Weitere Nägel mit Köpfen beim VfB Stuttgart

Fußball  Die Datenaffäre beim VfB Stuttgart sorgt erneut für personelle Konsequenzen: Dem bisherigen Kommunikationsdirektor Oliver Schraft wurde ebenso wie Marketing-Bereichsleiter Uwe Fischer gekündigt.

Email

Gute Laune bei Thomas Hitzlsperger. Der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart erklärte am Freitag die schwäbischen Chaostage für beendet.

Foto: dpa

In seiner VfB-Trainingsjacke verbreitete Thomas Hitzlsperger am Freitagnachmittag den Eindruck, als ob der Ex-Nationalspieler als Fußballer eine Pressekonferenz geben würde. Um Fußball ging es auch, aber ziemlich indirekt und im entfernten Sinne. Der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart zog gestern einen Schlussstrich und rief das Ende der schwäbischen Chaostage aus. War ja auch mächtig was los. Rücktritte und Abberufungen im Präsidium, im Vorstand. Machtkämpfe, hausinterne Ermittlungen.

So ging es am Freitag bei der einstündigen Pressekonferenz des VfB-Vorstandsvorsitzenden um die sogenannte Datenaffäre und die daraus resultierenden Ermittlungs-Berichte der Kanzlei Esecon. "Es ist mir ein großes Anliegen gewesen, die Sache aufzuklären", sagte der 38-Jährige. Worum es dabei geht? In den Jahren 2016, 2017 und 2018 habe es "klar rechtswidrige Verstöße" durch die Weitergabe von Mitgliederdaten per E-Mail an Dritte gegeben. Um rund 100.000 Mitgliederdatensätze geht es dabei. Sie wurden unter anderem für Marketing- und Werbezwecke in Sachen Ausgliederung genutzt.

Tobias Kaufmann ersetzt künftig Oliver Schraft

Flemming Moos von der Kanzlei Osborne und Clark, der für die VfB-AG eine datenschutzrechtliche, juristische und arbeitsrechtliche Bewertung der Esecon-Berichte übernommen hat, sagt dazu: "Es gab keinen legitimen Zweck, warum der VfB die Mitgliederdaten weitergegeben hat."

Die Bewertung der Vorgänge sorgt nun für weitere personelle Konsequenzen. Dem bisherigen Kommunikationsdirektor Oliver Schraft wurde ebenso wie Marketing-Bereichsleiter Uwe Fischer gekündigt. Tobias Kaufmann (zuletzt 1. FC Köln) ersetzt künftig Schraft. Unklar ist noch, wie es mit Rainer Mutschler weitergeht, der auch in die Datenaffäre involviert gewesen sein soll. Mutschler war als Präsidiumsmitglied des e.V. zuletzt zurückgetreten, ist aber weiterhin als führender Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums tätig. Bei ihm gebe es "keine arbeitsrechtliche Grundlage" (Hitzlsperger) für eine Trennung, seine Zukunft ist offen.

Das Stühlerücken lässt auch Hitzlsperger nicht kalt

Das wilde Stühlerücken im roten Haus in Cannstatt ist auch an Hitzlsperger nicht spurlos vorbeigegangen. Zuletzt kamen ihm ja bereits die Vorstandskollegen Stefan Heim und Thomas Röttgermann abhanden. "Mich lässt das nicht kalt, wenn Vorstandskollegen abberufen werden", sagt Hitzlsperger.

Vieles fokussierte sich in den vergangenen Wochen auf den persönlichen Machtkampf der beiden VfB-Bosse. Claus Vogt gegen Thomas Hitzlsperger, Hitzlsperger gegen Vogt. Hitzlsperger ist daran nicht ganz unschuldig, weil er Ende Dezember auch öffentlich als Gegner des VfB-Präsidenten Claus Vogt in Erscheinung getreten ist.

Die persönliche Beziehung soll nicht im Fokus stehen

Der Vorstandsvorsitzende und der Präsident als die zwei Gegenspieler, der Ex-Nationalspieler stört sich an dieser öffentlichen Wahrnehmung. "Die persönliche Beziehung von uns zwei darf nicht mehr im Mittelpunkt stehen." Auf einer Linie sind sie trotzdem nicht. Den Esecon-Bericht würde VfB-Präsident Claus Vogt gerne im Internet veröffentlichen. Hitzlsperger spricht sich hingegen dafür aus, interessierten VfB-Mitgliedern die Möglichkeit zur Einsicht in die Unterlagen zu bieten. Beispielsweise im Clubzentrum in der Mercedesstraße. Personenbezogene Daten könnten zudem aus juristischen Gründen geschwärzt sein.

Man solle nicht über die Emotionen von zwei Leuten sprechen, die gar nicht auf dem Feld stehen, findet Hitzlsperger, der Kredit bei den VfB-Fans verspielt hat. Als Sonnenkönig, als Spalter musste sich der deutsche Meister von 2007 bezeichnen lassen, weil er in Personalunion auch gerne noch den VfB-Präsidenten gegeben hätte. "Ich beschäftige mich nicht mehr mit Aufklebern an Laternenpfosten." Aufgeben, nein das wird Hitzlsperger nicht, dessen Vertrag bis 2022 läuft. "Wir sind auf einem guten Weg, ich hab die sportliche Entwicklung hier maßgeblich mitgeprägt. Ich habe Jungs geholt, die für den Verein brennen. Warum soll ich da nicht weitermachen?", brach der Wahlkämpfer aus Hitzlsperger hervor. "Ich wollte diesen Job und werde dafür kämpfen."

Erliegt Sven Mislintat dem Werben des BVB? Thomas Hitzlsperger hat seinem Sportdirektor im Scherz das hier mit auf den Weg gegeben: Sei gerade so gut, dass ich dich nicht rausschmeißen will, aber nie so gut, dass dich Dortmund zurückholen will. "Na klar registrieren viele Clubs herum, wie gut er ist", sagt Hitzlsperger: "Wir müssen die Begehrlichkeiten aushalten. Ich möchte, dass Sven noch sehr lange hier beim VfB bleibt." 


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen