WM-Aus: Das sind die Reaktionen der Fans

Region  Das war's. Für Jogis Jungs ist die Weltmeisterschaft nach dem 0:2 gegen Südkorea zu Ende. Löw ist nach dem Spiel geschockt. Die Fans in der Region sind es auch. Ein Überblick.

Von unserer Redaktion und dpa
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Irgendwann ist die Hoffnung der Fans, die in der Region mitgefiebert haben, gekippt. Am Ende blieb nur noch blankes Entsetzen. Bundestrainer Joachim Löw entschuldigte sich nach dem Spiel gegen Südkorea bei den deutschen Fans. Er schloss seinen Rücktritt nicht aus. „Es ist zu früh für mich, die Frage zu beantworten, jetzt brauchen wir ein paar Stunden, um klarzusehen“, bat der entthronte Weltmeister-Coach um Bedenkzeit. „Es ist für uns eine riesige Enttäuschung, wir müssen schauen, dass wir das jetzt annehmen“, sagte Löw nach dem beschämenden 0:2 (0:0) gegen Südkorea und fügte an: „Ich bin geschockt!“

Mehr zum Thema: Fußball-Deutschland diskutiert den WM-K.o.

 

Viel Diskussion auf Facebook

Auch bei den Stimme-Facebook-Nutzern sitzt der Schock tief. Hier eine Auswahl der zahlreichen Beiträge:

 

 

 


Weitere Reaktionen von den Public Viewing-Plätzen in der Region

 

Public Viewing bei der WG Heilbronn und in Wüstenrot

Der große Innenhof der Genossenschaftskellerei in Heilbronn leert sich am Ende schnell. Foto: Dennis Mugler

Fassungslosigkeit. Trauer. Wut. Als das erste WM-Aus in der Vorrunde einer deutschen Nationalmannschaft besiegelt ist, sackt die Stimmung beim Public Viewing in der WG Heilbronn vollends in den Keller. 0:2 verloren gegen Südkorea. Unglaublich. Schnell leert sich der große Innenhof der Genossenschaftskellerei. "Der Jogi hat das selber versaut", sagt Peter Huber, einer von rund 1000 enttäuschten Fans. Nationaltrainer Löw hätte die Spieler Gomez, Brandt und Müller schon gleich zur zweiten Halbzeit bringen sollen. "Und dass er an Özil festgehalten hat, ist eine Katatstrophe." Was Peter Huber jetzt noch mit dem Restsommer anfängt? "VfB gucken", antwortet er. Die Bundesliga fange ja "Gottseidank" wieder im August an.

Was tun mit dem Restsommer? Ab nach Malle!

Sina Mäntele und Annika Wölkerling (beide 27) fläzen nach dem Abpfiff in Liegeklappstühlen im WG-Innenhof, um sich vom Schock zu erholen. Die Gefühlslage sei "fies", sagt Sina Mäntele. Dem DFB-Team habe das gewisse Etwas gefehlt, um zu gewinnen. Annika Wölkerling will jetzt "nach Malle fliegen" - um nicht zu sagen flüchten. Sina Mäntele will "die Leere nach dem WM-Ende mit Konsum füllen".

Ralf Stegmanns Bilanz ist nüchtern. "Wer drei Mal schlecht spielt, scheidet verdient aus", sagt der Geschäftsführer der Agentur X-Media, die zusammen mit der Genossenschaftskellerei die Leinwand in der WG aufgestellt hat. Das frühe Aus von Jogis Jungs drückt die Veranstaltung wahrscheinlich in die roten Zahlen. "Wir hatten uns mehr erhofft", sagt Stegmann. Er sieht in die Zukunft: "Wenn die Nationalmannschaft sich für die Europameisterschaften qualifiziert, wollen wir noch mal Public Viewing in der WG machen." Fürs erste Mal sei es bei dieser WM nicht schlecht gewesen. Zu den drei Vorrundenspielen der "Mannschaft" kamen rund 3000 Besucher in die Heilbronner WG. Ob die Leinwand jetzt für den Rest der WM stehen bleibt, ist offen. Stegmann: "Das werden wir rechtzeitig bekanntgeben."

