Viel Hoffenheimer Aufwand, nur ein Punkt in Berlin als Ertrag

Fussball  Die TSG Hoffenheim muss sich mit einem 1:1 bei Union Berlin begnügen. Das Spiel ist von Gerüchten um einen Trainerwechsel überlagert, die von TSG-Sportchef Alexander Rosen deutlich dementiert werden.

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Der Hoffenheimer Ausgleich: Ihlas Bebou (rechts) war am 1:1 beteiligt, fürs Unentschieden sorgte allerdings Berlins Nico Schlotterbeck (hinten).

Foto: dpa

Man muss kein Diplom-Lippenleser sein, um die Worte von Sebastian Hoeneß nach dem nächsten Rückschlag zu interpretieren. "Weiter geht es, Jungs", rief Hoffenheims Trainer nach 82 Minuten, als aus dem TSG-Jubel übers vermeintliche 2:1 beim 1. FC Union Berlin am Sonntagmittag die Gewissheit wurde: Knappes Abseits, der VAR hat es entdeckt. Doch kein Tor, doch kein Hoffenheimer Siegtreffer durch Pavel Kaderabek.

Einen Punkt nahm die TSG beim 1:1 aus der Hauptstadt mit. Definitiv zwei zu wenig, wenn man Aufwand und Ertrag in Relation zueinander setzt. "Es war heute die gewünschte Reaktion nach dem Aus in der Europa League", sagte Sebastian Hoeneß. Weiter geht es auch für den TSG-Trainer, der am Freitag nach dem bitteren Europa-League-Aus gegen Molde diese Spielzeit als verkorkst bezeichnet hatte.

Für Rosen sind die Gerüchte "eine Sauerei"

Mitten hinein ins Union-Spiel platzte die "Bild"-Nachricht, dass in Gerardo Seoane vom Schweizer Meister Young Boys Bern bereits ein Hoeneß-Nachfolger auserkoren sei. TSG-Sportchef Alexander Rosen dementierte dies vor der DAZN-Kamera heftig. "Da ist überhaupt nichts dran, einfach eine dreckige Lüge, eine Sauerei", polterte er. Als Beweisführung zog der 41-Jährige die 90 Minuten gegen Union heran. "Wenn man sieht, wie wir mit dem Rückschlag des Molde-Spiels umgegangen sind, dann war das eine eindeutige Antwort." Dabei ging es ja wieder einmal mit einem frühen Gegentor los. Florian Grillitsch senste Christopher Trimmel im Strafraum um. Den fälligen Foulelfmeter verwandelte Hoffenheim-Schreck Max Kruse sehr souverän zum 1:0 (9.). Für den zuletzt verletzten Union-Stürmer war es das neunte Tor gegen die TSG, die 16. Torbeteiligung in einer Bundesligapartie gegen die Kraichgauer. Die Hoeneß-Mannen zeigten eine Reaktion.

"Hoffenheim hat das Spiel in die Hand genommen, wir sind hinterhergelaufen", sagte Berlins Trainer Urs Fischer: "Sie hatten über 90 Minuten die klareren Torchancen." Vier der 15 TSG-Torschüsse gingen aufs Union-Tor, bei Berlin nur einer von vier. Und das war auch noch ein Elfmeter. Etwas ängstlich habe man gespielt, bilanzierte Berlins Max Kruse hinterher.

Ein Eigentor hilft der TSG

Ihlas Bebou scheiterte per Lupfer, Florian Grillitsch aus der Distanz. Für den Ausgleich musste ein Berliner sorgen. Der in die Hoffenheimer Startelf zurückgekehrte Andrej Kramaric flankte, Union-Torwart Loris Karius parierte den Ball gegen seinen Mitspieler Nico Schlotterbeck, von dessen Oberkörper der Ball ins Tor prallte. 1:1 nach 29 Minuten. Hoffenheim blieb das bessere Team, belohnte sich aber wie so oft schon in dieser Spielzeit nicht dafür. "Wir hätten mehr verdient gehabt, wir haben das Spiel bestimmt und leider ein Tor zu wenig geschossen", bilanzierte Sebastian Rudy an seinem 31. Geburtstag. Hoffenheimer Chancen gab es auch im zweiten Durchgang. Bebou per Lupfer. Einen Baumgartner-Schuss klärte Schlotterbeck auf der Linie. Sargis Adamyan schoss übers Tor. Und als Pavel Kaderabek getroffen hatte, schaltete sich berechtigterweise der Kölner Keller ein. "Wenn das kein Abseits ist, dann verlieren wir das Ding", sagte Max Kruse.

Klar bleiben vorm gegnerischen Tor

Woran liegt die fehlende Hoffenheimer Kaltschnäuzigkeit? "Wenn wir es wüssten, dann würden wir es anders machen. Es fehlt das Quäntchen Glück", sagte Sebastian Rudy. Man müsse sich "etwas mehr konzentrieren", sagte TSG-Stürmer Ihlas Bebou: "Wir sind gut, wir müssen nur vor dem Tor klar bleiben." Mehr Klarheit vorm Tor, mehr Tore und Punkte müssen her. Mit 27 Punkten hängt der Vorjahressechste auf Rang elf fest. "Wir haben schon die Qualitäten, um uns besser in der Tabelle zu platzieren", weiß auch Ihlas Bebou.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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