Wenn Vorfreude auf Personalsorgen trifft

Fußball  Sebastian Hoeneß gastiert mit der TSG am Samstag in Köln: Trotz einiger Ausfälle schickt der neue Trainer ein schlagkräftiges Tams ins Rennen. Kommt noch ein Linksverteidiger?

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Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß im Stadion vor Beginn des Pokalspiels in Chemnitz. Nach dem Zittersieg im DFB-Pokal wartet nun das erste Bundesligaspiel als Cheftrainer.

Foto: dpa

Die Telefonschalte mit Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß vor dem ersten Bundesligaspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr, Sky) stand irgendwie sinnbildlich für die aktuelle Personalsituation der TSG Hoffenheim. Ein Ausfall nach dem anderen. Pressesprecher Holger Kliem arbeitete am Donnerstagnachmittag die Liste mit den angemeldeten Journalisten ab, ruft Namen auf, aber einige Male meldet sich einfach niemand.

Sebastian Hoeneß hingegen schaut auf eine andere Liste vor ihm, "eine mit vielen Fragezeichen drauf", sagt der 38-Jährige zur Personalsituation vorm Ligastart. Klar ist, dass Kapitän Benjamin Hübner ausfällt. Neben dem Langzeitverletzten Havard Nordtveit muss Hoeneß lange auf Kostas Stafylidis verzichten, der an der Schulter operiert wurde. Bei den zuletzt angeschlagenen Robert Skov und Stefan Posch entscheidet sich am Freitag, ob sie mit nach Köln können. Nur eingeschränkt mittrainiert haben zuletzt Pavel Kaderabek, Christoph Baumgartner und Andrej Kramaric.

Bei Andrej Kramaric zwickte es in der Leiste

Kramaric zeigte als Doppeltorschütze in Chemnitz einmal mehr eindrucksvoll, wie wertvoll er für die TSG-Elf ist. Beim kroatischen Nationalstürmer zwickte es zuletzt in der Leiste. "Sicherlich der Belastung geschuldet", wie Hoeneß über die Vorsichtsmaßnahme urteilt, den 29-Jährigen im Training zu schonen. Ishak Belfodil gab nach langer Verletzungspause in Chemnitz als Joker sein Pflichtspielcomeback. "Er wird herangeführt an die hundertprozentige Fitness", sagt Hoeneß. Sargis Adamyan spielte unlängst 45 Minuten in der U23 der TSG.

Trotz all der Ausfälle und Sorgen: "Wir werden eine schlagkräftige Mannschaft auf dem Platz haben", sagt Hoeneß vor seinem Debüt als Bundesligatrainer. Der knappe Erfolg nach Elfmeterschießen in Chemnitz ist aufgearbeitet. Der Trainer ist nach dem Nervenkitzel Elfmeterschießen beim Viertligisten in Sachen nur sehr schwer in den Schlaf gekommen. "Wir wollten mehr Tempo entwickeln und besser ins Spiel kommen", blickt Hoeneß zurück und voraus: "Es ist in Köln maßgebend, dass wir einen besseren Start hinlegen."

Aufregung vor dem ersten Mal gibt es bei Hoeneß (noch) nicht

Der misslang seinem Vorgänger Alfred Schreuder vor einem Jahr nach einem Elfer-Zittersieg im DFB-Pokal (in Würzburg) beim 0:1 in Frankfurt. Das Tor des Tages fiel damals schon in der ersten Minute. Aufregung vorm ersten Mal, die gibt es bei Hoeneß (noch) nicht. "Ich freue mich einfach", sagt Hoeneß vor seinem Erstligadebüt: "Es bleibt aber wirklich keine Zeit, das in einen großen Zusammenhang mit meiner Person zu stellen."

Gefordert sind in Köln seine Spieler. "Wir müssen schauen, dass wir die Veränderungen, die er in unserem Spiel sehen will, auch umsetzen", sagt Dennis Geiger vor dem Bundesligastart bei den von Ex-TSG-Trainer Markus Gisdol trainierten Kölnern. Einige ungewisse Punkte im Kölner Spiel hat Sebastian Hoeneß ausgemacht. "Wir wollen dort unseren Plan durchziehen", sagt Hoeneß. Zählbare Mitbringsel wären mit Blick aufs happige Startprogramm (danach Bayern, Frankfurt und Dortmund) hilfreich. "Ich schau nur auf Köln und nicht auf das zweite, dritte oder vierte Saisonspiel", sagt Hoeneß.

Gerüchte um eine leihweise Rückkehr von Nico Schulz halten sich

Wie dann der TSG-Kader aussieht? In Konstantinos Stafylidis fällt der einzige gelernte Linksverteidiger länger aus. Der umgeschulte Robert Skov fehlte zuletzt ja auch. Muss noch einmal nachgebessert werden auf dieser Position? Gerade im Hinblick auf die vielen Spiele in den nächsten Wochen? "Wir werden uns sicher Gedanken machen", sagt Sebastian Hoeneß, der mit Sportdirektor Alexander Rosen noch mal über den Kader geht und schaut "in wieweit wir das kompensieren werden". Klar ist für ihn: "Es wird kein Schnellschuss, sondern eine wohlüberlegte Entscheidung." Gerüchte um eine leihweise Rückkehr von Nico Schulz (BVB) geistern ja schon länger durch Sinsheim.

6030 Karten fürs Bayern-Spiel: Verlosung unter TSG-Dauerkartenbesitzern

Für das erste Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bayern München am Sonntag, 27. September, (15.30 Uhr, Sky) hat die TSG Hoffenheim die Freigabe erhalten, erstmals seit mehr als sechs Monaten wieder mit Fans ein Spiel in der PreZero Arena austragen zu dürfen.

In einem ersten Schritt können nun maximal 6030 Zuschauer zu den Bundesligaspielen zugelassen werden. Wer rein darf gegen den FC Bayern, das wird durch eine Verlosung ermittelt. Teilnehmen an der TSG-Ticketverlosung können alle Dauerkarteninhaber der abgelaufenen Bundesliga-Saison 2019/2020. Das Ganze findet online über den Ticketshop der TSG statt, dort kann man sich als Dauerkarteninhaber einloggen. 16 000 Dauerkartenbesitzer gab es in der Vorsaison. Bis Montag, 14 Uhr, ist eine Teilnahme möglich.

Die Gewinner stehen dann zwei Tage später fest - und sind gegen den FC Bayern dabei, das Hoffenheimer 0:6 Ende Februar war das bislang letzte Heimspiel des Kraichgauclubs, bei dem es Zuschauer gab. fhu


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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