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Keine Schiedsrichter mehr für die B-Ligen im Unterland

Beim hitzigen Staffeltag in Eberstadt wurde deutlich, dass der Schiedsrichtermangel und die Strukturreform hart auf die Vereine durchschlagen. Von einer absurden Debatte über die Erhöhung der Schiedsrichterpauschalen.

Stephan Sonntag
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Lesezeit 2 Min
Keine Schiedsrichter mehr für die B-Ligen im Unterland
Ob eine solche Grätsche regelgerecht ist oder aber ein Foulspiel, wird in den Unterländer B-Ligen künftig kein neutraler Schiedsrichter mehr entscheiden, sondern wohl ein vom jeweiligen Heimverein gestellter Unparteiischer. Foto: Archiv/Berger  Foto: Berger

Es war 19.58 Uhr, als der Laptop von Ulrich Probst einen niedrigen Akkuladezustand vermeldete. Das war der Zeitpunkt, als die Ladung in und außerhalb der Eberfirsthalle zunahm. Draußen zog ein Gewitter auf, drinnen erhitzten sich sich die Gemüter beim Fußball-Staffeltag des Bezirks Unterland.

 

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Stein des Anstoßes war erwartungsgemäß die Strukturreform des Württembergischen Fußballverbandes (WFV). Der Bezirk Unterland bleibt zwar bestehen, wird ab der Saison 2024/25 aber um die eine Hälfte des Bezirks Hohenlohe erweitert. Die andere Hälfte des Bezirks Hohenlohe wird dem Bezirk Rems-Murr zugeteilt. Das hat zur Folge, dass aus aktuell drei Bezirksligen zwei werden müssen, aus aktuell acht A-Ligen deren sechs. Um diese Abschmelzung hinzubekommen, sind verschärfte Abstiege schon in der anstehenden Saison 2022/23 unvermeidlich. "Es geht darum, die pyramidale Struktur wiederherzustellen", erklärte Probst, Mitglied des WFV-Verbandsspielausschusses den rund 100 Vereinsvertretern im Saal.

Weite Fahrtwege sorgen für Unmut

Die Strukturreform war Ende Mai beim Verbandstag in Stuttgart mehrheitlich beschlossen worden. Die konkreten Auswirkungen sind vielen Vereinsverantwortlichen jedoch erst jetzt offenbar geworden. Ein Kritikpunkt waren die weiten Fahrtwege, die zuvorderst die Bezirkligisten betreffen. Von Schwaigern nach Wachbach sind es fast 100 Kilometer einfache Fahrtstrecke. Das verursacht Kosten und mindert Einnahmen. Denn Anhänger der Gastvereine werden solch weite Fahrten eher nicht auf sich nehmen. Kein Wunder, dass Vereine an der Unterländer Peripherie Gedankenspiele über einen Wechsel in den Badischen Fußballverband laut äußerten. "Ich verstehe, dass die Vereine am Rand des Bezirks nicht glücklich sind. Doch egal wie man die Bezirke aufteilt, wird es immer Vereine am Rand geben", beschrieb der Bezirksvorsitzende Dirk Purucker das Dilemma.

Eine weitere Sorge: der verschärfte Abstieg aus den A-Ligen könne dazu führen, dass sich zwei aktive Mannschaften eines Vereins in der B-Liga wiederfänden und dann dort in unterschiedlichen Staffeln spielen müssten. Das würde unterm Strich zum Verlust weiterer Mannschaften führen, waren viele Vereinsvertreter überzeugt.

Problem ist bereits seit Jahren bekannt

So richtig heiß her ging es aber, als Sascha Wirth ans Mikrofon trat. Der Obmann der Schiedsrichtergruppe Kocher-Jagst verkündete "kurz und schmerzhaft": "Wir werden die Spiele in den B-Ligen ab sofort nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzen können." Es gebe einfach nicht mehr genügend Unparteiische. "Sie wissen um das Problem seit zehn Jahren - es tut sich aber nichts", nahm Wirth die Vereine für das Problem in Haftung. Um aber nicht nur vollendete Tatsachen zu verkünden, hatte er noch ein Angebot in der Tasche. Wenn die B-Ligisten den Sonntag als Spieltermin aufgeben und auf einen festen Tag unter der Woche wechseln würden - beispielsweise den Freitagabend -, dann könnten weiterhin alle Spiele besetzt werden.

Darüber sollte auf Wunsch des Bezirksvorstands noch am Mittwochabend abgestimmt werden, was für viel Unmut sorgte. Die Vereinsvertreter sahen sich außerstande, eine so weitreichende Entscheidung ad hoc treffen zu müssen. "Dies abstimmen zu wollen, war ein Fehler", räumte Purucker hinterher ein. Denn die Debatte nahm zunehmend abstruse Züge ein. Der Vorschlag, den Schiedsrichtern für das Leiten eines B-Liga-Spiels künftig pauschal 20 Euro mehr zu zahlen, wurde einstimmig angenommen. Dabei gibt es vom WFV festgelegte Aufwandsentschädigungen, die ein Bezirk nicht einfach per Handstreich ändern kann. "Wir werden dieses Meinungsbild an den WFV weitergeben", versicherte Purucker dennoch.


Schulterschluss

"Es gibt einen ganz engen Schulterschluss mit dem Bezirk Hohenlohe", betonte d er Unterländer Bezirksvorsitzende Dirk Purucker mit Blick auf die Zusammenlegung beider Bezirke ab der Saison 24/25. Als sichtbares Zeichen dafür war Puruckers Amtskollege Niko Schwarz als Gast beim Staffeltag in Eberstadt vor Ort. Beiden dürfte deutlich geworden sein, dass noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist. 

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