Wer kann dem VfR Heilbronn Paroli bieten?

Fußball  Die Schwarz-Weißen sind klarer Titelfavorit in der Bezirksliga. Konkurrenten sind Schluchtern, Aramäer Heilbronn und FC Union Heilbronn. Den übermächtigen VfR ärgern wollen aber alle.

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Die VfR-Verantwortlichen (v. l.) Andreas Lechner (Trainer), Vorstand Onur Celik und Vorstandsmitglied Tobias Schwarz starten gut gelaunt in die Saison.

Fotos: Bertok

Noch nie waren die Funktionäre und Trainer der Bezirksliga bei der Frage nach dem nächsten Meister so einer Meinung wir vor der Saison 2021/22. Topfavorit ist der VfR Heilbronn. Doch dem VfR wird auf dem Weg zum angestrebten Titel nichts geschenkt, auch darin, sind sich alle einig. Wer könnte die Schwarz-Weißen auf dem Weg in die Landesliga stoppen? Auch diese Frage ist relativ einfach zu beantworten, es sind die üblichen Verdächtigen wie Onur Celik weiß.

Der Vorsitzende des VfR Heilbronn nennt den "SV Schluchtern, Aramäer Heilbronn und den FC Union Heilbronn", erwartet am Ende aber "einen Zweikampf mit den Aramäern". Zu den möglichen Stolpersteinen für seiner Mannschaft zählt Celik die Spfr Untergriesheim.

Aramäer-Funktionär Daniel Maroge macht deutlich, dass die Favoritenbürde für den VfR zu einer Last werden könnte. "Für die meisten Gegner ist die Partie gegen den Favoriten das Spiel des Jahres. Gegen den VfR holt man da ein paar Prozent Leistung mehr heraus."

 

FC Union Heilbronn

Wer kann dem VfR Heilbronn Paroli bieten?

Hauptkonkurrent des VfR? Trainer Nico Kiesel und der FC Union Heilbronn.

"Wir wollen soweit oben mitspielen, wie es geht", blickt Nico Kiesel, Trainer des FC Union Heilbronn, auf eine "spannende" Runde voraus. "Wir haben uns nochmals verstärkt. Landen wir wieder im ersten Tabellendrittel, ist es eine gute Saison für uns." Es darf Rang zwei, aber gerne auch ein bisschen mehr sein. "Sollte sich diese Möglichkeit auftun, wollen wir sie auch ergreifen", meint Kiesel. "Aber sich jetzt hinzustellen und zu sagen, wir machen das jetzt in diesem Jahr, wäre der falsche Weg. Das hat die Union bereits oft genug vergeblich versucht. Wir gehen in aller Demut in die Saison. Der Konkurrenzkampf um die vorderen Plätze ist groß, daher ist der Respekt vor dieser Liga die Voraussetzung, um erfolgreich sein zu können."

 

SV Schluchtern

Einige Leistungsträger haben den SV Schluchtern verlassen, gekommen sind spielstarke Neuzugänge. Nicht mehr das SVS-Trikot tragen Fabian Kirsten (FSV 08 Bissingen), Kai Irrgang (SV Germania Bietigheim), Tim Haiges, Tobias Weinreuter, Pascal Wylezik und Michael Rechert (alle vier SGM MassenbachHausen). Kompensiert werden diese Abgänge durch die Zugänge Melih Acar, Timo Sigloch (beide VfL Brackenheim), Sebastian Kappes (zuletzt pausiert, davor Neckarsulmer Sport-Union), Fabian Weber (SGM MassenbachHausen), Santino Alemanno, Matej Katavic (beide eigene Jugend) und Torhüter Tobias Neutz (FC Union Heilbronn). "Wir hoffen keinen Qualtitätsverlust zu haben", sagt Abteilungsleiter Lars Kar. "Wir haben versucht, das spielerische Niveau bestmöglich zu halten, ob wir das geschafft haben, wird die Saison zeigen." Ein Tabellenplatz unter den ersten Fünf, so lautet das Ziel.

