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Daumen hoch für Laumen

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Fussball - Sie sind immer noch populär – selbst bei den Kleinsten, die zu jung sind, um die Altstars von Borussia Mönchengladbach aus der Bundesliga zu kennen. Dennoch müssen die Spieler der Weisweiler-Elf nach ihrem Auftritt beim VfR Gommersdorf fleißig Autogramme schreiben. Wann sonst hat man schließlich die Gelegenheit, so vielen ehemaligen Bundesliga-Größen einmal so nahe zu sein?

Von Andreas Eberle
Links vorbei, rechts vorbei oder ein Beinschuss? Gladbachs Altstar Herbert Laumen (am Ball) will den Gommersdorfer Hubert Kaiser umspielen.Foto: Kurt Gesper
Links vorbei, rechts vorbei oder ein Beinschuss? Gladbachs Altstar Herbert Laumen (am Ball) will den Gommersdorfer Hubert Kaiser umspielen.Foto: Kurt Gesper  Foto: Kurt Gesper

Fussball - Sie sind immer noch populär – selbst bei den Kleinsten, die zu jung sind, um die Altstars von Borussia Mönchengladbach aus der Bundesliga zu kennen. Dennoch müssen die Spieler der Weisweiler-Elf nach ihrem Auftritt beim VfR Gommersdorf fleißig Autogramme schreiben. Wann sonst hat man schließlich die Gelegenheit, so vielen ehemaligen Bundesliga-Größen einmal so nahe zu sein?

Oldie der Altstars

Besonders begehrt ist der Schriftzug von Herbert Laumen, der mit 64 Jahren der mit Abstand älteste Akteur auf dem Platz ist – und trotzdem scheinbar mühelos die kompletten 80 Minuten durchhält. „Ich war ein Notnagel, weil uns viele Stammspieler hängen gelassen haben. In meinem Alter spielt man normal keinen Fußball mehr“, sagt der zweifache Nationalspieler, der als Mittelstürmer in den 60er und 70er Jahren in 267 Bundesliga-Einsätzen 121 Tore erzielte.

Bei seinem sehenswerten Heber zum 3:5 zeigt Laumen, dass er seit dem Karriereende zwar an Schnelligkeit, nicht aber an Ballgefühl eingebüßt hat. Insgesamt kicken bei der Weisweiler-Elf an diesem Tag 13 Fußballer mit, die es gemeinsam auf 1553 Bundesligaspiele, 236 Treffer sowie 14 nationale und internationale Titel bringen, darunter acht deutsche Meisterschaften.

Trotz dieser Meriten verlieren die Gladbacher am Ende gegen die Altstars des VfR Gommersdorf vor 550 Zuschauern mit 4:5 (1:4). Für die Weisweiler-Elf ist es die erste Niederlage seit sieben Jahren. Allerdings fielen bei der Borussia kurzfristig einige Stützen wie Uli Sude, Markus Albertz, Jörg Neun, André Winkhold und Bachirou Salou aus. „Wir mussten improvisieren. Aber die Gommersdorfer Auswahl war auch eine sehr starke Mannschaft. Kompliment“, sagt Gladbachs Teamchef Christoph Budde.

Im eben dieser starken Mannschaft des VfR wirken mit Heinz Keilbach, Karlheinz Pfeiffer, Markus Reuther und Karlheinz Pfeiffer gleich vier Spieler mit, in denen grün-weißes Blut fließt – alle drei sind leidenschaftliche Gladbach-Anhänger. Reuther und Pfeiffer waren gemeinsam sogar bei der Aufstiegsfeier der Borussia am 11. Mai dabei. Selbst Schiedsrichter Edgar Reibel ist Gladbach-Fan – „weil der Verein schon immer auf die Jugend gesetzt hat“.

Seit 1991 gibt es die Gladbacher Traditionsmannschaft. Ihren Namen trägt sie zum Gedenken des ehemaligen Trainers der Fohlen-Elf, Hennes Weisweiler. 50 frühere Bundesliga-Akteure aus drei Jahrzehnten gehören mittlerweile dem Kader an. Ein Teil der Spiele, die das Team bestreitet, sind Benefizspiele. Mit den Gagen aus den anderen Partien werden die Kosten gedeckt und die Aufwandsentschädigungen der Kicker bezahlt. „Nach 30 Minuten hatte ich Schmerzen im Knie wegen meiner Arthrose. Aber ich mag Fußball zu sehr, um das Spielen sein zu lassen“, sagt Thomas Kastenmaier. Der Ur-Bayer trainiert heute in seinem Wohnort den Kreisligisten SC Wegberg und betreibt wie viele Ex-Profis eine Fußballschule.

Borussen-Familie

Die gut 20 Freundschaftsspiele und fünf Hallenturniere im Jahr sind nicht die einzigen Aktivitäten der Gladbacher Fußball-Veteranen. Bei den Bundesliga-Heimspielen der Profis versammeln sich die Altstars in einer VIP-Lounge im Stadion und gucken zu, was ihre Nachfolger so leisten. Und einmal pro Woche trifft sich die Weisweiler Elf in einem Hotel zum gemeinsamen Frühstück. „Das ist bei uns noch so ein bisschen die alte Borussia. Es geht sehr familiär zu, und man hilft sich sogar beim Umzug“, erzählt Teamchef Budde.


VfR-Altstars: Manfred Huck, Marc Beck; Andreas Hettinger, Ulli Stahl, Armin Götz, Holger Lang, Markus Stadtmüller, Michael Stadtmüller, Siegbert Breitenbach, Bernhard Retzbach, Heinz Keilbach, Markus Reuther, Benno Schmitt, Reiner Horndacher, Markus Kaiser, Karlheinz Pfeiffer, Volker Behringer, Hubert Kaiser, Hubert Pfeiffer, Jürgen Glaser.

Weisweiler-Elf: Norbert Ringels; Thomas Kastenmaier, Martin Schneider, Günter Breitzke, Kevin Sternad, Frank Schäffer, Christoph Budde, Andreas Brandts, Jamal el Khattouti, Herbert Laumen, Dieter Trunk, Friedhelm Frenken, Özcan Yildirim.

Tore: 1:0 (4.) Breitenbach, 2:0 (11.) Lang, 3:0 (22.) Stadtmüller, 3:1 (26.) Brandts, 4:1 (27.) Lang, 5:1 (51.) Pfeiffer, 5:2 (55.) Brandts, 5:3 (63.) Laumen, 5:4 (73.) Trunk.

Schiedsrichter: Edgar Reibel (Westernhausen); Zuschauer: 550.

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