Was man als KSC-Präsident so alles lernt

Fußball  Paul Metzger blickt vor der Wahl seines Nach-Nachfolgers als Vereinspräsident auf seine turbulente Zeit beim Karlsruher SC zurück.

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Als frisch gewählter Präsident des Karlsruher SC stand Paul Metzger im Herbst 2009 im KSC-Fanblock. Foto: Archiv/dpa

Im Wildparkstadion war er schon seit Jahren nicht mehr. Doch der Ex-Präsident wählt am Donnerstagabend mit, wenn sein Nach-Nachfolger beim Karlsruher SC gewählt wird. "Natürlich bin ich da als KSC-Mitglied dabei", sagt Paul Metzger, der ab 18 Uhr daheim vor seinem Computer sitzt. Es wird die wohl ungewöhnlichste Mitgliederversammlung und Präsidentenwahl in der Vereinsgeschichte. Gesucht dabei: Ein neuer Vereinsboss und Nachfolger von Ingo Wellenreuther, der fast zehn Jahre die Geschicke des Fußball-Zweitligisten leitete.

Als ehemaliger Oberbürgermeister von Bretten ist Paul Metzger bewusst, dass es sich nicht ziemt, Stellung zu einzelnen Kandidaten zu beziehen. "Ich weiß genau, wen ich wähle. Aber das bleibt geheim", sagt Metzger, der von Oktober 2009 bis September 2010 als KSC-Chef fungierte.

Gute Beziehungen aufbauen

Einige der Kandidaten sind auch für ihn alte Bekannte, die schon zu seinen Zeiten beim KSC aktiv waren. Axel Kahn, der Bruder von Oliver und 2001 mal Kurzzeit-Trainer beim VfB Eppingen, will Präsident werden. Sein Vater Rolf trat bei der Wahl 2009 gegen Metzger an - und unterlag. Rolf Dohmen wiederum musste unter Präsident Metzger als Manager gehen.

Was der oder die Neue mitbringen sollte, formuliert Metzger so: "Ein KSC-Präsident muss Beziehungen zu Leuten haben, die bereit sind, Sponsoring zu betreiben. Man sollte auf die Mitglieder zugehen können." Für den Ex-Präsidenten steht außerdem auf der To-do-Liste: "Wir brauchen wieder eine gute zweite Mannschaft als Basis, um aus der eigenen Jugendarbeit Talente nach oben zu bringen. Mit der Aufgabe der zweiten Mannschaft hat der KSC viel verloren."

Nun ist der KSC gerade erst knapp dem finanziellen Aus entkommen, ebenso knapp war es in Sachen Zweitliga-Klassenerhalt. Turbulent ging es auch schon 2009/10 zu Metzgers Zeiten zu.

Im Profifußball geht es um Eitelkeiten

Eigenmächtige Spielerverpflichtungen, weitere Alleingänge, der Tritt in zu viele Fettnäpfchen, diesen Dingen fiel der versierte Lokalpolitiker im Dickicht des badischen Traditionsvereins zum Opfer. "Das eine Jahr KSC-Präsident möchte ich nicht missen. Weil ich da eine ganz neue Einschätzung des menschlichen Gegeneinanders erlebt habe als ich es ursprünglich gewöhnt war", sagt Metzger rückblickend.

Dabei stört ihn auch zehn Jahre danach noch, dass seine kurze Amtszeit nur als Episode dargestellt wird. Metzger löste in der Stadionfrage die lange juristische Fehde mit dem Architekturbüro Fiebiger. "Sonst würde heute noch nicht gebaut", sagt Metzger. Zudem habe er den teuren Vertrag mit Rechtevermarkter Kölmel endlich gemacht.

Metzger kam im September 2010 nach nicht einmal einem Jahr seiner Abwahl zuvor und trat zurück. Wellenreuther übernahm. "Übergeben habe ich den Verein mit 400.000 Euro Schulden. Jetzt sind es über 30 Millionen Euro. Ich verstehe nicht, warum", sagt Metzger. Seine Lehren von damals: "Man muss wissen, dass es in jedem Proficlub sehr viel um Eitelkeiten geht. Das habe ich unterschätzt. Einzelne Sponsoren wollten wichtiger sein als andere. Daran bin ich gescheitert."

Außerdem nahmen viele KSC-Fans ihrem Vereinsboss krumm, dass dieser sich mit seinem damaligen VfB-Kollegen Erwin Staudt traf, um "das Kriegstreiben bei den Derbys zu beenden".

Erstmals erfolgt die Wahl per Online-Abstimmung

Erstmals wird der KSC-Präsident per Online-Abstimmung gewählt. "Das bedauere ich sehr, ich bin nicht sicher, was da alles abläuft", sagt Metzger. Von möglichem Wahlbetrug will er nicht sprechen, zieht lieber den Vergleich zur Briefwahl. "Da machen ja auch mitunter Leute ihr Kreuzchen nicht selbst hin und agieren im Namen anderer. Ich wünsche mir eine gute Wahl", sagt Metzger.

Das Wildparkstadion hat er übrigens seit vielen Jahren nicht mehr von innen gesehen. "Ich musste mir auf der Haupttribüne Beleidigungen anhören. Da habe ich mir gesagt: Das tust du dir nicht mehr an." Seither fiebert er vorm Fernseher mit - und am Donnerstagabend vor dem PC.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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