VfR schlägt FCU: Erst spät kommt Derby-Dramatik auf

Fußball  Mit 3:2 setzen sich die Schwarz-Weißen durch. Die sehr souverän beginnenden Gäste sichern sich vor der Pause eine 3:0-Führung im Duell der Heilbronner Bezirksliga-Fußballrivalen. Die Böckinger finden lange nicht ins Spiel, verkürzen aber auf 2:3  und bekommen dann in der Nachspielzeit einen Elfmeter nicht. 

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Der FC Union Heilbronn unter Druck. Der VfR greift an. Foto: Andreas Öhlschläger

Da hüpften sie dann über den Rasen und skandierten: „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!“ Die Fußballer des VfR Heilbronn hatten gut lachen nach dem Stadt-Derby in der Bezirksliga Unterland beim FC Union Heilbronn.3:2 gewonnen, dem FCU die erste Saisonniederlage beigebracht, auf den zweiten Tabellenplatz geklettert. Aber es war knapp. Spät kam in Böckingen doch noch Derby-Dramatik auf. Als der FCU in der 83. Minute den Anschlusstreffer erzielt hatte, wurde es richtig hitzig.

VfR nutzt Freiräume

VfR-Trainer Andreas Lechner sah nun nichts mehr von der Souveränität der ersten Halbzeit, als es ziemlich perfekt für die Derby-Gäste gelaufen war. Tolga Kilic brachte den VfR in der 13. Spielminute in Führung. Es folgte ein Tore-Doppelpack von Michele Varallo (20./23.). Der FC Union bot immer wieder Freiräume an, die der VfR nutzte. Es fehlte den Gastgebern an Biss, an Bereitschaft. „Die erste Halbzeit haben wir komplett verschlafen“, sagte Trainer Nico Kiesel. „Das hatten wir uns ganz anders vorgenommen. Aber die Jungs hatten zu viel Respekt, vor dem Gegner und der Zuschauerkulisse.“

Gut 400 Zuschauer waren da. Viel mehr wären es gewesen, hätte die Corona-Pandemie nicht für Beschränkungen gesorgt. Die Sonne schien vom blau-weißen Herbsthimmel. Da wären gewiss Fans in vierstelliger Zahl gekommen, gäbe es sie noch, die normalen Zeiten.

In der zweiten Halbzeit kämpfte sich der FC Union ins Derby hinein. Schnell fiel das 1:3, Jason Rank hatte getroffen (49.). Dann dauerte es allerdings lang, bis Salvatore Climaco mit seinem Tor zum 2:3 nochmal richtige Derby-Hoffnungen aufkommen ließ bei den Gastgebern.

In der 83. Minute fiel der Anschlusstreffer. Als schon die Nachspielzeit lief, hätte der FCU gerne einen Foulelfmeter gehabt. Dramane Traore war im Strafraum zu Fall gekommen. Taylan Nogaybel hatte ihn bedrängt. Aber Schiedsrichter Benjamin Maier entschied: kein Foul, kein Strafstoß. FCU-Trainer Kiesel ärgerte sich mächtig darüber, aber die Emotionen waren nach dem Schlusspfiff schnell verpufft. „Im Affekt regt man sich auf, aber es war auch für den Schiedsrichter kein einfaches Spiel. Ich bin froh, dass es noch Leute gibt, die da pfeifen.“

"Keinen Zugriff mehr gehabt"

Kiesel analysierte die Derby-Enttäuschung ganz ruhig. „Es war eine Niederlage, klar, dass man sich da ärgert. Aber das wäre nicht anders, wenn es nicht der VfR gewesen wäre. Es war zu erwarten, dass auf unserem Weg mal ein Stein kommt, über den man stolpert.“ Sein Trainerkollege Andreas Lechner monierte nach der starken ersten Halbzeit, dass sein Team dann „keinen Zugriff mehr gehabt“ habe. „Wir haben den Ball zu schnell hergegeben und den FCU bei seinen Toren auch noch tatkräftig unterstützt.“

Vielleicht, so sein Verdacht, „war auch noch das vorangegangene Spiel gegen die Aramäer in den Köpfen, wo wir ja eine schallende Ohrfeige bekommen haben“. Aufs 1:5 folgte nun das 3:2. Und Derbysieger-Jubel.

 

FC Union Heilbronn: Krasniqi - Weißer, Rank, Gündisch - Herrmann (76. Traore), Lazar (46. Gotthardt), Fallmann, Baydin (46. Climaco), Gerber - Fredman (68. Hager), Kalinov.

VfR Heilbronn: Nicklausson - Faber, Hess, Nogaybel, Strangar (59. Tutea) - Radu, Barbagallo (85. Weber), Schlimgen - Bakacak (88. Kadorah), Varallo, Kilic

Tore: 0:1 (13.) Kilic, 0:2 (20.) Varallo, 0:3 (23.) Varallo, 1:3 (49.) Rank, 2:3 (83.) Climaco

 


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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