Beim 0.2 schaut schon fast keiner mehr zu

Public Viewing in Wüstenrot
Am Anfang herrschte in Wüstenrot noch Volksfeststimmung. Foto: Gustav Döttling

"Ich habe ein gutes Gefühl, wir müssen die Euphorie aus dem Schweden-Spiel mitnehmen", war Lukas Wagner, Abteilungsleiter des FV Wüstenrot, noch vor dem Spiel voller Zuversicht. Sven Hildebrandt aus Bietigheim steht bei der Nationalhymne auf und legt die Hand aufs Herz. "Ich bin optimistisch 2:0 für Deutschland", sagt Hildebrandt. Auf dem Wüstenroter Dorfplatz herrscht anfangs Volksfeststimmung. Alle Biertischgarnituren sind besetzt. Zur Halbzeit dominiert angesichts des nicht überzeugenden deutschen Spiels schon Ernüchterung. Fluchtartig verlassen die ersten Zuschauer nach dem 1:0 für Südkorea enttäuscht den Dorfplatz. Beim 2:0 schaut schon fast niemand mehr zu. "Wir zeigen alle Spiele ohne Eintritt", sagt Peter Wild, Vorsitzender des FV Wüstenrot. Zum fünften Mal seit 2010 bietet der Verein das Public Viewing an. Mit rund 500 Besuchern sei dasKorea-Spiel bisher am besten besucht, so Wild.

Die Ordnungshüter in der Region hatten wenig zu tun. Alle Fans seien traurig heimgegangen, berichtet die Polizei. Von Hupkonzerten oder aggressivem Verhalten nach der Niederlage keine Spur.

 

 

Public Viewing in Waldenburg

Public Viewing in Waldenburg
Zuschauer flehen die deutsche Elf um - wenigstens - ein Tor an. Foto: Christian Nick

"Mit 5:0 gewinnen wir heute", ist sich Chris Buchstab sicher, der mit Frau und Kind den Weg ins Feuerwehrhaus gefunden hat - um einen deutschen Sieg zu bejubeln. Etwas realistischer ist da schon der Kommandant der Waldenburger Wehr: "Ich hoffe, dass unser Team heute endlich aufwacht", sagt Sven Hofmann, der zu Beginn freilich eine große Sorge hat: "Bitte jetzt keinen Einsatz!" Dieser Wunsch wenigstens wird erfüllt: Es brennt nicht in Waldenburg während der nächsten 90 Minuten.

Auf dem Platz in Kasan allerdings zunächst auch nicht - und am Einsatz mangelt es dort ebenfalls: Die Fans sehen zunächst eine verunsicherte Mannschaft mit trägem Spiel. Jogi Löw in Russland malträtiert seine Lippen mit der Zunge, die Waldenburger beißen zusehends frustrierter in die Rote Wurst. "Schießt den Ball doch endlich rein!", ruft ein vierjähriges Mädchen. Wenn das mal so einfach wäre!

Schon in der ersten Halbzeit stöhnen die Fans

Vereinzeltes Stöhnen, wenn sich die deutschen Angreifer wieder mal an der doppelten Viererkette der Südkoreaner aufreiben und die nur wenigen hochkarätigen Chancen nicht nutzen. Halbzeit. "Man hat das Gefühl, die Deutschen spielen in Unterzahl" - so lautet denn auch das Pausenfazit von Bürgermeister Markus Knobel. Karl Heinz Schick stellt eine noch unverblümtere Diagnose: "Standfußball ist das."

Weiter geht's! Deutschland startet hoffnungsvoll. Verhaltener Jubel brandet auf, als Leon Goretzka per Kopfball das Tor nur knapp verfehlt. Dennoch: Anfeuerungsrufe kommen fast nur von den Kids. Die Erwachsenen quittieren die Wasserstandsmeldungen vom Spiel Schweden gegen Mexiko mit Seufzen.

Nicht einmal Stoßgebete helfen

Erste Stoßgebete werden in Richtung Fußballgott geschickt - doch der trägt heute kein deutsches Trikot: Joachim Löws Mannschaft will nun wenigstens, kann aber nicht. Zumindest nicht den Ball im gegnerischen Netz unterbringen. "Bitte nur ein Tor", fleht ein Zuschauer, sichtlich bescheiden geworden, und hält sich an seinem Bier fest. Das Tor aber schießen die anderen: Treffer, Videobeweis, Zittern - Tor für: Südkorea. Die ersten verlassen den Raum. Ihnen bleibt wenigstens das 2:0 erspart.

Schlusspfiff. Aus der Traum. "Jetzt gehe ich mit mächtig Frust zur Nachtschicht", sagt Karl Heinz Schickle. "Da hätten wir anstatt dieser Elf lieber den VfB Stuttgart nach Russland geschickt: Die hätten 4:0 gewonnen", sagt ein anderer.

 

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