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Eppingen reist als Außenseiter zum Herbstmeister

Das Derby zwischen dem VfB Eppingen und dem FC Zuzenhausen steht diesmal unter anderen Vorzeichen als noch zum Start der Saison. Der Respekt auf beiden Seiten aber ist groß.

Martin Peter
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Lesezeit 3 Min
Eppingen reist als Außenseiter zum Herbstmeister
Das Hinspiel im August hatten Norman Refior (links) und der FC Zuzenhausen verdient für sich entscheiden. Alessandro Sautter (rechts) verletzte sich bei diesem Derby und fiel danach wochenlang aus. Inzwischen ist er zurück. Foto: Archiv/Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Steffen Schieck hat alle Hände voll zu tun. Er ist gerade dabei, sein Elternhaus umzubauen, bis Weihnachten will er alles fertig haben und mit der Familie eingezogen sein. Da kommt ihm ganz gelegen, dass seine Mannschaft derzeit alles andere als eine Baustelle ist, die Dinge beinahe von alleine laufen.

Der FC Zuzenhausen hat eine überragende Hinrunde hinter sich, holte sich vergangenes Wochenende die Tabellenführung vom haushohen und mit Topspielern gespickten Titel-Favoriten VfR Mannheim zurück und ist nun tatsächlich Verbandsliga-Herbstmeister.

Viel spricht beim Wiedersehen für einen weiteren Sieg des FC Zuzenhausen

"Wir sind Über-Soll", sagt Trainer Steffen Schieck mit Blick auf die 40 Punkte seines FC. Mit 43 könnte es in die Pause gehen, ein letztes Erfolgserlebnis in diesem Jahr noch - so ließe sich entspannt Weihnachten feiern. Im neuen Heim. Und viel spricht dafür, dass Zuzenhausen das Jahr 2022 mit einem Erfolgserlebnis beendet, sagt selbst der Trainer des nächsten Gegners. Der heißt an diesem Samstag, 14 Uhr, VfB Eppingen. Das zweite Sinsheimer Fußballkreis-Derby der Saison. Und irgendwie haben sich seit dem 2:4 beim Eröffnungsspiel Mitte August die Vorzeichen des Duells verändert.

"Die Kräfteverhältnisse sind so, dass wir als Außenseiter in das Spiel gehen", sagt der Trainer der Eppinger. Es ist weniger Understatement als vielmehr Respekt, den Christian Schweinfurth vor der Leistung des Nachbarn hat. "Sie haben schon das Hinspiel verdient gewonnen", findet er. Es war der Auftakt für eine famose Hinrunde, Zuzenhausen ist die Überraschungsmannschaft schlechthin. "Die sind in einem gewissen Fahrwasser und strotzen vor Selbstvertrauen."

Eppingen hat sich warm-, Zuzenhausen sich heißgeschossen

Hatte sich Eppingen vor zwei Wochen, vor dem spielfreien Wochenende, beim 5:0 gegen Türkspor Mosbach fürs Derby warmgeschossen, schoss sich Zuzenhausen eine Woche später heiß, fertigte den Aufsteiger glatt mit 11:0 ab. Und dabei fehlten noch etliche Spieler, die eine Woche zuvor noch in der ersten Elf gestanden hatten.

Trotzdem, findet Schieck, der den FC mit seinem Cousin Marcel Groß coacht: "Gegen Eppingen wird es ein komplett anderes Spiel." Nicht nur im Vergleich zu Türkspor, sondern auch zur Saisoneröffnung. Schieck ist nicht entgangen, dass sich der VfB gut gefangen, ordentlich entwickelt habe im Laufe der Hinrunde. "Unter einem neuen Trainer muss sich immer erst alles finden. Jetzt sind sie gut dabei - das sieht man an deren Spielweise." Tatsächlich hat sich der VfB inzwischen spürbar stabilisiert, machte zuletzt auch den Topteams das Leben richtig schwer.

Eppingen braucht eine hohe Kompaktheit, stellt sich aber nicht hinten rein

"Außenseiter ist vielleicht auch ein bisschen zu krass formuliert", sagt Schweinfurth deshalb und sagt trotz Platz zehn und nur halb so vielen Punkten: "Es liegen auch keine Welten dazwischen." Sein Team solle mutig sein, zugleich aber defensiv gut stehen. "Wir brauchen in jedem Fall eine hohe Kompaktheit." Der FCZ ist längst mehr als nur eine Umschaltmannschaft. "Ich fand Zuzenhausen gegen uns sehr stark im Aufbauspiel", meint Schweinfurth. "Die haben uns überspielt, sind leicht ins letzte Drittel reingekommen."

Das zu unterbinden, sei die wichtigste Aufgabe. Wobei Kompaktheit nicht gleichbedeutend mit verbarrikadieren ist. "Tief stehen ist ja nicht das Spiel von Eppingen", sagt Steffen Schieck, der um die Stärken des Gegners weiß. "Offensiv haben die Eppinger eine brutale Qualität, können ein sehr unangenehmer Gegner sein." Dass sein Team unter den veränderten Vorzeichen nun etwas zu verlieren hat, findet der Trainer des Tabellenführers nicht. "Es hat ja niemand damit gerechnet, dass wir so dastehen." Es gehe rein ums Derby, das will der FC nicht verlieren. "Das geht Eppingen aber genauso."

Zwei Derbysiege für Zuzenhausen hat es lange nicht gegeben

Es ist schon ein weiter Blick zurück notwendig, um eine Saison zu finden, in der Zuzenhausen beide Derbys gewonnen hat. In der Runde 2014/15 ist das letztmals der Fall gewesen - in der Landesliga. Ein 2:1-Erfolg im November zu Hause sowie ein glatter 3:0-Erfolg Ende Mai in Eppingen. Damals noch als Spieler für den VfB im Einsatz: Christian Schweinfurth. "Zuzenhausen ist in dem Spiel bei uns aufgestiegen", erinnert sich der 34-Jährige. Das wird diesmal nicht passieren, zumindest nicht mehr in Eppingen - und schon gar nicht Ende November. "Wir wollen jetzt aber solange wie möglich oben mitspielen", sagt Trainer Steffen Schieck. Ein zweiter Derbysieg schadet da sicher nicht. map

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