VfB im Höhenflug, Trainer tritt auf die Euphoriebremse

Fußball  Stuttgarter 2:0-Sieg bei Hertha BSC beschert dem Aufsteiger aus Stuttgart einen Platz im Vorderfeld der Bundesliga. Diesmal schießt der VfB früh ein Tor, nicht der Gegner.

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Jubel-Vierer: Marc Oliver Kempf (2.v.r) hat zum 1:0 getroffen. Mit ihm freuen sich (von rechts) Wataru Endo, Tanguy Coulibaly und Atakan Karazor.

Fotos: dpa

Die Zukunft gehört Berlin. Mag sein. Man kann diesen Schriftzug im Olympiastadion nicht übersehen. Aber die Gegenwart gehört dem VfB Stuttgart, ganz eindeutig.

Sieben Punkte nach vier Spielen in dieser noch jungen Bundesliga-Saison. In drei Partien hintereinander nicht verloren. Ein Europapokal-Platz für den Aufsteiger nach dem 2:0-Sieg bei Hertha BSC.

Matarazzo: Uns wird es gut tun, auf dem Boden zu bleiben

Doch gemach! Der Trainer freut sich, will aber nicht euphorisch werden. "Uns wird es gut tun, auch nach diesem Sieg auf dem Boden zu bleiben und weiter hart an unserer Entwicklung zu arbeiten", sagte Pellegrino Matarazzo in Berlin.

Es ist ein sehr guter Anfang. Noch sind allerdings 30 Spieltage zu absolvieren. Für viel Zuversicht in Bezug auf den angestrebten Klassenerhalt sorgt jedoch die Einstellung der VfB-Profis zu ihrem Job, denn die stimmt absolut. Seine Spieler hätten "ihr Herz auf dem Platz gelassen", meinte Matarazzo. "Die Jungs haben alles gegeben."

Kapitän Castro: Wir können sehr, sehr stolz sein

Wenn sie nun auf die Bundesliga-Tabelle schauen, wissen sie, wofür sie geackert haben. "Wir können sehr, sehr stolz sein", sagte Gonzalo Castro, der Mannschaftskapitän.

VfB im Höhenflug, Trainer tritt auf die Euphoriebremse

Solo-Freude: VfB-Kapitän Gonzalo Castro hat mit seiner Entschlossenheit fürs Stuttgarter 2:0 gesorgt. Die Hertha fand danach keinen Weg zur Wende.

Er hatte mit dem Tor zum 2:0 ganz wesentlichen Anteil am Stuttgarter Auswärtssieg. Es war ein Tor der Entschlossenheit, des Willens. Mit geballten Fäusten und einem Jubelschrei feierte Castro seinen Treffer in der 68. Minute. Wie wichtig Castro, der Routinier, für die junge VfB-Mannschaft ist, hat sein Trainer sogleich hervorgehoben. "Er kann die Jungs nicht nur dirigieren, er kann auch Fußball spielen", betonte Pellegrino Matarazzo. "Er zeigt es im Training und Woche für Woche, wie wichtig er ist für uns", lobte der VfB-Coach den 33-Jährigen in Berlin. Castro ist mit Abstand der Älteste Stuttgarter Spieler, der auf dem Platz steht.

Kempf trifft in der neunten Minute per Kopf

Im Sommer hat er Marc Oliver Kempf als Mannschaftskapitän abgelöst. Der Verteidiger hat sich in Berlin aber auch ohne Armbinde als Führungsfigur hervorgetan. Kempf wies mit seinem frühen Kopfball-Treffer zum 1:0 des VfB (9. Minute) den Weg zum Sieg.

Bislang war es immer so gewesen, dass der Aufsteiger schnelle Gegentore hatte hinnehmen müssen, gegen Freiburg, in Mainz, gegen Leverkusen. Diesmal war es andersrum.

Dreierkette mit Kempf, Karazor und Stenzel

Kempf sprach hinterher von einem "richtig guten Auswärtsspiel von uns". Es war vor allem gut, weil die VfB-Profis kämpferisch voll da waren. "Jeder hat sich in jeden Zweikampf geworfen", sagte Kempf, der zusammen mit Atakan Karazor und Pascal Stenzel in der hintersten Dreierkette verteidigte.

Trainer Matarazzo hatte gewaltig umstellen müssen nach den Verletzungen von Abwehrchef Waldemar Anton und dem zuletzt stark debütierenden Konstantinos Mavropanos. Aber die Defensivformation um den in dieser Saison erstmals in der VfB-Startelf stehenden Mittelmann Karazor war stabil.

VfB überzeugt kämpferisch, nicht spielerisch

Marc Oliver Kempf stellte aber die Gesamtleistung des Kollektivs in den Mittelpunkt. Und tatsächlich ist der Teamspirit bislang wohl die herausstechendste Qualität beim Stuttgarter Bundesliga-Höhenflug. Es ist einfach ein unheimlicher Zusammenhalt", sagte Kempf. Zu sehen war das schon bei den Comebacks nach Rückständen in den ersten drei Liga-Partien der Saison.

Spielerisch war es keine Glanzleistung des VfB. Auch deshalb war Hertha-Trainer Bruno Labbadia hinterher angefressen. "Es war nicht so, dass der VfB so stark war, dass wir hier 0:2 verlieren dürfen."

Die Berliner haben hohe Ansprüche, haben viel Geld für Transfers ausgegeben. Vor der Tribüne steht ganz groß: "Die Zukunft gehört Berlin." Aber die drei Punkte gehörten dem VfB. 

 

Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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