brite Formel-1-Weltmeister.

Foto: imago-images/Thomas Melzer

Vergangene Woche ging es an dieser Stelle um den wahrscheinlich unbeliebtesten Formel-1-Weltmeister der Geschichte Mike Hawthorn. Vor elf Jahren gewann ein britischer Landsmann den WM-Titel, der vielleicht "Der vergessene Weltmeister" genannt werden könnte. Oder wie die spanische Zeitung "Marca" am 19. Oktober bereits richtig mutmaßte: "Jenson Button ist ein Übergangs-Weltmeister." Zehn der elf folgenden Titelträger hießen entweder Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton. Positiver berichtete die HSt am 19. Oktober. "Echter Typ" überschrieb Sportchefin Stefanie Wahl ihren Kommentar und konstatierte: "Mit Jenson Button ist wieder ein richtiger Mann Weltmeister geworden."

Bis zu dieser Saison hatte "Our Jense", wie ihn die britische Presse gerne nannte, in neun Formel-1-Jahren gerade mal einen Sieg eingefahren. Mit dem Ausstieg von Honda schien Button zu Jahresbeginn vor dem Aus zu stehen, doch Ross Brawn übernahm das Team und benannte es in Brawn GP um. Ausgestattet mit Mercedes-Motoren war das neue Auto zu Saisonbeginn unschlagbar. Button gewann sechs der ersten sieben Rennen und legte damit den Grundstein für den Titel. Kein Wunder, dass der "Mirror" titelte: "Buttons Triumph ist ein Märchen".

Und diesen Triumph kostete der "britische Playboy" (HSt) bei Bier und Schampus in Sao Paulo aus: "Ich bin Weltmeister, und ich werde das die ganze Nacht sagen."


Wenn die Mama mit dem Schuh in den Ring kommt

In der dritten Runde war Steve McCarthy klar auf der Siegesstraße. Der Halbschwergewichtsboxer hatte sich in dieser Woche im Jahr 1989 seinen Gegner Tony Wilson in der Guildhall von Southampton gerade perfekt hingestellt und deckte ihn mit Schlägen ein, als plötzlich eine Frau in den Ring stürmte und McCarthy mit ihrem Stöckelschuh traktierte. Dabei handelte es sich um Wilsons 62-jährige Mutter Minna. McCarthy erlitt eine Schnittverletzung, die später mit vier Stichen genäht werden musste, war aber der festen Überzeugung, den Kampf durch das unerlaubte Eingreifen von Frau Mama gewonnen zu haben. Doch falsch gedacht: Ringrichter Adrian Morgan erklärte Wilson zum Sieger, weil McCarthy sich weigerte, den Kampf fortzusetzen. Der Verband setzte schließlich einen Rückkampf an, der aber wegen einer Grippeerkrankung McCarthys nicht ausgetragen wurde. 

 

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen