Fußball
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Kuriose Abstiegsregelungen und Relegationsfluch beim Saisonende 2021/2022

Die erste komplette Spielzeit seit drei Jahren fing ungewöhnlich an und war auch sonst alles andere als normal. Ein Rückblick auf besondere Momente im Fußballkreis Sinsheim.

Martin Peter
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Lesezeit 3 Min
Eine besondere Saison 2021/2022 geht im Fußballkreis Sinsheim zu Ende - Von der Widerentdeckung der Muskelfasern, kuriosen Abstiegsregelungen und einem Relegationsfluch
Der erste Höhepunkt: Nach dem verschossenen Elfer von Ittlingens Dustin Brunner ist Eppingen II Pokalsieger. Am Ende stieg der VfB aber sportlich ab.  Foto: Krüger, Klaus

War sie das? Die erste Saison seit drei Jahren, die wieder komplett durchgespielt wurde? Ja, war sie. Eine Saison wie vor Corona. Nur mit Corona. Von Normalität ist diese Runde im Fußballkreis Sinsheim allerdings ein gutes Stück entfernt gewesen - wann hat sie schon jemals mit einem Pokalsieg begonnen? Ein Rückblick auf ein Jahr mit Irrungen, Wirrungen, Highlights und glücklichen Enden.

Der Auftakt

Neu sind Pokalspiele in der Vorbereitung im Kreis nun wirklich nicht: Die ersten zwei Runden werden traditionell vor dem Saisonstart ausgetragen. Diesmal aber waren es die letzten drei Runden, die Spiele ab dem Viertelfinale. Anders als andernorts hatte man die Pokalrunde nur unter- und nicht abgebrochen. Also warum nicht ausspielen? Eben. Das führte mitunter zu vorgelegten Trainingsstarts - wegen der richtigen Belastungssteuerung und so. "Nach dem ersten Lockdown hatten die Jungs vergessen, dass sie sowas wie Muskelfasern haben", hatte der Treschklinger Spielertrainer Ali Susan ausgemacht. Mit dem Fußball war es beim SV auch (noch) nicht so weit her: 0:5 hieß es im Viertelfinale gegen den späteren Sieger VfB Eppingen II. Der VfB und der Kreispokal: das passt. Doch der Titel bekam der Verbandsliga-Reserve gar nicht gut. Elf Monate später war das Team sportlich abgestiegen aus der Kreisliga. Der Trainer warf hin, die Mannschaft fiel auseinander. Und doch: Eppingen II bleibt Kreisligist. Dank des TSV Kürnbach. Pokalsieg, Abstieg, Klassenerhalt in einer Saison: Eine bewegte Saison für den VfB.

Die Mannschaft

Eine besondere Saison 2021/2022 geht im Fußballkreis Sinsheim zu Ende - Von der Widerentdeckung der Muskelfasern, kuriosen Abstiegsregelungen und einem Relegationsfluch
Ein Dorf, eine Mannschaft: Der TSV Kürnbach sorgte für einen würdigen Schlusspunkt der Saison, machte im Relegations-Finale den Klassenerhalt in der Landesliga perfekt. Eine enorme Willensleistung. Fotos: Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Apropos Kürnbach. Der TSV ist aus der Landesliga nicht wegzukriegen. "Wir sind eben zu dumm zum Absteigen", scherzte Marvin Prade. Das Relegationsfinale gegen Leimen, das Kürnbach mit 4:2 gewann, war ein würdiger Saison-Abschluss. Ein schöner für den ganzen Kreis. Das Team von Trainer Andreas Macelski hat sich überall Respekt verdient. "Da steht eine richtige Mannschaft auf dem Platz", stellte der frühere Kreisvorsitzende Herwig Werschak fest. Vielleicht ist der TSV Kürnbach DIE Mannschaft schlechthin. Kaum ein anderes Team hat mehr Leidensfähigkeit bewiesen, ist nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden, um am Ende sein Ziel zu erreichen. "Wir waren die Mannschaft, an die nach der Vorrunde keiner mehr geglaubt hat", sagte Macelski. Aber die Kürnbacher glaubten an sich. Sie wollten einfach. "Die Jungs haben von sich aus immer wieder gesagt, dass sie alles tun werden, um eine Chance zu haben. Sie haben Wort gehalten, das macht mich unheimlich stolz." Und den Club sympathisch: Einige Konkurrenten hatten dem TSV vor dem Finale Videos und Nachrichten als Motivation geschickt.

