VfB-Aufstieg am Sonntag ohne Massenparty

Fußball  Wenn am Sonntag die Stuttgarter Bundesliga-Rückkehr perfekt ist, geht es anders zu als 2017. Für Aufstiegstrainer Matarazzo beginnt der Urlaub aber noch nicht gleich.

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Zwei Fäuste und ein Schrei: Pellegrino Matarazzo jubelt in Nürnberg. Jetzt wäre eigentlich eine zünftige Aufstiegs-Sause fällig, aber die fällt Corona zum Opfer.

Foto: dpa

Es ist nicht die Zeit für eine ganz große VfB-Sause. Das blöde Virus, kein Vergleich zum Bundesliga-Aufstieg 2017. Wenn das erneute Stuttgarter Comeback im deutschen Fußball-Elitekreis am Sonntag nach dem Spiel gegen Darmstadt perfekt sein wird, gibt es keine Riesenparty auf dem Cannstatter Wasen.

Feiern in Zeiten von Corona ist eine spezielle Sache. "Das hätte sicherlich mit den Fans eine andere Emotionalität gehabt", sagt VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo.

Der engste Kreis ums Team herum sowie die Spieler werden am Sonntagabend ein bisschen feiern. "Wo genau, möchte ich nicht verraten." Matarazzo weiß, dass es sonst schwierig werden könnte, den Partybetrieb im zulässigen Rahmen zu halten.

Ein paar Bierchen im Bus

Den spontanen Freudenausbruch hat es schon am vergangenen Sonntag gegeben, als zum 6:0-Sieg des VfB in Nürnberg die Last-Minute-Pleite des HSV in Heidenheim hinzu kam. Die Stuttgarter sind zu 99 Prozent aufgestiegen. Pellegrino Matarazzo erzählt von "ein paar Bier im Bus" auf der Heimfahrt aus dem Fränkischen. "Aber richtig zelebrieren werde ich es am Sonntag nach dem Spiel."

Es ist ja noch ein Job zu erledigen. Der Trainer hat nach dem Jubeltag vor einer Woche und der Freizeit im Anschluss gemerkt, dass es "ein bisschen Zeit gebraucht hat", um die Spieler wieder "auf Spannung" zu bringen. Jetzt soll die phasenweise schwierige Zweitliga-Saison des großen Aufstiegsfavoriten VfB seriös zu Ende gebracht werden. Nur noch rechnerisch könnte der zweite Platz hinter Meister Bielefeld verloren gehen. "Ich thematisiere nicht, dass es schief gehen könnte", berichtet Mararazzo, "aber ich thematisiere schon, dass wir noch nicht über die Ziellinie sind."

Seine Aufgabe ist es, dass in der Stuttgarter Mannschaft "nicht zu viel Entspannung zu spüren ist". Klar ist aber schon jetzt, dass gleich am Sonntagabend Schluss sein wird. Dann ist Urlaubszeit.

Jedenfalls für die VfB-Spieler. Der Trainer macht dann noch Überstunden. "Ich bleibe noch eine Woche." Pellegrino Matarazzo wird sich um die Saisonanalyse kümmern, "Sachen abschließen".

In einer Reihe mit dem legendären "Wundermann"

Und er wird sicherlich auch einen ruhigen Moment finden, um lächelnd einen Moment der Selbstzufriedenheit zu genießen. Sowas darf man, wenn ein Aufstieg geschafft ist. Matarazzo steht jetzt in einer Reihe mit Jürgen "Wundermann" Sundermann und Hannes Wolf. Das Happy End der Mission sofortiger Wiederaufstieg stand nach dem Derby-1:2 in Karlsruhe sehr in Frage. Nun sagt der Trainer, der am Jahresende 2019 den Job des rausgeworfenen Tim Walter übernommen hatte: "Für mich ist es eine Bestätigung." Matarazzo weiß jetzt, "dass ich das kann". Unter großem Druck das Ziel erreichen, das Richtige tun, wenn der Wirbel groß ist.

Triumphieren will der Italo-Amerikaner nicht. Er sei "natürlich auch froh", aber seine Gefühle würden sich auf ihn richten, nicht auf irgendwelche Kritiker.

Ende gut, alles gut? So einfach ist es nicht beim VfB. Aber Pellegrino Matarazzo schaut mit Vorfreude nach vorne. "Ich habe mich mit Zweifeln, Angst gar nicht beschäftigt." Sowas sei "verschwendete Energie". Er ist halt studierter Mathematiker, geleitet vom Verstand. "Ich bin vom Typ her einen Tick anders, ich agiere immer lösungsorientiert."

Ein guter Schluss ziert alles

Die Aufgabenstellung für die Zukunft wird sein, ein tragfähiges Konzept fürs sportliche Überleben des VfB Stuttgart in der Bundesliga zu entwickeln. Und vorher vielleicht noch den SV Darmstadt 98 zu schlagen. Denn ein guter Schluss ziert alles.

Und eine legendäre Aufstiegsparty mit Zehntausenden glücklichen Fans wird es diesmal nicht geben. Das blöde Virus. Die neue Corona-Normalität. Schwere Zeiten für euphorische Menschen in weiß-roten Trikots.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme. 

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