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Er war für sechs Minuten tot: Fußballer Marco Romano sucht seinen Lebensretter

Neckarsulms Oberliga-Fußballer Marco Romano sucht seinen Lebensretter, um auch persönlich Danke zu sagen. Trotz Herzschrittmacher will er so schnell es geht auf den Fußballplatz zurückkehren.

Florian Huber
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Lesezeit 3 Min
Er war für sechs Minuten tot: Die Geschichte des Marco Romano
Vier Tage vor seinem Herzstillstand lächelte Marco Romano beim 4:1-Sieg der Sport-Union Neckarsulm über die TSG Backnang in die Kamera unseres Fotografen Ralf Seidel. Sein Ziel ist nun die Rückkehr aufs Spielfeld. Foto: Archiv/Seidel.  Foto: Seidel, Ralf

Wer Marco Romano fragt, wie es ihm geht, der erhält nicht einfach so ein dahergesagtes "passt schon" oder "okay". Keine Standardantwort. Der 27-Jährige sagt den wohlüberlegten und mit voller Überzeugung formulierten Satz: "Es geht mir sehr gut."

Das ist nicht selbstverständlich. Vor drei Wochen hat das Herz des Oberliga-Fußballers der Sport-Union Neckarsulm aufgehört zu schlagen. Einfach so. "Das klingt blöd, aber ich war für sechs Minuten tot", sagt er. "Der 1. Mai ist nun mein zweiter Geburtstag."

An jenem Feiertag schaut er mit seiner Freundin Maria auf der Baustelle der künftig gemeinsamen Wohnung in Schluchtern vorbei, danach soll es in die Badewelt nach Sinsheim gehen. Weil noch Zeit ist, machen beide Halt beim Bäcker in Leingarten. Erinnerungen daran hat Marco Romano keine mehr, sie sind allesamt gelöscht, die Festplatte gecrasht. "Das ist auch gut so", sagt Romano. Das Paar unterhält sich über die Baustelle, als Marco plötzlich nicht mehr antwortet, die Augen verdreht. Maria glaubt, Marco habe sich an seinem Croissant verschluckt. Passanten helfen, ihn aus dem Auto zu ziehen. Die Apotheke nebenan hat zufälligerweise gerade Notdienst.

Er war für sechs Minuten tot: Die Geschichte des Marco Romano
Bald ein Ehepaar: Maria und Marco Romano. Foto: privat  Foto: privat

Bitte melde dich: Wer ist der unbekannte Lebensretter?

Einem Mann gelingt es, mit Mund-zu-Mund-Beatmung das Herz wieder zum Laufen zu bringen. "Das ist mein Held", sagt Marco Romano über seinen Lebensretter. Er möchte sich persönlich bei dem Unbekannten bedanken, sucht ihn nun. "Er hat sich in der Pizzeria meiner Eltern schon nach mir erkundigt, als ich noch im Krankenhaus lag", sagt Marco Romano. Leider hinterließ er aber weder Namen noch Kontaktdaten. "Ich möchte ihn unbedingt kennenlernen."

Innerhalb von wenigen Minuten ist ein Krankenwagen an jenem Sonntagmorgen in Leingarten. Die Angst seiner Liebsten bekommt er nicht mit. Romano erwacht montags aus dem Koma, sein Herz schlägt von alleine wieder ganz normal. Eine Operation ist trotzdem nötig. Begriffe wie Kammerflimmern stehen in den medizinischen Unterlagen, die Marco Romano zum Gespräch mitgebracht hat. Worte, die in Arztbriefen in diesem Alter nicht auftauchen sollten.

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Zivilcourage wird belohnt

Romano lebt mit Schrittmacher sorgenfrei

Ein sogenannter ICD, ein Herzschrittmacher, wird implantiert. Im Fall der Fälle soll das kleine Gerät dem Herz den nötigen Stups verpassen. Ähnlich wie bei Dänemarks Fußballstar Christian Eriksen, der vergangenes Jahr bei der Fußball-EM einen Herzstillstand erlitt. "Ich mache mir keine Sorgen, habe keine Angst", sagt Marco Romano. Überhaupt versucht er, das Positive in all dem Negativen zu sehen, das hilft, mit der Situation klarzukommen. Er spricht gar von Glück im Unglück, will sich lieber nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn sein Herz an jenem Sonntag wenige Minuten später gestreikt hätte. Am Steuer des Autos, mitten auf der A6. "Wie schnell alles vorbei sein kann", sagt er.

Die zentralen Fragen "Warum ich? Warum jetzt?", sie versucht er wegzuschieben, weil es keine befriedigenden Antworten darauf gibt. Warum bleibt bei einem 27-Jährigen ohne Vorerkrankung einfach so das Herz stehen? "Ich trinke keinen Alkohol, ich rauche nicht", sagt der Sportler. Erst im vergangenen November unterzog er sich zudem einem Herz-Check, weil seine Smart-Watch ihm daheim im Bett liegend zwei Mal Herzrhythmusstörungen anzeigte. "Ich habe das ehrlich gesagt nicht so ernst genommen, war dann aber trotzdem beim Kardiologen." Ein Langzeit-EKG ergibt keine Auffälligkeiten.

Mittendrin in einer stressigen Lebensphase

Der Job als Kaufmann bei Mitterer, Oberliga-Fußball mit drei Mal die Woche Training, an den Wochenenden nach den Spielen den Eltern in der Pizzeria in Heilbronn helfen, die neue Wohnung, dazu die Planungen für die große Hochzeit in Neapel im August mit 170 Gästen: Alles zusammen ein bisschen viel vielleicht. "Mir wäre am liebsten, dass das die Erklärung ist", sagt Marco Romano.

Es könnte genetisch bedingt sein, bald stehen weitere Untersuchungen an. Welche Rolle spielt Corona, die Impfung? Seriöse Erklärungen mag niemand geben. Direkt nach dem Aufwachen beschäftigen ihn erst mal andere Dinge: Kann ich wieder Fußball spielen? Ja, sagen die Ärzte. Doch Geduld ist gefragt, auch bei Christian Eriksen dauerte es bis zum Comeback viele Monate.

Er schrieb an alle: Ich bin wieder da

Die erste Erinnerung nach dem Aufwachen besteht in einer kurzen Whatsapp-Nachricht und einem Foto an alle Teamkollegen: "Ich bin wieder da." Die Mannschaftskameraden hat das Schicksal des Teamkollegen und Abwehrchefs allerdings schwer mitgenommen: "Es war total unwirklich. Da sitzt man im Bus zum Auswärtsspiel nach Oberachern, während Marco am Herzen operiert wird", sagt Neckarsulms Sportlicher Leiter Thorsten Damm. Romano war bereits als Zuschauer im Pichterichstadion.

Anders als bei den Profis sind Herz-Untersuchungen in der 5. Fußball-Liga nicht verpflichtend vorgeschrieben, in Neckarsulm aber nun ein Thema bei den Spielern und auf Thorsten Damms Agenda. "Vorher habe ich mir deshalb nie Gedanken gemacht. Aber jetzt bin ich für Vorsorge-Untersuchungen", sagt Marco Romano.

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