VfB-Profi Gonzalo Castro ist jetzt im Club der Vielspieler

Fußball  VfB-Profi Gonzalo Castro ist der 69. Akteur, der die Marke von 400 Bundesligapartien knackt. Der Mittelfeldmann spielt seit 2018 in Stuttgart.

Email

Grund zum Jubeln: Gonzalo Castros Körper "geht es einfach zu gut", um die Karriere schon zu beenden.

Foto: imago images/Simon

Die Zahl beschäftigt ihn schon ("Die ist sehr schön"). Aber wer sich da so alles in seiner Nähe aufhält, "das weiß ich nicht", sagt Gonzalo Castro und lacht. Läuft alles nach Plan, dann bestreitet der Kapitän des VfB Stuttgart am Freitagabend (20.30 Uhr/DAZN) zu Hause gegen den FSV Mainz 05 sein 400. Bundesligaspiel - und zieht mit Thomas Häßler sowie Klaus Zaczyk gleich.

In der ewigen Hitliste der Liga bedeutet das Platz 67; in den nächsten Wochen kann der 33-Jährige Größen wie Klaus Augenthaler (404 Bundesligaspiele) und Wolfgang Overath (409) überholen. Vor Castro tummeln sich nur zwei weitere noch Aktive: der ehemalige VfB-Kapitän Christian Gentner (416/35 Jahre) und Manuel Neuer (423/34).

Castro hätte gerne mehr als fünf Länderspiele absolviert

Fußball ist mehr als Zahlen. Aber es hilft bei der täglichen Arbeit eines Profis, wenn die Zahlen am Wochenende stimmen. Die Zahlen in der bemerkenswerten Karriere von Gonzalo Castro könnten besser, es könnten mehr Titel sein. Er hätte vor allem gerne mehr als fünf Länderspiele gemacht, wie der in Wuppertal geborene U 21-Europameister von 2009 am Dienstag in einer digitalen Presserunde erzählt hat. "Ich habe trotzdem eine gute Karriere hingelegt, nicht viel falsch gemacht." Die Höhepunkte? Das erste Spiel mit 17 für Bayer Leverkusen ("Es kam sehr unerwartet"). "Und der Sieg im DFB-Pokal 2017 mit Borussia Dortmund." Der Tiefpunkt? "Natürlich der Abstieg." In seiner ersten Saison beim VfB Stuttgart.

Über Wuppertal und Bayer Leverkusen zum VfB Stuttgart

Es war ein spektakulärer Transfer des damaligen VfB-Sportvorstandes Michael Reschke, als er 2018 den Mittelfeldmann nach 286 Bundesligaspielen für Leverkusen und weiteren 72 für Dortmund nach Stuttgart holte - Reschke hatte 1999 den zwölfjährigen Gonzalo von Bayer Wuppertal zu Bayer Leverkusen geholt, quasi entdeckt. Es war ein spektakulärer Abstieg des VfB. "Der Abstieg hat mir geholfen, er hat mich gestärkt", sagt Gonzalo Castro, der in der Abstiegssaison nicht unumstritten war und auch nicht der entscheidende Kopf in der Aufstiegssaison - aber jetzt ist er unbestritten der richtige Kapitän einer sehr jungen Mannschaft und unumstrittener Führungsspieler, der in der Liga eine Vorlage, drei Tore und unzählige Grätschen beigesteuert hat. Dieses Aufblühen hat er Trainer Pellegrino Matarazzo zu verdanken. Michael Reschke sagt es so: "Matarazzo ist für Gonzo Gold wert."

Es war ein cleverer Schachzug des Cheftrainers, dem Routinier im Sommer das Kapitänsamt zu verleihen. Gonzalo Castro ist nicht ein Mann der Worte, sondern ein Mann der Taten. Er schreie nicht auf dem Platz rum, sagt der ehemalige Nationalspieler mit spanischen Wurzeln, sondern er gebe immer Vollgas, versuche "die Jungs mitzureißen". Das hilft den extrem jungen Spielern, das hilft dem ältesten Feldspieler im extrem großen Kader. Gonzalo Castro glänzt. Weil er gebraucht wird. Sein Rat an die jungen Spieler: "Konzentriert arbeiten - das hat auch mir geholfen." Und das soll auch der Weg sein, um nach zuletzt fünf Punkten in sieben Spielen nun gegen Mainz wieder einmal satt zu punkten, im neunten Anlauf endlich den ersten Heimsieg dieser Bundesliga-Saison zu holen.

Zank in den Führungsgremien des VfB stört nicht

Dass sich der VfB in der ersten Liga grundsätzlich leichter tut als in der vergangenen Saison, dass der Aufsteiger auf Platz zehn steht, erklärt Gonzalo Castro so: "Weil der Trainer das Team länger kennt - man sieht seinen Stil. Und wir haben einfach mehr Platz." Die "Nebengeräusche", wie Castro den Zank in den Führungsgremien des VfB bezeichnet, bekomme er natürlich mit. Aber "es ist nicht unsere Aufgabe, uns da einzumischen, es wäre fatal zu sagen, das stört uns".

Gonzalo Castro wird viel gefragt, hat 45 Minuten lang viel zu erzählen. Er nennt Bernd Schneider und Dimitar Berbatov als seine prägendsten Mitspieler, Klaus Augenthaler, Jupp Heynckes und Thomas Tuchel als prägendste Trainer. Und er verrät: "Ich hätte gerne noch ein paar Jahre in Spanien gespielt." Das wird wohl nichts mehr. Klar ist: Nach der Karriere geht es zurück nach Leverkusen ("Da haben wir ein Haus gebaut"). Wann das sein wird? "Meinem Körper geht es einfach noch zu gut. Ich will weitermachen." VfB-Sportdirektor Sven Mislintat hat angekündigt demnächst Vertragsgespräche mit dem bodenständigen Jubilar zu führen.

Prominente Vielspieler aus der Bundesliga

Die meisten Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart hat Karl Allgöwer bestritten (338), gefolgt von Günther Schäfer (331) und Guido Buchwald (325). In der Liste der Bundesliga-Rekordspieler, die mit 602 Partien von Karl-Heinz Körbel angeführt wird, haben vor Gonzalo Castro liegend nur vier Spieler eine VfB-Vergangenheit: Georg Volkert (410 Spiele), Christian Gentner (416), Michael Frontzeck (436) und Eike Immel (534).


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

Kommentar hinzufügen