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Vereine üben weiter Kritik an der WFV-Strukturreform

Die Verschmelzung des Bezirks Unterland mit Teilen von Hohenlohe hat viele Gegner. Die Vereine haben das Thema zu lange ignoriert, nun sind die Entscheidungen getroffen.

Alexander Bertok
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Lesezeit 3 Min
Vereine üben weiter Kritik an der WFV-Strukurreform
Nicht nur bei der SG Stetten-Kleingartach ist der Frust über die Reform des Württembergischen Fußballverbands groß. Der Bezirksligist beschäftigt sich durchaus mit dem Gedanken, in den badischen Fußballkreis Sinsheim zu wechseln. Foto: Bertok  Foto: Bertok, Alexander

Es war im Herbst 2019 als der Württembergische Fußballverband seine Bezirks- und Spielklassenreform, die bereits 2015 auf den Weg gebracht wurde, auf Regionalkonferenzen vorstellte. Das Interesse der Vereine an diesen Veranstaltungen war gering. Auch im Nachgang gab es kaum kritische Wortmeldungen. Irgendwie ging das Thema an der Mehrzahl der Funktionäre komplett vorbei. Im Mai dieses Jahres wurde die Reform beschlossen. Erst danach wurde den Vereinen allmählich klar, was die Beschlüsse für Auswirkungen haben. Die Heilbronner Stimme berichtete mehrfach, doch das Thema köchelte vor sich hin.

Der Bezirk Hohenlohe wird zerschlagen und in Teilen dem Unterland zugeordnet. Die Bezirksligisten aus dem Unterland fahren ab der Saison 2024/25 bis nach Künzelsau und Bad Mergentheim. Die A1-Vertreter bilden mit Mannschaften aus den Bereichen Künzelsau und Öhringen eine neue Staffel und die A2-Ligisten mit den Teams aus dem Taubertal. Weitere Fahrten, weniger Zuschauer, eine geringere Anzahl Derbys, weniger Einnahmen und höhere Kosten - auch auf dem Unterland-Staffeltag wurde die Reform diskutiert. Die ablehnenden Stimmen mehren sich.

Eine Reform der Reform wird es nicht geben

"Vielleicht sind da Dinge falsch entschieden worden", hofft Karim Mahmoud noch auf eine Reform der Reform - was nicht geschehen wird. Dass aufgrund der sinkenden Mannschaftszahlen etwas getan werden muss, das ist dem Trainer des SC Ilsfeld klar, "aber meiner Meinung nach geht es jetzt in die falsche Richtung". Für ihn wäre die Verkleinerung der Ligen auf 14 oder 13 Teams oder eine Verringerung der Staffelanzahl ein Lösungsansatz - und nicht die jetzige, mit weiteren Wegen und einem deutlich größeren Zeitaufwand.

"Die Corona-Saisons haben vielen Leuten gezeigt, dass der Sonntag auch ohne Fußball rumgeht", sagt Mahmoud, dass der Freizeitgedanke in den vergangenen Jahren mehr an Bedeutung gewonnen habe. Bei Fahrten um die 100 Kilometer sei der komplette Sonntag verplant. Mahmoud ist auch gegen die Vermischung der Bezirke: "Hohenlohe sollte Hohenlohe bleiben und Unterland das Unterland. Da werden zwei intakte Bezirke ohne jegliche Not kaputt gemacht." Sollte der SC Ilsfeld 2024/25 der neuen Bezirksliga Unterland/Hohenlohe angehören, malt Mahmud schon jetzt ein düsteres Bild. "Dann hören von meinen 24 Spielern 15 auf."

Wechsel nach Baden als Schlupfloch?

Klare Kante zeigt Willi Doster, Abteilungsleiter der SG Stetten/Kleingartach: "Das können wir nicht mit uns machen lassen, was uns da aus Stuttgart aufgezwungen wurde. Für uns ist es die Überlegung wert, nach Baden in den Fußballkreis Sinsheim zu wechseln." Doster weiß aber auch, die Vereine sind letztlich selbst schuld, da im Vorfeld nichts dagegen unternommen wurde. "Aber das war damals alles noch so weit weg, ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas Hirnrissiges tatsächlich kommt und das Leute aus dem hiesigen Bezirk zum Verbandstag gehen und dafür stimmen."

Auch Walter Koltes, Abteilungsleiter des FSV Schwaigern, ist ein Gegner der Reform. "Wir Vereine haben uns im Vorfeld nicht genügend damit befasst und zu keiner Sekunde reflektiert, was das im Endeffekt alles bedeutet", sagt Koltes. "Wir haben nichts dagegen getan. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und wir brauchen nicht mehr zu maulen. Ich halte es jedoch für völlig daneben und kontraproduktiv, was da passiert ist."

Auch für Koltes wäre ein Wechsel nach Nordbaden eine interessante Alternative. "Dann fahren wir nach Bad Rappenau, Eppingen, Gemmingen oder Mühlbach - das ist viel einfacher als in Hohenlohe in Wachbach zu spielen", sagt Koltes.

Es gibt auch einige Befürworter der Reform

Befürworter pro Reform sind allenfalls im Grenzgebiet nach Hohenlohe zu finden. Doch selbst Pierre Dautel ("Wir hätten das nicht gebraucht"), Abteilungsleiter der SGM Langenbrettach, - Spielgemeinschaft TSV Brettach (Unterland) und TSV Langenbeutingen (Hohenlohe) - hätte gegen die WFV-Pläne gestimmt. "Wir können damit aber gut leben, haben ja nicht die ganz großen Probleme mit den Entfernungen", sagt Dautel, dessen Team in der Kreisliga A2 spielt. Mit dem Thema Bezirksliga und weiten Fahrten beschäftige man sich nicht, sondern eher damit, bei einem verschärften Abstieg in den nächsten beiden Spielzeiten von - im schlimmsten Szenario - bis zu sieben Absteigern, die A-Liga überhaupt halten zu können.

"Wir haben Glück, nach der Umstellung zentral zu liegen", sagt Frederic Morean, Abteilungsleiter des A2-Ligisten TSV Hardthausen, dessen Verein aktuell am Rand des Unterlandes beheimatet ist, nach der Reform aber mittendrin innerhalb der neuen Bezirksstrukturen liegt. "Wir können den Ärger anderer Vereine aber verstehen, da es nicht sein kann, für sein Hobby an regulären Spieltagen Fahrten von bis zu 120 Kilometern zu haben."

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