 

Aramäer Heilbronn

Neu im Team der Aramäer sind Winterzugang Malek Örum, Rückkehrer Marin Idzan und Dennis Schaal (Student aus dem Raum Karlsruhe mit Zweitspielrecht). Zudem stehen in Abdulahad Lahud und Christopher Önverdi zwei Langzeitverletzte wieder zur Verfügung. "Unser Kader ist nicht schlechter besetzt, als der der vergangenen Saison", sagt Maroge. Trainer ist weiterhin Matthias Örüm, der ab diesem Sommer jedoch von zwei Assistenten – Aziz Deger und Fuat Eroglu (zuvor Co-Trainer beim SV Schluchtern) – in seiner Arbeit unterstützt wird. "Wir wollen oben mitspielen und das Bestmögliche herausholen, so wie jedes Jahr", sagt Daniel Maroge. "Läuft beim VfR mit seinem stark besetzten Kader alles normal, wir das der Meister. Aber die Saison ist lang, da kann viel passieren. Es gibt in diesem Jahr viele gute Mannschaften, die sich verstärkt haben und auch dem VfR weh tun können."

 

Spfr Untergriesheim

Dass seiner Mannschaft mit vorne erwartet wird, nimmt Thorsten Kappes, Abteilungsleiter der Spfr Untergriesheim, gerne zur Kenntnis, gibt sich bei seinem Saisonziel aber bescheiden. "Ein einstelliger Platz und nichts mit dem Abstieg zu tun haben, damit wären wir zufrieden. Man sollte immer schauen, wo man herkommt. Wir kommen vom Dorf und leben von unserer eigenen Jugend." Joshua Bauer ist von Türkspor Neckarsulm zurückgekehrt, zudem werden vier Spieler aus der Landesstaffel-A-Jugend in den Kader der ersten Mannschaft integriert. Abgänge gibt es keine.

Friedrichshaller SV

Zu den Mannschaften mit Überraschungspotenzial zählt der Friedrichshaller SV. Zwar hat Torjäger Tim Falk den Verein in Richtung FV Löchgau verlassen, doch in Luca Schumacher (FV Wüstenrot) und Benedikt Kuhne (SG Bad Wimpfen) wurden gleich zwei neue Offensivkräfte verpflichtet. Weitere Neuzugänge sind Sascha Peukert (SG Bad Wimpfen), Rouven Braun (FV Wüstenrot), Tufan Yilmaz (Türk. Mosbach), Kawsu Jatteh (Sinsheim) und Fabian Feeser (Kirchardt). Aus der zweiten Mannschaft wurden Jan Hildbrand und Luca Förch hochgezogen und aus der eigenen Jugend verstärken Yannic Wasser und Tim Uhrich das Bezirksliga-Team. Zudem ist Hendrik Belz, der zuletzt verletzungsbedingt kaum zum Einsatz kam, wieder fit, auch seine Tore werden weiterhelfen. Spielertrainer Philipp Matyssek besitzt einen Kader, der an Qualität zugelegt hat. Die Ansprüche sind gestiegen. "Wir wollen um Platz fünf mitspielen", sagt er.

 

Spfr Lauffen

"Wir wollen uns von den hinteren Tabellenplätzen fernhalten", zeigt sich Marc Strohmeier, Abteilungsleiter der Spfr Lauffen, im Vorfeld der Saison eher bescheiden in seinen sportlichen Ambitionen. "Höhere Ziele haben wir uns zunächst nicht gesteckt. Ganz vorne sehe ich uns aktuell nicht." Der Kader hat sich eigentlich nicht groß verändert, wurde lediglich etwas verbreitert.

