Wer darf denn überhaupt im Stadion alles dabei sein?

Fußball  Die Fußballl-Bundesliga im Notbetrieb, das heißt mit möglichst wenig Personal auszukommen. Nicht nur die Fans müssen draußen bleiben.

Email
Derby-Stimmung kommt in Dortmund nicht auf - zumindest nicht im Signal-Iduna-Park. Die Plätze in den Bundesliga-Arenen sind streng limitiert. Foto: dpa

Es gibt keinen Platz für Joachim Löw. Nicht in Dortmund beim Revier-Derby, nicht in Sinsheim, wenn an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) Hertha BSC bei der TSG Hoffenheim gastiert. Der Bundestrainer ist ein gern gesehener Gast in normalen Zeiten. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders. Ausnahmen erhält auch ein Weltmeister-Trainer keine. Löw macht es deshalb wie wohl Millionen Hobby-Bundestrainer dieser Tage auch. Er setzt sich daheim vor den Fernseher, statt auf den Klapp-Sitz im Stadion. Alles ist neu, alles ist anders organisiert.

Die Anreise der Mannschaften erfolgt in mehreren Fahrzeugen. Im Stadion gibt es getrennte Kabinen für die A- und B-Elf. Selbst auf die Maskottchen wie TSG-Elch Hoffi, Geißbock Hennes in Köln oder Adler Attila in Frankfurt müssen die gastgebenden Vereine verzichten.

Maximal 300 Personen, den größten Posten stellt das TV

Die Plätze im Stadion sind streng limitiert. Wer wann wo für welchen Zweck sein darf, das ist auf 41 Seiten voller Texte, Grafiken und Zahlen durch die DFL formuliert. Die Arenen werden in drei Zonen eingeteilt: Stadioninnenraum (unter anderem Spielfeld, Spielertunnel und Kabinen), Tribüne und Stadionaußengelände. Der gastgebende Club hat darauf zu achten, dass zeitgleich maximal etwa 300 Personen auf dem gesamten Gelände anwesend sind. TV-Personal (71) macht den größten Posten aus. Sie sind allerdings eher außerhalb des Stadions im Einsatz.

In jeder Zone dürfen höchstens etwa 100 Personen zum selben Zeitpunkt sein. Lediglich zehn Journalisten sind beispielsweise in jedem Stadion auf den Pressetribünen erlaubt. Sie müssen zuvor einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen, am Eingang wird die Körpertemperatur gemessen. Im Stadion gilt Maskenpflicht, Essen und Trinken ist selbst mitzubringen. Es ist nicht erlaubt, den Tribünenplatz zu verlassen.

Jubel lediglich per Ellbogen- oder Fußkontakt

Im Bundesliga-Notbetrieb wird auf vieles verzichtet. Auf Einlaufkinder, das gemeinsame Aufstellen der Teams vor Spielbeginn. Bei Toren wird nicht gejubelt wie sonst, lediglich kurzer Ellbogen- oder Fußkontakt ist erlaubt.

Nicht alle Fußball-Fans finden toll, dass der Ball wieder rollt. Kritik am Neustart kommt unter anderem auch von Crescendo Hohenlohe, einer Ultra-Gruppierung der TSG Hoffenheim. "Seltsam, dass die Menschen mit Masken rumlaufen und Abstand halten sollen, und beim Fußball, der zweifelsohne Kontaktsport ist, wirft man diese Maßnahmen kurzerhand über den Haufen", heißt es in einer Stellungnahme. Zudem wird Kritik am eigenen Verein laut: "Wir finden es auch mehr als zweifelhaft, dass unser Verein hier keine öffentliche Meinung hat", heißt es: Findet man die Pläne zur Fortführung gut oder nicht? Will man der Deutschen Fußball Liga (DFL) nicht entgegentreten oder einfach das öffentliche Image nicht schädigen? Fragen, welche die Fans umtreiben. Und die Sicherheitskräfte fragen sich: Kommt es vor den Arenen zu Menschenansammlungen?

Appell, nicht zum Stadion zu fahren

Die Hohenloher TSG-Fans appellieren in ihrem Schreiben, für die Geisterspiele nicht zu den Stadien zu fahren, sich nicht privat in Gruppen zu treffen und nicht aus der Not heraus irgendwelche Pay-TV-Abos abzuschließen. In Sinsheim rechnet man nicht mit einem Fan-Ansturm vor der Arena. Der Mannheimer Polizeisprecher Norbert Schätzle setzt auf die Vernunft der Fans. Polizei wird in Sinsheim gar keine im Stadion sein, obwohl laut DFL-Konzept eigentlich vier Beamte vorgesehen wären. "Schließlich sind ja auch keine Fans im Stadion", sagt Norbert Schätzle.

Szenekundige Beamte sind jedoch am Samstag in der Sinsheimer Innenstadt unterwegs und schauen nach den sonstigen Fan-Treffpunkten. Da Fußball-Kneipen noch geschlossen sind, wird es kein Rudelschauen geben. Das könnte eine Woche später anders sein. Dann werden Ordnungsamt und Polizei nicht nur in Sinsheim ganz genau hinschauen, ob sich die Fußball-Fans in der Kneipe an Abstandsgebote halten.


Stimme-Sportredakteur Andreas Öhlschläger ist einer von zehn Journalisten, die von der Pressetribüne in Sinsheim vom Spiel der TSG Hoffenheim gegen Hertha BSC berichten. Hier zeigen wir außergewöhnliche Bilder aus dem Stadion:


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik. 

Kommentar hinzufügen