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U17-Bundesliga-Cup in Heilbronn: Taktik-Trends, "kranke Bälle" und echte Männer

Viel Lob gibt es für den ausrichtenden VfR Heilbronn beim U17-Bundesliga-Cup im Frankenstadion. Trotz der Hitze ist ein Rekord geknackt worden.

Nils Buchmann
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Lesezeit 3 Min
Das sind die Schlaglichter des 12. U17-Bundesliga-Cups: Taktik-Trends, "kranke Bälle" und echte Männer
Viel Ehrgeiz und Kampf gab es im fairen Finale des U17-Bundesliga-Cups zwischen dem VfB Stuttgart mit Bendito Calemba (links), der Turniersieger wurde, und dem FC Schalke 04 zu sehen.  Foto: Berger, Mario

Eine Menge Trubel herrschte an den beiden Turniertagen des U17-Bundesliga-Cups im Heilbronner Frankenstadion - auf dem Platz natürlich, aber auch auf den Tribünen, im Vip-Bereich und hinter den Kulissen.

Zukunftspläne: Am 22./23. Juli 2023 wird in Öhringen gespielt

Für Jürgen Birkert war das Wochenende ein Erfolg. Klar, die hohen Temperaturen waren nicht immer förderlich, und der Zustand des Rasens im Frankenstadion ("Mit Wimbledon können wir nicht mithalten") war auch mehr als ausbaufähig. Doch der Initiator des U17-Bundesliga-Cups und sein fast 200-köpfiges Organisations- und Helfer-Team hatten die zwölfte Turnierauflage, die erste in Heilbronn, einmal mehr beachtlich gestemmt. Belohnt wurden sie ebenso wie der ausrichtende VfR Heilbronn mit viel Lob und einem Zuschauerrekord von rund 6000 Besuchern.

Jürgen Birkert selbst hatte von den Spielen allerdings nur wenig gesehen. Er war ein vielbeschäftigter Mann an den beiden Turniertagen. Zuvorderst wollte er mit den Trainern der acht B-Jugend-Teams die Bereitschaft zur Turnier-Teilnahme im nächsten Jahr erörtern - und erhielt bereits reihenweise Zusagen. Gespielt werden soll am 22. und 23. Juli 2023; dann wieder im Öhringer Otto-Meister-Stadion.

Der Organisator spielt auch mit dem Gedanken, wieder ein ausländisches Team einzuladen. Austria Wien, Olympiakos Piräus und Arsenal waren in der Vergangenheit bereits dabei. Weil die Engländer durch einen anderen Stichtag allerdings nur mit einer sehr jungen Mannschaft anreisen könnten, tendiert Birkert eher zu Gästen aus Österreich oder der Schweiz.

Prominente Gästemannschaften sorgen für Glanz

Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) kam am Finaltag nicht nur zur Pokalübergabe ins Stadion, sondern sah sich auch die finalen Platzierungsspiele an. "Wir haben die enorme Anstrengung der Stadt sehr wohl bemerkt", betonte Jürgen Birkert mit Blick auf den Rasen, "aber mehr war nach dem Konzert der Ärzte einfach nicht rauszuholen". Das sah auch Mergel so, für den die Bespielbarkeit des auf zwei Zentimeter gestutzten Untergrundes oberste Priorität genoss. Dass diese gewährleistet war, freute ihn ebenso wie die Tatsache, dass die prominenten Gäste-Teams "ein bisschen Glanz nach Heilbronn bringen".

Vereinsübergreifende Freund- und Bekanntschaften

Man kennt sich, man schätzt sich. Während sich der FC Schalke 04 mit der TSG Hoffenheim im ersten Halbfinale maß, saß der Nachwuchs von Rivale Borussia Dortmund auf der Tribüne und beobachtete das Treiben auf dem Platz. Begegnungen bei Turnieren, in der Westfalen-Auswahl oder in den U-Nationalmannschaften haben vereinsübergreifende Freund- und Bekanntschaften entstehen lassen.

"Taylan, kranker Ball", lobten die Dortmunder Nachwuchskicker daher Schalkes Kapitän Taylan Bulut, nachdem dieser mit einem diagonalen Außenristpass das zwischenzeitliche 2:0 von Ben Berzen äußerst sehenswert vorbereitet hatte. Schön.

Was ist die Zukunft: 3-4-3, 3-5-2 oder 3-1-4-2?

Ob die Besucher im Frankenstadion die dauerhafte taktische Zukunft des deutschen Fußballs zu sehen bekamen? Drei von vier Halbfinalisten spielten am Sonntag mit einer defensiven Dreierkette. Nur Schalke 04 bleib bei einer Viererreihe. Ob 3-4-3, 3-5-2 oder 3-1-4-2 - alle Varianten waren vertreten. "Wir waren zwei Wochen im Training, hatten dann wegen der Schulferien eine Woche Pause und sind jetzt wieder seit einer Woche dabei", berichtete Mehdi Mahdavikia, Techniktrainer des Hamburger SV, vom Stand der Vorbereitung. Ob die Dreierkette für viele Jahre Bestand hat oder ein taktisches Zwischenspiel bleibt, wird die Zeit zeigen.

Mehdi Mahdavikia war einst ein besserer Handballer

Apropos Mahdavikia: Der Hamburger Ex-Profi, der am Sonntag 45 Jahre alt wurde, erinnerte sich auch an seine Zeit als Nachwuchssportler - auf bislang unbekanntem Terrain: "Ich war Kreisläufer in der iranischen U14-Nationalmannschaft und eigentlich ein besserer Handballer als Fußballer", erzählte der 1,72 Meter große Außenbahnspieler mit einem Lachen. Gut für den HSV und Eintracht Frankfurt, dass er sich dennoch für den Fußball entschied.

Der Stoff, aus dem echte Männer sind

Ob aus Felix Langhammer (16) mal ein gestandener Bundesliga-Profi werden wird? Falls ja, dann vielleicht, weil ihn sein Trainer Onur Cinel im Frankenstadion dazu anstachelte. "Felix, du wolltest doch ein Mann werden. Das hast du gesagt, nicht ich!", raunte der Schalke-Coach seinen Probespieler im Finale an und forderte mehr Einsatz und Zweikampfstärke. Langhammer lieferte und zeigte Nervenstärke, als er im Elfmeterschießen vom Punkt traf. Das ist der Stoff, aus dem echte Männer sind.

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