 

SG Bad Wimpfen

Mit dem bescheidenen Ziel Klassenerhalt startet die SG Bad Wimpfen. "Als die letzte Saison abgebrochen wurde, waren wir Zehnter", blickt SG-Spielleiter Otto Pfleger zurück. "Das sah optisch gut aus. Dass wir abgestiegen wären, glaube ich nicht, aber wir hätten schon in den Schlamassel reinrutschen können." Und so wünschen sich die Stauferstädter eine ruhige Saison im Niemandsland der Tabelle. Pfleger macht aber auch deutlich, dass alles möglich sei, wenn es gut läuft, selbst Platz zwei. Im Kader der SG hat sich viel getan. Neu sind unter anderem Anton Hofmann, Jonas Gräßle, Raphael Weilbrenner, Marco Lange, Maurice Gysin und Niklas Watzl. "Wir haben uns gezielt verstärkt", sagt Pfleger, schließlich haben auch Leistungsträger den Verein verlassen, wie Matthias Klinkert (VfR Heilbronn), Sascha Peukert und Benedikt Kuhne (beide Friedrichshaller SV).

 

FSV Schwaigern

Zu den Funktionären, die beim Blick auf die neue Runde noch fragend mit den Schultern zucken, gehört Walter Koltes. "Auch wenn es komisch klingt, für uns zählt nur der Klassenerhalt, ich weiß nicht wie die Konkurrenz aufgestellt ist, wer hat wie aufgerüstet", sagt der Abteilungsleiter des FSV Schwaigern nach den Abbruch-Platzierungen sechs und fünf. Bis auf Benjamin Reichert (SGM MassenbachHausen) ist die Mannschaft zusammengeblieben. "Man muss abwarten, wie sich die Liga entwickelt", sagt Koltes, dass das Ziel noch oben korrigiert werden kann.

 

SC Böckingen

Vier Abgänge und sieben Neuzugänge vermeldet der SC Böckingen. "Erreichen wir einen Platz im Mittelfeld, wären wir zufrieden", setzt Klaus Vielhauer den Klassenerhalt voraus. "Kanonenfutter werden wir nicht sein und versuchen jeden Gegner zu schlagen." Was schmerzt ist der Abgang von Serdal Kocak zum VfR Heilbronn. "Wir haben da eventuell noch einen Stürmer in der Hinterhand. Mal sehen, ob das klappt, man kann ja bis zum 31. August noch Spieler als Vertragsamateur verpflichten", sagt der Funktionär.

SC Ilsfeld

"Unser Anspruch ist, nicht gegen den Abstieg zu spielen, alles andere über einen Mittelfeldplatz hinaus ist nicht realistisch", sagt SCI-Abteilungsleiter Elias Ziegler. "Viele Konkurrenten haben aufgerüstet, sind daher stärker geworden." In Ilsfeld hat sich dahingehend wenig getan. "Ich habe letztes Jahr schon gesagt, die Bezirksliga ist stark besetzt, sie ist jetzt aber noch stärker geworden", erwartet Ziegler ein Hauen und Stechen um die Topplatzierungen wie auch im Kampf um den Klassenerhalt.

VfL Brackenheim

"Wir befinden uns im Umbruch", berichtet der Brackenheimer Abteilungsleiter Pascal Kobia von neun Abgängen, zu denen auch der zweite Torhüter Levent Heimannsberg zählt, der in letzter Sekunde zum Landesligisten SV Leingarten wechselte. Auch auf die Leistungsträger Timo Sigloch (SV Schluchtern) und Chris Storz (zurück zum TSV Cleebronn) muss verzichtet werden. Zu den Neuzugängen gehören Cedric Cramer (FV Löchgau), Jean-Frantz Bien-Aime (Germania Bietigheim), Rückkehrer Sercan Agargün (SC Böckingen), Torhüter Farshid Mohamad (Türkspor Obersulm), Fabio Karanatsios (Germania Bietigheim) und der ehemalige VfL-Jugendspieler Tim Feder (VfB Eppingen).

