Favoritenrolle liegt dem TSV Kürnbach nicht
TSV müht sich gegen leidenschaftliche Steinsfurter zu glücklichem Derbysieg und hofft weiter auf den Klassenerhalt. Marius Steinmetz erzielt für Kürnbach den Siegtreffer zum 2:1.

Die Verantwortlichen des TSV Kürnbach hatten sich mächtig verkalkuliert. Das sorgte schon früh für lange Gesichter am Mittwochabend. Ausgerechnet im Landesliga-Derby gegen den TSV Steinsfurt gab es schon in der Halbzeitpause keine Grillwürste mehr. "Der Verein hat zu wenig besorgt", entschuldigten sich die beiden Männer im Außenverkauf bei den vielen Hungrigen, deren Mägen leer bleiben mussten.
Fußballerisch Habhaftes hatten die Kürnbacher ihren Anhängern in den 45 Minuten zuvor auch nicht unbedingt aufgetischt: Das 1:1 zur Pause war eher mager, das Spiel zäh gegen das leidenschaftlich kämpfende Schlusslicht. Steinsfurt machte den Gastgebern das Leben schwer - bis zum Ende. Und hätte sich nach 90 Minuten sogar einen Punkt verdient gehabt. Aber der Treffer von Marius Steinmetz nach einem Torwartfehler (71.) brachte das Team von Dale Werner um den Lohn. 2:1 setzte sich Kürnbach am Ende durch. "Glücklich, aber verdient", fand Trainer Andreas Macelski.
Steinsfurt glänzt mit Einsatz, Wille und Leidenschaft
Sein Team hätte alles richtig gemacht, die Pflichtaufgabe erfüllt. Und im Gegensatz zum Verein mit den Grillwürsten hatte sich der im Sommer scheidende Trainer auch nicht verkalkuliert. "Wir haben eins zu eins so ein Spiel erwartet", sagte Macelski. Also nichts mit Spaziergang, nachdem das Schlusslicht am Sonntag zu Hause mit 0:14 böse verkloppt wurde. "Wenn du im Spiel vorher 14 Eier kriegst, kann es nur mit Einsatz, Wille und Leidenschaft weitergehen." Und genau mit diesem Attributen glänzte Steinsfurt im Derby.
Kürnbach tat sich mit seiner neuen Rolle zudem schwer: Zum ersten Mal diese Saison war das Team von Macelski Favorit. Ungewohnt, wenn "du 35 Spiele guckst, dass du verteidigst und auf Konter spielst", urteilte Torhüter Marcel Fesenbeck, der mit half, dass die Gäste überhaupt in Führung gingen. Eine Flanke bekam Fesenbeck im Luft-Zweikampf nicht richtig zu fassen, der Ball fiel Armend Morina vor die Füße. Weil die Kürnbacher Defensive sich auf die Rolle des Beobachter beschränkte, schob der Steinsfurter zum 1:0 ein. Ein Torwartfehler? "Kann man so sagen", räumte Fesenbeck ein.
Dale Werner von Corona frei getestet in die Startelf
Neun Minuten später hatte Daniel Schlagentweith den Patzer stellvertretend ausgebügelt und mit einem Distanzschuss nach einer geklärten Ecke zum 1:1 getroffen. Aus dem Spiel heraus schafften es die Kürnbacher nicht, den massiven Steinsfurter Defensivriegel zu knacken. Das Schlusslicht agierte phasenweise mit Sechserkette. "Wir sind aber nur mit einer Fünferkette ins Spiel gegangen. Kann aber sein, dass wir zwischendurch auch mal zu sechst waren", sagte Werner. Nach einer Coronainfektion hatte sich der Steinsfurter Trainer erst am Tag des Derbys frei getestet und stellte sich angesichts des anhaltenden Personamangels gleich in die Startelf.
Knapp 50 Minuten ging das gut, dann musste er raus. "Ich war schon in der ersten Halbzeit zwei, drei Mal knapp vorm Übergeben, habe teilweise doppelt gesehen", sagte Werner. Er wollte aber unbedingt vorangehen. "Wir mobilisieren jede Woche alle Kräfte, um überhaupt antreten zu können", sagte er. Das nötigt auch dem Gegner Respekt ab. "Als Sportsmann freut es mich, dass sich Steinsfurt nicht aufgibt", sagte Macelski. Die drei Punkte freilich hatten die Kürnbacher einkalkuliert.
Glück hatten die Gastgeber, dass Steinsfurts Keeper - vermutlich von der Sonne geblendet - eine Flanke fallen ließ und Steinmetz goldrichtig stand. So lebt in Kürnbach die Hoffnung, über die Relegation den Klassenerhalt zu schaffen. Dann gibt es sicher auch wieder Grillwürste.
Daniel Kreuzer zittert mit
Knapp zwei Jahre nach seinem Abschied aus Kürnbach hat Ex-Coach Daniel Kreuzer erstmals wieder beim TSV vorbeigeschaut: Der 46-Jährige kam mit seiner hochschwangeren Frau und machte von seiner lebenslangen Dauerkarte, die er nach seinen acht Jahren beim TSV bekommen hatte, Gebrauch. "Kürnbach ist mein Herzensverein", sagte Kreuzer. "Die acht Jahre hier haben mich verändert und auch reifer gemacht." Kreuzer litt beim 2:1 im Derby entsprechend mit dem alten Club mit. "Ich habe gezittert", gestand er später. Von einem erneuten Besuch aber wird ihn das nicht abhalten.
Christian Stumpf leidet mit
Mit Christian Stumpf hatte sich am Mittwoch ein weiterer Ex-Trainer unter die gut 200 Zuschauer im Dorfbergstadion gemischt. Beim 0:1 im Derby im September stand er noch als Trainer der Steinsfurter an der Linie, ehe sich der TSV von ihm und Julian Keitel wegen ausbleibenden Erfolgs noch vor der Winterpause trennte. Stumpf litt am Spielfeldrand am Mittwoch dennoch mit dem alten Team mit und ertappte sich selber dabei, wie er im Stile eines Trainers leise vor sich hin kleine Anweisungen gab. Ab Sommer darf Christian Stumpf das wieder lauter, aber an anderer Stelle: Er wechselt in das Trainerteam von Georg Bömann bei Kreisligist SV Reihen.
TSV Steinsfurt hat Pause, Kürnbach gegen Neckarau
Nach einer nervenaufreibenden Woche kann der TSV Steinsfurt am Wochenende die Füße hochlegen und den Akku aufladen: Beide Teams sind spielfrei. Angesichts der personellen Nöte der vergangenen Wochen tut das sicher gut. Für den TSV Kürnbach geht es hingegen am Sonntag mit einem Heimspiel weiter. Um 17 Uhr kommt der Tabellenzweite VfL Neckarau.
TSV Kürnbach: Fesenbeck - Konrad (36. Klein), Zieger, Schnabel, F. Frick - Schlagentweith, Zengerle - Kasap (44. Prade), Genc (61. Karaduman), Essig - Steinmetz (90. Lehmann).
TSV Steinsfurt: Baumann - Komlenovic, Würfel, Kabay, Schmidt, Werner (51. Grimm) - Tchagaou, Braun, Morina, Jeng - Rippel.
Tore: 0:1 (23.) Morina, 1:1 (32.) Schlagentweith, 2:1 (72.) Steinmetz. Schiedsrichter: Marcel Heger.
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