VfB kocht ein lauwarmes Süppchen mit Sahnehäubchen

Fußball  Der 3:0-Sieg in Neckarelz bringt dem VfB Eppingen in der Verbandsliga Platz vier ein. Trainer David Pfeiffer ist von der Leistung seines Teams aber enttäuscht.

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Mark Rauh (links) glänzt nicht mehr nur als Vorlagengeber: Inzwischen hat der Eppinger Außenverteidiger schon drei Treffer erzielt.

Foto: Archiv/Klaus Krüger

Würziger Hackbällchen-Eintopf. Die Macher des Stadionhefts der Spielvereinigung Neckarelz denken über den Fußball hinaus. An einen gelungenen Abend. Und einen Rezeptvorschlag liefern sie mit, die Zutatenliste ist zwar lang. Aber das Rezept der Woche selber hat nur zehn Schritte. Gar nicht so schwer, selbst für Koch-Novizen.

Vorausgesetzt natürlich, sie halten sich an die Vorgaben, machen es nicht komplizierter als es ist. Ansonsten wird es schnell eine zähe Angelegenheit, wie der VfB Eppingen in seiner Verbandsligapartie in Neckarelz bewies. Beim 3:0 stimmte zwar das Ergebnis - die Zutaten indes brachte die von Sous-Chef Alexander Rudenko angeführte Eppinger-Küchenbrigade nicht so richtig zusammen.

Trainer sieht eine "katastrophale Leistung" seines Teams

Entsprechend genervt war "Maitre de Cuisine" David Pfeiffer hinterher. "Das war allenfalls ein lauwarmes Süppchen", meckerte der Trainer. Eine katastrophale Leistung sei es gewesen. Die letzten fünf Minuten kam "ein bisschen Spielfreude" auf. Alles davor: "richtig schlecht". Das lag sicher nicht daran, dass Neckarelz den angehenden Sterneköchen aus dem Kraichgau in die Suppe spuckte - der Gegner war zu sehr mit sich selber beschäftigt, als dass er hätte groß was am VfB-Spiel verändern können. "Eppingen war eine Klasse besser als wir", sagte Michael Bitz, Co-Trainer der SpVgg.

Neckarelz fehlen seit einiger Zeit die Grundzutaten, um ein anständiges Training gebacken zu kriegen - Corona, Verletzungen, andere Krankheiten haben viele Spieler gekostet. "Im Abschlusstraining haben wir vier gegen vier gespielt. Das sagt alles", meint Bitz. Angesichts ihrer Notlage habe die Spielvereinigung probiert, Spiele zu verlegen. Die Gegner hätten mitunter noch zugestimmt, nicht aber die Staffelleitung.

Der Gegner hadert mir sich, aber auch mit dem Verband

"Der Verband drückt die Spiele durch. Wenn erstmal 50 Prozent absolviert sind, kann die Runde auch im Fall eines Abbruchs gewertet werden", sagt Bitz. Es sollte aber keine Ausrede sein. Nicht für das 0:10 zuletzt gegen Mühlhausen. Nicht für das 0:3 gegen Eppingen. "Uns fehlt es an Qualität, sonst würden wir nicht da unten drinstehen."

Ein Qualitätsproblem hat Eppinger sicher nicht, die Zutaten für feinen und erfolgreichen Fußball sind alle da. Nur brachte der VfB sie in Neckarelz weder in der vorgesehenen Reihenfolge noch der richtigen Dosierung zusammen. Mit Ball hatten sie viel Zeit und Platz, entschieden sich aber häufig für die schlechteste ihrer Optionen und spielten einen Fehlpass. "Wir haben die schweren Sachen gemacht. Die Basics hätten völlig gereicht", sagte Binak El-shanaj. Als Innenverteidiger hat er von hinten einen guten Blick auf das Geschehen. Vor allem aber spürte er die vielen Fehlpässe im Spielaufbau mit Nebenmann Luca Hofmann am eigenen Leib.

Die beiden Innenverteidiger des VfB sind noch die besten auf dem Platz

Das starke Innenverteidiger-Duo verhinderte mit hohem Laufeinsatz, dass das Spiel für den VfB ungenießbar wurde, bremste die Konter der schnellen Angreifer aus Neckarelz immer wieder aus. "Ich habe heute mehr Sprints gemacht als die letzten drei, vier Wochen zusammen", sagte Elshanaj. Es sagt viel aus, dass die beiden Innenverteidiger die besten waren.

Für die kleinen Offensiv-Genüsse zwischendurch sorgte zum einen Kapitän Rudenko, als er einen zurückgelegten Ball von der Strafraumgrenze flach unten links zur Führung ins Netz drosch (24.). Mark Rauh hämmerte den Ball nach einer Ecke zum 2:0 in die Maschen (60.), Jan-Hendrik Hoyer machte den Sack mit seinem Treffer zum 3:0 zu (77.). Ein Ergebnis, das auch deshalb schmeckte, weil es den Eppingern Platz vier einbrachte. Vielleicht gab es zur Belohnung ja Hackbällchen-Eintopf.

VfB Eppingen: Zeyrek - Kradija, Elshanaj, Hofmann, Rauh - Sautter (75. Ayvaz), Durmus, Fitze (65. Felk), Rudenko, Hoyer (78. Heckmann) - Reinbold (69. Bahran). Tore: 0:1 (24.) Rudenko, 0:2 (60.) Rauh, 0:3 (77.) Hoyer. Schiedsrichter: Marcel Göpferich. Zuschauer: 40.

Neuer Spielertyp

Zu seinem zweiten Kurzeinsatz ist am Samstagnachmittag Eppingens neuester Fang Semi Bahran gekommen. Der 19-jährige war im September von der SG Sonnenhof Großaspach zum VfB gewechselt, war aber noch gesperrt. "Er sollte vorne die Bälle festmachen, das hat er getan", freute sich David Pfeiffer. Der VfB-Trainer traut seinem Angreifer zu, in der Rückrunde und mit einer Vorbereitung in Eppingen im Rücken eine gute Rolle zu spielen. Zumal Bahran ein ganz anderer Spielertyp sei. "Er ist physisch sehr präsent, setzt den Körper gut ein." Bahran selbst fand es am Samstag "schwer, in so kurzer Zeit ins Spiel zu kommen". map


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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