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Vor 40 Jahren: Beckenbauer, Netzer und Co im Frankenstadion

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Am 27. September 1984 gastiert die Portas-Traditionself mit ehemaligen Nationalspielern in Heilbronn – Arthur Grimm erinnert sich und erzählt von seiner Bekanntschaft mit Sepp Maier

Arthur Grimm in seinem Bayern-Hobbyraum in Herbolzheim
Arthur Grimm in seinem Bayern-Hobbyraum in Herbolzheim  Foto: Bertok, Alexander

Das Heilbronner Frankenstadion ist Austragungsort vieler unvergesslicher Fußball-Highlights gewesen. So wie in der Saison 1974/75, als der alte VfR Heilbronn in der 2. Bundesliga gegen 1860 München und den FC Augsburg jeweils mehr als 15 000 Zuschauer ins Stadion lockte. In Erinnerung geblieben sind auch das abendliche Freundschaftsspiel des VfR gegen die Profis des FC Bayern München in den 80er Jahren unter dem Scheinwerferlicht der Heilbronner Feuerwehr, wie auch der deutsche Pokalsieg der A-Junioren des VfR Heilbronn 1996 gegen Energie Cottbus. 

Traditions-Mannschaften schauten ebenfalls immer mal wieder an der Badstraße vorbei. An diesem 27. September vor 40 Jahren war es die zu jener Zeit bekannte Portas-Elf, ein Sammelsurium ehemaliger Nationalspieler der 60er und 70er Jahre, die im Frankenstadion gegen eine Unterland-Auswahl antrat.

Ehemalige Profis wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Jürgen Grabowski, Günter Netzer und Wolfgang Overath waren dabei  

Der Herbolzheimer Arthur Grimm war damals einer der begeisterten Zuschauer und knipste mit seinem Fotoapparat munter drauf los. Motive gab es genug, spielten in der Portas-Truppe doch unter anderem Uwe Seeler, WM-Zweiter von 1966, und die 74er-Weltmeister Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Jürgen Grabowski, Wolfgang Overath und Günter Netzer.

Sechs oder acht D-Mark habe er damals an der Kasse bezahlt, erzählt Grimm. „Wie das Spiel ausgegangen ist, weiß ich aber nicht mehr.“ Dafür erinnert sich der 77-Jährige an „ein tolles Spiel“ mit vielen sehenswerten Aktionen, wie die unvergleichbaren „Pässe von Beckenbauer aus dem Fußgelenk. Die sind alle angekommen.“Doch Arthur Grimm hat noch mehr zu erzählen, aus einer Zeit, in der nicht alles besser, aber vieles schöner war. Der eingeschworene Fan des FC Bayern hat etliche Spieler persönlich kennengelernt, auch Franz Beckenbauer, und ist mit Sepp Maier bis heute freundschaftlich verbandelt. Ehefrau Inge Grimm zeigt auf ihrem Handy den WhatsApp-Chatverlauf mit der deutschen Torwart-Ikone. Glückwünsche zum Geburtstag, Grüße zu Weihnachten oder Ostern, alles ist dokumentiert.

Zwanglose Treffen mit den Bayern-Stars in der Stadion-Gaststätte

„Auch private Kontakte mit dem Sepp hat es immer mal wieder gegeben. Wenn ich nach München fahre, schaue ich immer bei ihm vorbei, und steht sein Auto vor dem Haus, dann klingele ich“, sagt Grimm. Auch mit dem FCB-Fanclub Kornlupfer Bazi Offenau hat er „die Katze von Anzing“ auf der Tennis-Anlage des TC Anzing schon besucht – bevor es weiter ins Stadion ging. „Ich habe das im Vorfeld mit dem Sepp ausgemacht. Er hat es mir zuliebe gemacht und sich sehr viel Zeit für uns genommen“, erinnert sich Arthur Grimm an den 3. Oktober 2009.

Franz Beckenbauer 1984 im Frankenstadion
Franz Beckenbauer 1984 im Frankenstadion  Foto: privat

„Früher war alles anders, da konntest du mit den Profis auch mal ein Bierchen trinken. Und es hat da kein Sie gegeben, man war mit allen Spielern per Du“, berichtet Arthur Grimm von Besuchen im Münchner Olympiastadion und von zwanglosen Treffen mit den Bayern-Stars in der Stadion-Gaststätte nach den Bundesliga-Spielen. „Die waren nicht so abgeschottet und unnahbar, wie das heute der Fall ist.“ Er sei viele Male in München gewesen, war beruflich auf Montage in der bayerischen Landeshauptstadt. „Freitags habe ich oft beim Abschlusstraining zugeschaut, da hat man dann auch mit dem einen oder anderen geschwätzt“, sagt der Kirchenzeller (Kreis Mildenberg), der seit 1969 in Herbolzheim lebt. Damals sei alles viel lockerer gewesen.

Der Herbolzheimer Arthur Grimm durfte bei den Bayern mittrainieren 

Einmal durfte er bei den Bayern sogar mittrainieren, als Erich Ribbeck Coach in München war, wie Grimm stolz berichtet. Das war 1991 an einem Sonntagvormittag. „Ich habe den Ribbeck gefragt, ob ich mal mitmachen darf.“ Das Ja kam prompt. „Ich durfte dann ein paar Flanken und Eckbälle schlagen. Das war ein tolles Erlebnis.“ Den Trainingsanzug von damals, unterschrieben von allen Spielern, und ein Foto seiner „Trainingseinheit“ hängen im Hobbyraum seines Hauses, neben vielen anderen Bildern, Autogrammkarten und weiteren Bayern-Devotionalien. Mehr als 100 Fotos zieren die Wände, mindestens 200 weitere sind in Schubladen verstaut. „Würde ich alle aufhängen, müsste ich nochmals anbauen“, sagt Arthur Grimm und lacht. 

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