VfB kann bis auf einen Punkt an BVB heranrücken

Fußball  In der Hinrunde gab es den Stuttgarter 5:1-Coup gegen Borussia Dortmund. Nicht nur deshalb ist der Champions-League-Viertelfinalist gegen den VfB gewaltig unter Erfolgsdruck.

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Vorne dran sein, sich behaupten im Zweikampf (hier Tanguy Coulibaly gegen Bremens Maximilian Eggestein) − das ist auch im Duell mit dem BVB wichtig.

Foto: dpa

Es wäre bitter, hätte Pellegrino Matarazzo recht mit seinen Worten. "Vielleicht haben wir keine Freunde", sagt der Trainer des VfB Stuttgart - aber das ist nicht ganz ernst gemeint. Es ist die flapsige Antwort auf die Frage, warum der VfB seit Beginn der Coronavirus-Pandemie noch keinen Positiv-Fall in der Bundesliga-Mannschaft hatte.

Je weniger Kontakte, desto besser. "Mein Weg", erzählt Matarazzo, "geht zwischen dem Arbeitsplatz und meiner einsamen Wohnung" hin und her. An freien Tagen sehe er seine Familie.

Nur finanzielle Corona-Blessuren, aber heftige

Freunde? Die gibt es schon. Aber es ist halt nicht die passende Zeit für (viele) Risiko-Kontakte. Im deutschen Profifußball wachsen die Corona-Sorgen wieder. Vor allem die 2. Liga ist momentan stark von positiven Tests und Mannschafts-Quarantänen beeinträchtigt.

Der VfB Stuttgart ist bislang nur von finanziellen Corona-Blessuren betroffen, wenn auch beträchtlich. Der Spielbetrieb war zu keinem Zeitpunkt beeinflusst. So soll es bleiben. Sieben Partien sind es noch bis zum Saisonende. An diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) kommt Borussia Dortmund nach Stuttgart.

VfB will zeigen, was er kann

Sollte der VfB gewinnen, wäre er als Bundesliga-Aufsteiger bis auf einen Punkt herangerückt an den Champions-League-Viertelfinalisten BVB. "Wir wollen zeigen, was wir können", sagt Pellegrino Matarazzo. Das kann sehr viel Können sein. Das Hinrundenspiel in Dortmund hat der VfB schließlich in beeindruckender Manier mit 5:1 gewonnen. Aber die Borussia ist unberechenbar. An guten Tagen zeigt die Mannschaft großartigen Fußball. Der Stuttgarter Trainer verweist also darauf, man werde am Samstagabend vielleicht auch "erkennen, was wir nicht können".

So war es bei der 0:4-Klatsche in München, als der FC Bayern trotz VfB-Überzahl famos aufspielte.

Wenn der Gegner Borussia Dortmund heißt, geht es immer auch darum, den international begehrten Superstürmer Erling Haaland vom Toreschießen abzuhalten. Jeder wisse, "was für eine Maschine das ist da vorne", sagt Pellegrino Matarazzo. "Es ist sicherlich eine anspruchsvolle Aufgabe, ihn zu stoppen." Zumal der Norweger "nicht der einzige Spieler mit Qualität" in der Dortmunder Offensive sei. Es könnte für den VfB Stuttgart von Vorteil sein, dass die Abwehr-Dreierkette mit Konstantinos Mavropanos, Waldemar Anton und Marc Oliver Kempf seit fast zwei Monaten in den Startelf gesetzt ist. Dieser eingespielten Formation wird der Trainer auch diesmal wieder vertrauen.

Abwehr-Monster Mavropanos

Der einstige Patzer-Kandidat Mavropanos hat seine Verletzungsanfälligkeit überwunden und spielt so gut, dass Matarazzo den Leih-Verteidiger des FC Arsenal sehr gerne auch in der kommenden Saison in seinem Team haben möchte. "Das würde uns gut tun." Nicht nur, weil der Grieche, der neuerdings auch Nationalspieler ist, dank seiner Athletik "wirklich ein Monster" sei.

Das regelmäßige Zusammenspielen des VfB-Trios in der letzten Kette bringe Vorteile in der Antizipation, sagt der Trainer, "dass man schneller agiert, sogar bevor man in Bewegung ist". Auf der Grundlage des genauen Wissens, was die Nebenleute tun werden.

Die Stuttgarter Mannschaft ist frei von allen Sorgen. Der Klassenerhalt ist längst gesichert. Im Training spüre er "Lockerheit und Freude", erzählt Pellegrino Matarazzo. Aber auch "gleichzeitig Spannung", also den Hunger auf weitere Siege.

Die Gefahr, dass zu viele VfB-Profis die Saison lässig austrudeln lassen, sieht der Trainer überhaupt nicht. Zumal ziemlich klar ist, dass der enorm unter Erfolgsdruck stehende Tabellenfünfte Borussia Dortmund Vollgas geben wird, um die kleine Chance auf die enorm lukrative Champions-League-Teilnahme am Leben zu erhalten. "Die werden heiß sein", sagt Matarazzo. Auch weil die 1:5-Demütigung in der Hinrunde immer noch schmerzt.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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