VfB mit Abwehr(s)turm und Drang zum Erfolg

Fußball  Die Verteidiger Kempf und Mavropanos überzeugen beim Stuttgarter 3:1 gegen Hoffenheim in fachfremder Rolle. Besonders der Grieche wird immer wichtiger - und dank einer Klausel bei Klassenerhalt zum Schnäppchen.

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Nicht zu stoppen, auch nicht von den Mitspielern wie Chris Führich (rechts): Konstantinos Mavropanos bei seinem Jubellauf, der sich an sein sehenswertes Solo zum 2:0 anschloss.

Foto: dpa

Wenn Dinos Krokodile küssen, dann handelt es sich um ein tierisches Vergnügen. Zu sehen war das am Samstagnachmittag nicht etwa in der Stuttgarter Wilhelma oder dem Löwentor-Museum, sondern in der Arena des VfB Stuttgart. "Dinos" ist der Spitzname von Konstantinos Mavropanos. Nach seinem Tor zum 2:0 beim 3:1-Sieg über die TSG Hoffenheim gesellte sich VfB-Maskottchen Fritzle zur Stuttgarter Jubelschar vor dem Fanblock, der Torschütze hauchte dem Mann im grünen Krokokostüm ein zartes Küsschen in den Nacken. Der kann also nicht nur stürmisch.

Sturm, Drang und ein bisschen Glück

Mit seinem Sololauf zum 2:0 versinnbildlichte Mavropanos den Weg des VfB Stuttgart aus seiner Ergebniskrise. Mit großen Schritten, unaufhaltsam schnell raus aus dieser Sieglosserie. Die Saisonpunkte sechs, sieben und acht waren eminent wichtig, um aus Keller und Krise heraus zu kommen. Das gelang dem VfB mit Abwehr(s)turm und Drang, aber auch ein wenig Glück.

Der Hoffenheimer Ihlas Bebou traf nach 16 Minuten die Latte. "Wenn das Ding reingeht, dann wird es ganz schwer für uns", sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Aber der VfB hat ja seine Defensiv-Abteilung Sturm und Drang.

Marc Oliver Kempf köpfte nach einem Eckball von Neuzugang Omar Marmoush das 1:0 (18. Minute), bereits sein drittes Saisontor. Dabei fehlte Kempf zuletzt in der Startelf. "Er hat dann eine gute Reaktion gezeigt. Mir war wichtig, dass wir viel Geschwindigkeit in der letzten Kette haben", sagte Pellegrino Matarazzo, der Trainer des VfB Stuttgart.

Tempo ganz hinten heißt manchmal auch: Tempo ganz vorn

Geschwindigkeit, die auch Innenverteidiger-Kollege Mavropanos mitbringt, mit nun zwei Treffern - in der Vorwoche in Bochum kassierte der Videoschiedsrichter ein weiteres Mavropanos-Tor - ist er Kempf bei den Toren dicht auf den Fersen. "Wir wollen die Verantwortung bei den Toren auf mehrere Schultern verteilen", sagte Pellegrino Matarazzo. In der schwäbischen Verniedlichungsform könnte man den 23-Jährigen auch als "Luciole" bezeichnen. Der Brasilianer Lucio erinnerte zu seinen Leverkusen- und Bayern-Zeiten ja auch häufig genug an einen Stürmer, der im Körper eines Abwehrhünen gefangen war. Ab und an brach er erfolgreich aus. So macht das nun "Dinos" Mavropanos.

Der griechischer VfB-Gladiator wurde am Samstag mit 35 Stundenkilometern in der gegnerischen Hälfte geblitzt. Ein Tempo, bei dem kaum einer mithält - auch nicht Hoffenheims Jung-Nationalspieler David Raum. "Maschine angeschmissen", umriss Mislintat die Szene des Tages, das 2:0 in Minute 60: "Mit vollem Willen geradeaus."

Mavropanos ist bei Klassenerhalt ein Schnäppchen

Nicht denken, einfach intuitiv handeln, das hilft in schwierigen Situationen offenbar. Der Stuttgarter Sportdirektor plauderte am Samstag deshalb sehr gerne und lächelnd aus, wie es um die Vertragsmodalitäten bei Mavropanos bestellt ist. Halten die Stuttgarter die Klasse, greift eine Kaufoption über drei Millionen Euro - die sollten sich doch auftreiben lassen. Bisher ist der Nationalspieler vom FC Arsenal ausgeliehen. Es steht außer Frage, dass jeder erfolgreiche Sturmlauf in Sachen Zukunft hilfreich ist.

Auch Roberto Massimo war beeindruckt: "Was auch immer er dachte, es hat halt geklappt." Der eingewechselte Flügelmann machte mit dem 3:0 (81.) den Deckel auf den zweiten Stuttgarter Heimsieg der Saison, Jacob Bruun Larsen (84.) betrieb mit dem Hoffenheimer-1:3 noch ein bisschen Ergebniskorrektur - und hielt die punktgleichen Kraichgauer in der Tabelle damit immerhin vor den Schwaben. "Es war eine andere Zielstrebigkeit, ein anderer Mut da", befand Pellegrino Matarazzo.

Nach Spielschluss sagte Mavropanos auf Englisch ins Mikrofon von Stadionsprecher Holger Laser, dass man auf diesem Niveau weitermachen müsse. "Come on!", brüllte er dann noch. Das passt zum Antreiber: Auf geht"s, VfB!


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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