Die Fluch-Bezwinger

Eine besondere Saison 2021/2022 geht im Fußballkreis Sinsheim zu Ende - Von der Widerentdeckung der Muskelfasern, kuriosen Abstiegsregelungen und einem Relegationsfluch
Geht doch: Der FVS Sulzfeld kann doch Relegation. Nach etlichen gescheiterten Versuchen schaffte das Team der Trainer Marco Sautter (Mitte) und Tobias Zakel den Sprung in die Kreisliga. Allerdings war das Spiel am Ende hinfällig.  Foto: Krüger, Klaus

Was hatte der FVS Sulzfeld in der Vergangenheit gelitten: Kaum eine Relegation, in der das Team nicht scheiterte. Es war wie verhext, ein Fluch. Und das Schlimme diese Saison: Die Relegation war die beste Option der Sulzfelder, die anvisierte Kreisliga auch zu erreichen. In der Hinrunde lief beim hoch gehandelten FVS reichlich wenig zusammen, erst nach dem Trainerwechsel in der Rückrunde nahm das Team an Fahrt auf. Aber zu spät für den direkten Aufstieg - Adelshofen zog sein Ding durch. Furios war, wie Sulzfeld als Hinrunden-Vierter mit ordentlich Rückstand doch noch Platz zwei holte und diesen am letzten Spieltag in Eschelbronn verteidigte. Also wieder Relegation. Diesmal mit anderem Ausgang: Sulzfeld trotzte den Geistern der Vergangenheit, gewann mit 3:1 nach Verlängerung gegen Eppingen II. Fun Fact: Nach einer Woche war das Relegationsspiel hinfällig: Da Kürnbach den Landesliga-Klassenerhalt schaffte, sind Eppingen und Sulzfeld in der Kreisliga. Gilt der FSV-Fluch dann als bezwungen? In Sulzfeld spielt das keine Rolle mehr. "Es ist schöner so", sagt der Vorsitzende Bernd Hildebrand über die gewonnene Relegation. Auch wenn das Spiel Nerven gekostet hat. Aber das sind die Sulzfelder ja gewohnt.

Die Abstiegs-Causa

Absteigen war in dieser Saison in der Tat nicht so leicht. Einen Spieltag vor Schluss musste der Kreis den verschärften Abstieg einkassieren. Der war zwar abgemacht. Aber auf dem Staffeltag, nicht auf dem Kreistag. Ein formeller Fehler, den der FV Elsenz aufgedeckt hatte. Kommando also wieder zurück, nur zwei statt drei Absteiger. "Es ist so, damit können wir leben", sagt Kreisvorsitzender Johannes Schinko. Besser so, als andersherum. Daisbach passte das trotzdem nicht: Der Absteiger aus der A-Klasse legte Protest ein. Also nicht der Verein, sondern der ehemalige Vorsitzende. Man fühle sich betrogen, hieß es. Hätte man gewusst, dass man noch ein Chance hat, dann hätte man die letzten Spiele doch anders bestritten. Luft nach oben hatte der SVD reichlich, aber sechs Punkte aus 15 Spielen in der Rückrunde sprechen nicht dafür, dass es für die A-Klasse gereicht hätte. Ein Sieg am Grünen Tisch ist zudem nicht in Sicht: Der Kreisvorstand lehnt den Einspruch mehrheitlich ab.

Die Ausreißer

Glatt durchgegangen ist die Runde freilich aber nicht. Auf 20 bis 25 Spielabsagen wegen Corona kommt Schinko. Ein Teil der Partien wurde nachgeholt, ein Teil vom Schiedsgericht gewertet. Eine Folge der Corona-Wirren. Viel schlimmer aber seien die acht Spielabbrüche. "Das ist eine extrem hohe Zahl, die können wir so nicht stehen lassen", sagt der Kreisvorsitzende. Die Gründe waren vielfältig, in den meisten Fällen aber gilt aus seiner Sicht: Mit ein bisschen mehr Verstand hätte vieles nicht sein müssen." Oft sei überzogen reagiert worden. Grundübel aber ist fehlende Fairness, "das müssen wir anpacken, wir brauchen mehr Fairness untereinander", sagt Schinko. Es ist eben noch ein Stück hin bis zur Normalität.

 
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