Wenig Hoffnung, dass der Ball im Amateurfußball 2020 nochmal rollt

Fußball  Der südbadische Fußballverband hat den Spielbetrieb 2020 eingestellt. Die Verbände aus (Nord)Baden und Württemberg haben noch keine Entscheidung gefällt. Was die Vereinsfunktionäre im Unterland betrifft, glauben nur wenige daran, dass der Ball ab Dezember nochmals rollt.

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Gegensätzliche Stimmungslagen bei der TSG Heilbronn: Während Trainer Marcel Hertweck in der Bezirksliga gefrustet auf Platz 18 blickt, ...

TSG Heilbronn: Streicht man Türkspor Obersulm, das sich ja im Verlauf der Vorrunde aus dem Spielbetrieb abgemeldet hatte, aus der Tabelle, dann ist die TSG Heilbronn als 18. das Schlusslicht der Bezirksliga. Ganz anders die zweite Mannschaft, die sich als Spitzenreiter der Kreisliga B1 in die zweite Zwangspause dieses Jahres verabschiedet hat.

Die Bezirksliga-Frauen der Heilbronner, die mit Talheim eine Spielgemeinschaft bilden, könnten nicht ausgeglichener auftreten. Je zwei Siege, Unentschieden und Niederlagen stehen für den Tabellensiebten bei einem Torverhältnis von 12:12 zu Buche. TSG-Abteilungsleiter Klaus Reinecke sorgt sich aber nicht nur um den Klassenerhalt seiner ersten Mannschaft.

"Meiner Meinung nach wurde viel zu spät reagiert. Wir hätten den Spielbetrieb früher pausieren lassen müssen, den Trainingsbetrieb aber bestehen lassen können", sagt Reineke beim Blick auf den zweiten sportlichen Lockdown in diesem Jahr.

Geduldiges Warten, aber wenig Hoffnung
...jubeln Gregor Seitz und Tamim Abdul Raouf (rechts) über die B1-Tabellenführung. Fotos: Bertok

"Die Spiele selbst sind nicht das Gefährliche. Die Ansteckungsgefahr ist dabei relativ gering. Aber wenn man schaut, wie es teilweise rund um die Sportplätze zugegangen ist, das hätte man völlig ohne Zuschauer machen sollen. Das Verhalten auf vielen Plätzen war mitunter schon eine Zumutung und unverantwortlich. Und da schließe ich die Heimbegegnungen der TSG Heilbronn nicht aus."

Das mangelnde Bewusstsein vieler Zuschauer hinsichtlich der Einhaltung der geltenden Corona-Bestimmungen, ärgert Reinecke. "Das war bei den Aktiven nicht anders als bei der Jugend."

Dass im Unterland in diesem Jahr nochmals gespielt wird, glaubt der Funktionär nicht. "Wir haben in Heilbronn Corona-Zahlen, da hatte Garmisch-Partenkirchen schon ganz dicht gemacht, einen kompletten Shutdown. Die durften nur noch für Arztbesuche oder zum Einkaufen aus dem Haus." Im Dezember wieder zu spielen, hält Reinecke für unrealisierbar. "Ich glaube nicht, dass die Infektionszahlen bis Ende November so weit runtergehen, dass man sagen könnte, es geht weiter. Und wenn doch, dann aber definitiv ohne Zuschauer."

Die Gefahr, dass die aktuelle Saison im nächsten Jahr erneut mit einem Abbruch endet, ist für Reinecke durchaus gegeben. "Ich glaube, der WFV ist daran interessiert, die Vorrunde durchzubringen, um laut Statuten die Möglichkeit zu haben, die Runde gewertet zu beenden mit Meistern und Absteigern."

SV Schluchtern: Der Bezirksliga-Abbruchvizemeister 2019/20 SV Schluchtern hat sich als Tabellenführer in den neuerlichen Lockdown verabschiedet. "Die Gemütslage ist natürlich bescheiden, was die Ausübung unseres Sports betrifft", hat auch SVS-Spielertrainer Tobias Weinreuter das Punktspieljahr 2020 gedanklich bereits abgehakt. "Da schließe ich mich der Meinung der meisten anderen Vereinsvertreter an. Aktuell müssen wir jedoch noch davon ausgehen, dass in diesem Jahr nochmals gespielt wird, da offiziell noch keine Wintepause eingeläutet wurde."

Dementsprechend müssen sich seine Spieler mit Läufen fit halten. "Einmal pro Woche wird zudem versucht, über digitale Kanäle ein gemeinsamen Workout mit unserer Physiotherapeutin durchzuführen. Mehr kann man im Moment auch nicht machen", sagt Weinreuter, der vor wenigen Wochen wissen ließ, sein einziger Wunsch wäre, die Saison in einem sportlich fairen Wettbewerb zu Ende zu bringen und nicht erneut andersweitig ein Meister ermittelt werden muss.

"Diese Hoffnung habe ich nach wie vor. Sie schwindet aber mit jeder Woche, die weniger gespielt werden kann", sagt der Spielertrainer. Ein abermaliger Abbruch ist für ihn definitiv keine sportliche Lösung. "Natürlich ist das dann besser zu ertragen, wäre man zu diesem Zeitpunkt Tabellenerster und ein Profiteur dieser Situation. Ich möchte die Saison aber bis zum letzten Spieltag über die Bühne bekommen."

SV Leingarten: Die Frauen-Regionenliga wird in dieser Runde bisher von den Mannschaften aus dem Fußballbezirk Unterland bestimmt. Am letzten Spieltag vor der Saison-Unterbrechung übernahm der SV Heilbronn Platz eins. Zweiter ist der SV Leingarten, dahinter folgen mit einem Spiel weniger, aber noch unbesiegt, der FC Kirchhausen und der SV Sülzbach. Die SVL-Ladies hatten sich beim 2:3 gegen Crailsheim II/Jagstheim II mit der ersten Niederlage und dem Verlust der Tabellenführung in die Zwangspause verabschiedet.

"Es war eine völlig unnötige Niederlage", hadert Trainer Jürgen Schöpf noch immer mit dieser Pleite. "Wir standen elf, zwölf Mal vor der gegnerischen Torhüterin, und die kommen drei Mal vor und treffen jeweils. Aber solche Tage gibt es." Wobei Schöpf zugibt: "Wir haben nicht unbedingt die Qualität, Erster oder Zweiter zu werden, zu Rang drei oder vier aber schon. Spielerisch mangelt es bei uns etwas, wir überzeugen dafür mit Einsatz und Kampf, da bringt jede 110 Prozent."

Einen Überraschungstitel würde Schöpf aber mitnehmen, auch wenn die Landesliga für seine Mädels wohl "eine Hausnummer zu groß" wäre. Was die Saison-Unterbrechung betrifft, glaubt der Coach, wirft diese seine Mannschaft zurück. "Das ist eine blöde Situation. Wir waren so gut in Schwung." Wie bei den Männern, so trainieren auch die SV-Frauen in dieser Zeit eigenverantwortlich individuell. Es kann ja passieren, dass 2020 nochmals gespielt wird. 

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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