Warum die SG Kirchardt/Grombach doch aufsteigen dürfte

Fußball  Am Anfang war es nur ein Gefühl, das Johannes Schinko beschlich. Da war der Kreisspielleiter der Sinsheimer Fußballer indes noch bei der Arbeit − eine Auf- und Abstiegsregelung hatte er nicht zur Hand.

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Thomas Hafner von der SG Kirchardt erlebte in dieser Woche ein Wechselbad der Gefühle.

Foto: Krüger

Am Anfang war es nur ein Gefühl, das Johannes Schinko beschlich. Da war der Kreisspielleiter der Sinsheimer Fußballer indes noch bei der Arbeit − eine Auf- und Abstiegsregelung hatte er nicht zur Hand. Daher war er vorsichtig, wollte lieber erstmal nach Hause und in Ruhe nachsehen. Sicher sein, dass ihn sein Gefühl nicht trog, bevor er noch was Falsches sagt, gar Hoffnungen weckt. Schließlich ging es um viel und nach der Empfehlung der Fußball-Verbände am Montag um die Frage: Darf die SG Kirchhardt/Grombach doch aufsteigen, wenn es so kommt, wie erwartet? Als Tabellenzweiter der A-Klasse in die Kreisliga? Schinko musste sich allerdings gedulden, er hatte direkt im Anschluss an die Arbeit noch einen Termin. Aber das Thema ließ ihm keine Ruhe: "Und wenn es spät nachts ist: Ich schaue heute noch nach", versprach er.

Unterdessen verbreitete sich die Nachricht, dass die Landesverbände in Baden-Württemberg sich dafür ausgesprochen haben, die unterbrochene Saison zum 30. Juni ganz abzubrechen. Absteiger soll es demnach keine geben, die Mannschaften auf den Aufstiegsplätzen sollen aufsteigen. Platz zwei der A-Klasse jedoch gehört offiziell nicht dazu, es ist nur der Relegationsplatz und es sah zunächst danach aus, als würden die Kirchardter mal wieder in die Röhre schauen. "Letzte Saison hatten wir so viele Verletzte und haben am Ende abgekackt", erinnert sich der Spielausschussvorsitzende Thomas Hafner.

Und nun vom Abbruch ausgebremst, echt jetzt? "Ein Scheiß-Gefühl", gibt Hafner zu und vergisst kurz auch die Schmerzen nach seiner Kiefer-Operation. Er schimpft. "Alle Absteiger werden belohnt und wir als Zweiter mehr oder weniger bestraft." Hafner wäre es lieber gewesen, die Runde durchzuziehen. Notfalls später. Das bayerische Modell hat den Kirchardtern gefallen: Im Freistaat soll die abgebrochene Runde ab September fortgesetzt und zu Ende gespielt werden. Das wäre ganz im Sinne der SG und ihren Ambitionen. "Wir wollen länger schon hoch", verrät der Spielausschussvorsitzende ein offenes Geheimnis. Dafür wollten sie alle Hebel in Bewegung setzen, waren gerade dabei, alles für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs in die Wege zu leiten. "Dann kam die Mail des Verbands, die Vorfreude war im Keller. "Es war ein Schock", sagt Thomas Hafner.

Anderen ging es da deutlich besser, Kreisliga-Tabellenführer TSV Steinsfurt beispielsweise. Segnen die Delegierten die Verbands-Empfehlung im Juni mit einfacher Mehrheit ab, dürfen sich die Steinsfurter auf die Landesliga vorbereiten. Glückwunsch! "Nicht so schnell", sagt Jannis Richter aus dem Spielausschuss. "Noch lassen wir uns nicht gratulieren." Schließlich sei nichts fix. Er habe sich die Mail vom Verband noch einmal genauer angesehen, es gebe noch ein zweites Szenario, das im Juni beim Verbandstag zur Abstimmung steht. Kreisspielleiter Schinko glaubt aber daran, dass sich die Verbands-Empfehlung durchsetzen wird. "Die Delegierten werden schon zu dem geführt, was der Verband will."

Schinko ist inzwischen zu Hause gewesen. Und hat nachgesehen. In der Aufstiegsregelung ist festgehalten, dass die SG Kirchardt aufsteigen darf. Also, die SG Kirchardt steht da nicht direkt. "Wenn kein Sinsheimer Landesligist in die Kreisliga abstiegt, dann darf der Zweitplatzierte der Kreisklasse A aufsteigen", berichtet Schinko von seinen abendlichen Recherchen. "Das wäre ja geil, das wäre super", sagt Thomas Hafner, als er im Gespräch mit der Kraichgau-Stimme davon erfährt. Es auf dem Platz auszuspielen, wäre ihm aber trotzdem lieber gewesen. "Es ist die ehrlichste, fairste Art, dann hättest du es auch verdient." So bleibt ein fader Beigeschmack.

Den kennen sie in Siegelsbach zu gut. Als Tabellenzweiter der Kreisklasse B1 liegt der SC nur ein Pünktchen hinter Tabellenführer Zaisenhausen, wird voraussichtlich aber leer ausgehen. Eine ganz bittere Pille vor allem für den scheidenden Spielertrainer Dominic Roth, findet Teammanager Heino Dämmig. "Der Verein wollte Dominic mit dem Aufstieg verabschieden." Daraus wird nun nichts. Das sei unfair, findet Dämmig. "Die Absteiger haben ein halbes Jahr Mist gespielt − und dürfen sich jetzt in die Arme fallen und feiern." Dabei hätte die SG auch gerne gefeiert und im Jahr seines Jubiläums wieder gerne in der A-Klasse gekickt. Zum Feiern ist derzeit aber keinem zumute. Auch die Aufsteiger geben sich bedeckt. "Wie sollen wir denn feiern, wenn es so kommt", fragt Spielertrainer Andre Rott, der mit dem TSV Ittlingen in die Kreisliga hoch dürfte. Nach ihrem Aufstieg in die A-Klasse in der vergangenen Sommer ging es mit einem Autokorso durchs Dorf. Und diesmal. "Bleibt nur per Video-Konferenz zu feiern." Ein komisches Gefühl. Martin Peter


Martin Peter

Martin Peter

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Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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