Trainer Jürgen Rapolder steht vor der Aufgabe eine neue Mannschaft formen zu müssen. "Es wäre vermessen gleich Wunder zu erwarten, es muss sich alles erst finden", sagt Kobia. Wir haben eine gute Mannschaft und werden den "Klassenerhalt deutlich sichern, backen zunächst aber kleinere Brötchen".

 

SGM Krumme Ebene

Externe Neuzugänge gibt es bei der SGM Krumme Ebene nicht zu vermelden. "Wir waren in den vergangenen zwei Abbruch-Spielzeiten Fünfter und Sechster, gehen wir erneut so über die Ziellleine, wäre das herausragend", sagt Spielertrainer Pascal Marche. "Über allem steht aber der Klassenerhalt." Marche hofft, dass Jonas Wörner endlich mal wieder eine verletzungsfreie Saison spielen kann. "Er wäre dann quasi wie ein Neuzugang, da er sich die vergangenen beiden Jahre jeweils früh verletzte", sagt Marche.

 

SG Stetten/Kleingartach

"Bei uns hat sich nicht groß etwas verändert", sagt Willi Doster, Vorstand der SG Stetten/Kleingartach und nennt als wichtigste Personalie die Rückkehr von Marinko Balikic vom VfB Eppingen, der zudem Chefcoach Marcel Oechsner als Co-Trainer unterstützt. "Der hatte vor seinem Weggang unsere Abwehr zusammengehalten", hofft Doster nun wieder auf mehr Defensiv-Stabilität. "Vorne haben wir Defizite. Vorgabe ist der Nichtabstieg, ein anderes Ziel können wir nicht ausgeben."

 

Neckarsulmer SU II

"Unser Ziel ist der Klassenerhalt", sagt Heinz Busch, der bei der Sport-Unials Jugendkoordinator auch für die U23 verantwortlich ist. "Wobei der Ausbildungcharakter, die Spieler weiterzuentwickeln, absolut im Vordergrund steht." Busch verweist darauf, dass Akteure wie Jan Stascak und Simon Doll, der noch A-Jugend spielen dürfte, schon ins Oberliga-Team reinschnuppern.

TGV Dürrenzimmern

"Wir spielen um den Klassenerhalt, sind aber zuversichtlich die Liga halten zu können", sagt TGV-Abteilungsleiter Alexander Hügler. Neben dem Trainer-Rückkehrer Tom Irrgang wurde die Mannschaft durch den früheren Jugendspieler Ben Zetzsche (VfB Eppingen) verstärkt. Noah Mayer und Julian Wolss sind vom FV Löchgau gekommen, auch aus den A-Junioren gab es Zuwachs. "Ich gehe davon aus, dass wir über das Potenzial verfügen, auch mal den ein oder anderen Aufstiegskandidaten ärgern zu können", sagt Hügler. "Wir sind breit aufgestellt, erstes Ziel ist es vier Mannschaften hinter zu lassen."

TSG Heilbronn

"Nichtabstieg", formuliert TSG-Abteilungsleiter Klaus Reinecke sein Ziel mit nur einem Wort. "Auch wenn es nur drei Direktabsteiger gibt, wird es schwer genug, das zu realisieren. Ich glaube, es wird nicht viele Vereine geben, die sich um die letzten Plätze streiten." Diese Aufgabe zu einem dennoch guten Ende zu führen, daran arbeiten die Spielertrainer Sandro Reinecke und Sven Göggelmann.

 

FV Wüstenrot

"Unser Kader ist kleiner geworden. Wir müssen kämpfen und es wird schwer die Klasse zu halten", sagt FVW-Vorstand Andre Fritz. Richten sollen es Spielertrainer Oliver Köhler (ehemals Oberliga Neckarsulmer Sport-Union) und der ebenfalls spielende Co-Trainer Hamadouch Bouida, sowie dessen stürmender Bruder Redouane (Spfr Schwäbisch Hall) sowie der ein oder andere Rückkehrer. "Wir stehen mitten in einem Umbruch", erzählt Fritz.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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