Wird die Oberliga klassisch oder im Playoff/Playdown-Modus gespielt?

Fußball  Die Neckarsulmer Sport-Union und die 20 anderen Vereine haben die Wahl zwischen der Austragung einer gewöhnlichen Saison und einer Variante, bei der es nach der Hinserie mit einer Abstiegs- und einer Meisterrunde weitergeht. Etliche Vereine fühlten sich überfahren, da nun eine schnelle Entscheidung her muss.

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In der neuen Saison wird sich nicht nur Neckarsulms Torwart Marcel Susser gewaltig strecken müssen. Entweder es wird eine Marathon-Oberligasaison mit 40 Partien oder es könnten dramatische Playdown-Spiele warten.

Foto: Andreas Veigel

Noch ist fast alles offen, was die neue Fußballsaison in der Oberliga Baden-Württemberg betrifft. Klar ist lediglich, dass die Runde 2020/2021 am Wochenende des 22. und 23. August beginnen soll. Doch in welchem Modus wird gespielt?

In einer Videokonferenz am Mittwochabend stellte die Oberliga-Spielkommission der Verbände Baden, Südbaden und Württemberg den Vertretern der 21 Vereine zwei Modelle vor: Eine normale Saison mit Hin- und Rückrunde, die 40 Spiele und etliche englische Wochen beinhalten würde. Oder alternativ eine Hinrunde und ab April 2021 eine in Playoff- (zehn Mannschaften) und Playdown-Runde (elf) aufgeteilte Staffel. Quasi eine Meister- und Abstiegsrunde, unter Mitnahme aller zuvor erspielten Punkte. Die Vereinsvertreter haben nun bis Sonntag Zeit, der Spielkommission ihre Einschätzung zukommen zu lassen.

In Neckarsulm hätte man sich eine Vorab-Information gewünscht

"Ich empfinde es als komische Vorgehensweise der Oberliga-Kommission, zu einer Videokonferenz einzuladen, in der die Vereinsvertreter völlig unwissend sind, um was es eigentlich geht, und dann mit einem solchen Vorschlag konfrontiert zu werden und eine Meinung dazu zu äußern", sagt Thorsten Damm, Sportlicher Leiter der Neckarsulmer Sport-Union. "Ich hätte mir eine Vorab-Information gewünscht. Man hat schon den Eindruck gewonnen, dass die Kommission definitiv das Playoff/Playdown-Modell favorisiert."

Etliche Vereinsvertreter kritisierten die Vorgehensweise der Kommission. Unter anderem gab es Wortmeldungen von Vereinsvertretern wie: Die Vorbereitung auf diese Sitzung sei erbärmlich. Oder: Wie solle man jetzt zu so einem Vorschlag eine Meinung abgeben, wenn man erst fünf Minuten vorher das erste Mal davon gehört habe?

Vereine fühlten sich am Mittwochabend überfahren

"Es hat keiner von der Kommission gewollt, dass sich die Vereine überfahren fühlen", bezieht José Macias als WFV-Mitarbeiter und Oberliga-Staffelleiter Stellung. "Die Vereine wurden über die Situation informiert, mit der Bitte, sich bis zum Wochenende darüber Gedanken zu machen." Sind bis Sonntag die Stellungnahmen der Vereine eingegangen, "wird am Montag die Oberliga-Spielkommission darüber befinden". Die Vereine entscheiden jedoch nicht darüber, welches Modell gespielt wird, sondern die Kommission - unter Abwägung der Rückmeldungen.

Nicht alle Vereine wurden durch den Playoff/Playdown-Modus überrascht, der eine oder andere Oberliga-Club hatte schon Tage zuvor aus irgendwelchen Quellen davon Kenntnis erhalten.

NSU gehört zu den Unschlüssigen im Drittel-Mix

"Es wurde kontrovers diskutiert", sagt Damm. "Es war ein Drittel-Mix. Die einen haben gesagt, der Alternativ-Modus macht Sinn, da man weniger Spiele hat, auch weniger unter der Woche. Andere wissen jetzt schon, sie tendieren klar zum traditionellen Modell. Das letzte Drittel ist unschlüssig." Zu den Unschlüssigen gehört die NSU.

"Jeder musste davon ausgehen, dass nach Corona nicht der klassische Weg gespielt werden kann. Dass sich die Oberliga-Spielkommission darüber Gedanken macht, dürfte allen klar gewesen sein", sagt Dario Caeiro, Fußball-Vorstand des Hohenlohe-Vertreters TSV Ilshofen. "Was bei vielen Vereinen falsch rübergekommen ist, war die Meinung, dass man sich an diesem Abend entscheiden müsse. Aber man hat ja Zeit bis zum Wochenende. Es war ein reiner Informationsabend."

Caeiro war etwas darüber irritiert, wie manche Vereine reagiert haben. "Es war zu merken, dass das Verhältnis zwischen den Clubs und dem Verband derzeit etwas angespannt ist."

TSV Ilshofen ist für die kürzere Variante

Was den TSV Ilshofen betrifft, sagt Caeiro: "Ich habe mich für die Playoff/Playdown-Variante ausgesprochen. Wir haben keine Profis. Die Belastung mit 40 Saisonspielen im traditionellen Verfahren ist für uns undenkbar."

Caeiro gibt weiter zu bedenken: "Es geht nicht nur um die Spieler. Da ist der Grillmeister, der Team-Manager, die Betreuer. Man hätte ja auch keine freien Feiertage mehr. Es würde an Ostern zwei Mal gespielt werden, an Pfingsten, Fronleichnam und Christi Himmelfahrt. Spiele bis Mitte Dezember - und Ende Februar würde es schon wieder losgehen." Und da dürfen wetterbedingt keine Begegnungen ausfallen. "Der Playoff-Weg ist der richtige, um die Belastung runterzufahren." Man darf gespannt sein, was am Ende entschieden wird.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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