Wataru Endo sorgt für Impulse - auch von ganz hinten

Fußball  In der stärksten Phase des VfB Stuttgart bei der 2:3-Niederlage gegen Freiburg agierte der kleine Japaner überzeugend als letzter Mann. Die Schwaben bekamen einen ihrer besten Spieler als Schnäppchen.

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Augen zu und hoch: Wataru Endo im Luftduell mit dem Freiburger Stürmer Nils Petersen.

Foto: dpa

Früher war so einer der Libero. In der Abwehrmitte spielend, ein paar Meter hinter den Manndeckern, das Trikot mit der Rückennummer 5 am Leib. Aber der Fußball hat sich verändert, der Libero wurde vor Jahrzehnten zum Auslaufmodell.

Die Jobbeschreibung ist allerdings auch in der Gegenwart nicht allein von historischem Wert. Der Libero ist qua Definition ein Abwehrspieler ohne unmittelbaren Gegenspieler, der sich ins Angriffsspiel einschalten kann. Dass das hilfreich ist, war schön zu sehen im Schlussdrittel der Bundesligapartie des VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg, als Wataru Endo von seiner gewohnten zentralen Mittelfeldposition nach hinten rückte, um zwischen Marc Oliver Kempf und Waldemar Anton den Libero zu geben.

Libero? Quaterback!

Weil Modernität sich auch darin zeigt, dass man alte Begriffe zu vermeiden sucht, ist Endo nun zum Quarterback ("Stuttgarter Zeitung") ernannt worden, zum Spielmacher von hinten heraus.

Der VfB hatte nach dem 0:3-Rückstand gegen Freiburg neuen Antrieb gebraucht. Der kleine Japaner sorgte dafür.

In seiner üblichen Rolle als Sechser hatte Endo keine übermäßig gute Leistung gezeigt. Richtig auffällig wurde er aber in der Zweitrolle. Der Mann mit der 3 auf dem Rücken gestaltete das Stuttgarter Spiel, sorgte für Struktur. Dass der VfB noch auf 2:3 herankam und beinahe ein Unentschieden erreicht hätte, war auch sein Verdienst. Mit präzisen Pässen und viel Präsenz sorgte Endo für die stärkste Stuttgarter Phase.

Trainer Matarazzo spricht von Dreh- und Angelpunkt

Bei Trainer Pellegrino Matarazzo hat der für kleines Geld verpflichtete Japaner einen Startelf-Stammplatz sicher. "Enorm wichtig für unser Spiel" sei er, sagte Matarazzo zuletzt und meinte damit vor allem die Mittelfeldrolle. Aber die Funktion als "Dreh- und Angelpunkt", der "gut das Spiel verlagert" kann natürlich auch räumlich nach hinten verschoben werden.

Matarazzo schätzt Endo wegen dessen Ballsicherheit, wegen der Zweikampfstärke, wegen der vorbildlichen Einstellung. Aber der 27-Jährige verfügt auch über sehr gute fußballerische Instinkte. "Er spürt, wann er wo sein muss", sagte der Trainer. Endo wisse, was zu tun ist, "ohne ihm viel erzählen zu müssen".

Tim Walter wollte ihn nicht, wie es heißt

VfB-Sportdirektor Sven Mislintat hatte den Japaner einst gegen den Willen des damaligen Trainers Tim Walter geholt, wie es heißt. Erst als Leihspieler vom VV St. Truiden in Belgien, dann wurde eine Kaufoption über nur anderthalb Millionen Euro genutzt. Der VfB bekam einen seiner besten Spieler zum Schnäppchenpreis.

Doch es dauerte ein Weilchen, bis klar werden konnte, was Endo kann. Nach seinem Wechsel zum VfB saß er erst einmal nur auf der Bank oder gehörte gar nicht zum Kader. "Der Beginn in Stuttgart war für mich eine harte Zeit, weil ich in Belgien immer gespielt hatte und hier nicht zum Einsatz kam", berichtete er vor einigen Monaten, "aber ich habe mich nicht aufgegeben. Ich habe mir immer gesagt, dass ich irgendwann meine Chance bekommen werde." Die Chance kam. Er nutzte sie.

Mehr Offensivakzente gewünscht

Wataru Endo überzeugte beim VfB als Zweitligaspieler. Jetzt nach der Rückkehr des Clubs in die Bundesliga will er seinen Wert auch eine Klasse höher beweisen. Pellegrino Matarazzo hat nicht übermäßig viel zu sagen, wenn er über die Schwächen des japanischen Nationalspielers reden soll. Der Trainer wünscht sich allenfalls, "dass er sich öfters mal in den Angriff einschaltet, weil er auch torgefährlich ist".

Das aber geht halt nur schwer, wenn Wataru Endo auf der Liberoposition spielt, ganz hinten, als freier Mann in der Mitte, der die Fäden ziehen soll.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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