Vorzeitiges Ende einer Vernunftehe zwischen dem SV Grombach und der SG Kirchardt

Fußball  Nach der Trainerrochade über Weihnachten reicht der SV Grombach die Scheidung von der SG Kirchardt ein. Beide Vereine ab der nächsten Saison wieder eigenständig im aktiven Spielbetrieb.

Von Marco Merz
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Dominik Schneider (rechts) ist ein Urgestein des SV Grombach, war zuletzt als Co-Spielertrainer in der Kreisliga der SG aktiv und ist nach der Trainerrochade zum FC Weiler gewechselt. Ein Alarmzeichen für viele Grombacher Weggefährten.

Fotos: Klaus Krüger

In einer Ehe spricht man vom "verflixten siebten Jahr", in dem sich die Wege der beiden Partner hin und wieder trennen. Nach gerade einmal der Hälfte dieser Wegstrecke ist es nun Anfang des Jahres bei der im Sommer 2017 vollzogenen sportlichen Ehe zwischen den Nachbarvereinen SV Grombach und SG Kirchardt zum vorzeitigen Bruch gekommen. Aus, vorbei, beendet - ab der kommenden Saison werden beide Clubs wieder getrennte Wege gehen, nachdem der SV Grombach die Scheidung eingereicht hat.

Auch Tage nach diesem Paukenschlag merkt man Jochen Bentz an, dass ihm und den Grombacher Vorstandskollegen dieser Schritt nicht leichtgefallen ist. Bentz, der als Ur-Kirchardter seit über 20 Jahren in Grombach lebt und mit der SV-Vorsitzenden Anja Bauer verheiratet ist, steht eigentlich symbolisch für das harmonische Miteinander der Vereine und Ortschaften in den letzten Jahren. "Ich wollte diese Trennung nicht", versichert der Sportvorstand des SV Grombach glaubhaft, wenngleich Bentz auch verdeutlicht, dass diese aus Sicht seines SVG "alternativlos" war.

Andre Rott und Kevin Oliveira seit 24. Dezember als neues Trainerduo im Amt

Vorzeitiges Ende einer Vernunftehe

Alexander Weissgerber hat die SG einst mit auf den Weg gebracht.

Foto: Archiv

Dabei spielte für Bentz persönlich die Trennung von Aufstiegstrainer Alexander Breunig am Tag vor Heiligabend gar nicht mal die entscheidende Rolle. "Aber für unsere Grombacher Spieler war diese Entlassung sicherlich deshalb ausschlaggebend, da auch Co-Trainer Dominik Schneider bei der Trainer- Rochade (Andre Rott und Kevin Oliveira übernahmen am 24. Dezember das Traineramt bei der SG Kirchardt) geopfert wurde."

Denn was Thomas Müller als Urgestein für den FC Bayern verkörpert, das ist Dominik Schneider für den SV Grombach. Dass ausgerechnet er, die ultimative Integrationsfigur, fortan bei der SG nicht mehr an Bord ist, war für viele Grombacher Spieler ein Affront und Schlag ins Kontor, den sie so nicht hinnehmen wollten. "Nach Weihnachten kamen einige unserer Spieler auf mich zu und bekräftigten ihre Unzufriedenheit. Diese Jungs sind das Herzstück unseres Vereins, wenn uns die aus Frust verlassen, dann können wir dicht machen, das verkraften wir als Verein nicht", befürchtet Bentz. Daher entschied sich der SV Grombach für den Weg zurück in die sportliche Eigenständigkeit, wenn auch schweren Herzens.

Spielgemeinschaft wurde 2017 gegründet

Dabei war die Spielgemeinschaft beider Vereine von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Alexander Weissgerber, seinerzeit Vorstand der SG Kirchardt, erinnert sich gerne an die zurückliegenden Jahre und die Anfänge im Sommer 2017. "Das Eingehen einer Spielgemeinschaft war das Beste, was beiden Vereinen passieren konnte", ist er überzeugt. Deshalb erkannte er sofort die Vorteile für seine SG und handelte entschlossen, als der SV Grombach 2017 eine Spielgemeinschaft beider Clubs ins Spiel brachte.

"Unser Spielerkader war damals zu dünn besetzt für zwei Mannschaften. Unsere zweite Mannschaft war lediglich eine reine Reservetruppe, die Woche für Woche mühsam sehr zusammengewürfelt und mit AH- Akteuren aufgefüllt wurde." Aus diesem Grund wirkte die Zusammenarbeit mit Grombach wie eine Art Vitaminzufuhr, denn der Nachbarverein jenseits der A6, der ebenfalls erhebliche Personalsorgen hatte, brachte qualitativ gute Spieler in die Spielgemeinschaft ein und bildete zusammen mit den talentiertesten SG-Akteuren ein erfolgreiches Team.

Kooperation war eine Win-Win-Situation

Vorzeitiges Ende einer Vernunftehe

Die zweite Mannschaft der SG Kirchardt/Grombach mit Robin Misia (Mitte) ist noch ungeschlagen und als Spitzenreiter das Maß der Dinge in der Kreisklasse B2.

Diese sportlich nachhaltige Entwicklung wurde gekrönt mit dem Aufstieg in die Kreisliga, dem Oberhaus im Sinsheimer Fußballkreis. Nebenbei entwickelte sich die zweite Mannschaft zum Tabellenprimus der Kreisklasse B2. Momentan spielen dort zahlreiche junge Wilde aus beiden Vereinen. "Seit dem Zusammenschluss sehen unsere Nachwuchsspieler keine Veranlassung mehr, den Verein zu wechseln, weil sie hier eine attraktive Spielmöglichkeit vorfinden", sagt Alexander Weissgerber. "Die Spielgemeinschaft war die typische Win-Win-Situation für beide", daher bedauert auch der ehemalige SG-Vorstand das Ende dieser Vernunftehe.

Zumal die Zusammenarbeit auch im gesellschaftlichen Bereich harmonierte. Egal ob die SG ihren jährlichen Hallenturnier-Marathon veranstaltete oder ob der SVG Ausrichter des Bad Rappenauer Stadtpokals war: Die Helferscharen beider Vereine pilgerten regelmäßig bereitwillig über den Berg und unterstützten sich gegenseitig bei der Organisation solcher Groß- Events. Auch das wird zukünftig fehlen.

Noch unklar ist, wie es im Nachwuchsbereich weitergeht

Noch ungeklärt ist bei der Scheidung der beiden Vereine die Zukunft der ebenso erfolgreichen Jugend-Spielgemeinschaft. "Über das weitere Vorgehen bei der Jugend hat bisher noch keiner nachgedacht", gesteht Jochen Bentz ein. "Darüber werde ich mich aber mit SG-Jugendleiter Alexander Oertel zeitnah austauschen." Wenn man genau hinhört, gibt es eine berechtigte Hoffnung, dass sich zumindest die Kinder der geschiedenen Partner künftig weiterhin gemeinsam in einer Spielgemeinschaft austoben dürfen.

 

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