Veränderung beim WFV mit gewisser Härte

Fußball  Die Kommission Verbandsstruktur des Württembergischen Fußballverbands hat ihren Abschlussbericht vorgestellt. Der Bezirk Hohenlohe steht buchstäblich vor einer Zerreißprobe - ihm droht die Spaltung.

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Wie gravierend die Auswirkungen auf Hohenlohe und das Unterland sind, kann auch der Blick in die Glaskugel nicht beantworten.

Foto: Jens Gerner

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Kommission Verbandsstruktur des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) mit nötigen Änderungen im Spielklassensystem und der Bezirksstrukturen auseinandergesetzt. Am Mittwoch stellte der WFV die Vorschläge des Abschlussberichtes, die in den Verbandstag im Mai nächsten Jahres eingebracht werden sollen, offiziell vor. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Warum ist eine Änderung des Spielsystems nötig?

Die allgemeine Mitgliederentwicklung (Rückgang) der Vereine sowie die Zunahme von Spielgemeinschaften, gerade im Jugendbereich, sind besorgniserregend. In Beispiel-Zahlen: Zwischen 2007 und 2017 wurden dem WFV 370 Mannschaften weniger gemeldet. Die Mitgliederzahl ging um rund 25.000 zurück.

"Die Neigung der Menschen, sich an einen Verein zu binden, ist nicht mehr so ausgeprägt wie früher", sagt der Kommissions-Vorsitzende Steffen Jäger. "Das ist aber keine spezifische Lage des Fußballs." Bei den A- und B-Junioren gab es in den vergangenen fünf Jahren in manchen Gebieten einen Rückgang von 20 Prozent. Um nachhaltig einen Spielbetrieb in idealtypischer Form mit mindestens 104 und maximal 190 Mannschaften pro Bezirk zu gewährleisten, braucht es eben Umstrukturierungen.

Was soll passieren?

Die Kommission empfiehlt die Änderung des bestehenden Spielsystems der Aktiven mit einer Verbandsliga, vier Landes- und 16 Bezirksligen (1-4-16) in das Modell 1-4-12. Also soll es nur noch zwölf Bezirksligen in den 16 Bezirken geben. Deshalb ist ebenfalls eine Bezirksstruktur-Reform angedacht. Die Veränderungen sollen in minimalem Maße stattfinden, damit weiterhin die Fahrten zu Auswärtsspielen gemäßigt bleiben.

Welche Folgen hat dies auf die Bezirke Unterland und Hohenlohe?

Im Verbreitungsgebiet der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung sind die Auswirkungen der geplanten Reform gravierend. Denn demnach sollen das Unterland und ein Teil des Bezirks Hohenlohe zukünftig eine gemeinsame Bezirksliga bilden. Als kleinste Einheit und die Grundlage für den Spielbetrieb hat die Kommission die Schiedsrichtergruppen genommen. Damit würden die Unterländer Teams der beiden Schiedsrichtergruppen Kocher/Jagst und Heilbronn zusammen mit den Hohenloher Mannschaften aus den Gruppen Öhringen, Künzelsau und Bad Mergentheim eine Liga bilden - und dann auch nach Vorstellung der Kommission einen neuen Bezirk.

Veränderung mit gewisser Härte

Der Württembergische Fußball-Verband hat eine groß angelegte Reform seiner Struktur geplant.

Hier klappt es mit den kurzen Wegen nicht mehr. Nehmen wir Teams der aktuellen Bezirksligen: Von Brackenheim nach Weikersheim sind es 104 Kilometer - einfach. Einen Bezug zueinander haben die Vereine nicht. Die Teams der beiden anderen Hohenloher Gruppen Schwäbisch Hall und Crailsheim würden in Richtung Rems-Murr spielen und auch dem Bezirk zugeteilt. Damit würde der momentan drittgrößte WFV-Bezirk Hohenlohe (199 Mannschaften) getrennt werden. Nur Ostwürttemberg (213) und Donau/Iller (200) stellen mehr Teams. Im kleinsten Bezirk Zollern spielen nur 83 Mannschaften von insgesamt 2482 im Verbandsgebiet.

Gab es keine andere Möglichkeit?

"Ich will gerne zugeben, dass es da unterschiedliche Sichtweisen geben kann", sagt Jäger. "Aber wenn wir die Anzahl der Bezirksligen verändern, muss es auch einen anderen Zuschnitt geben. Wir hätten kein Modell gefunden, das für alle passt. Bei einem Veränderungsprozess gibt es immer eine gewisse Härte. Wir haben sehr wohl gehört, was in der Raumschaft diskutiert worden ist." Aber er stellte auch nochmal klar: "Wir haben jetzt einen fachlich fundierten Abschlussbericht."

Wie geht es weiter?

Die Arbeit der Kommission Verbandsstruktur ist mit dem Abschlussbericht beendet. Sie empfiehlt einstimmig die Einführung des Modells 1-4-12c. Wobei das "c" eine Variante in der Einteilung der Landesligen darstellt. An dieses System soll dann auch die Verbandsstruktur mit dann zwölf Bezirken angepasst werden - demnach wären die Bezirke Unterland und Hohenlohe in ihrer aktuellen Form nicht mehr existent. Der Vorschlag geht an den Beirat und steht dann beim Verbandstag am 8. Mai 2021 zur Verabschiedung an.


Kommentar: Emotionslos

Der Sport lebt von Emotionen. Eine Struktur-Reform lässt sich aber besser emotionslos bewältigen. So ist die Kommission Verbandsstruktur des Württembergischen Fußball-Verbandes an die Sache herangegangen. Nüchtern, sachlich ohne den Blick auf Einzelschicksale. Auch wenn der Kommissions-Vorsitzende Steffen Jäger betont, den Aufschrei aus Hohenlohe wahrgenommen zu haben. An der Meinung des Gremiums änderte dies nichts.

Nun ist es wahrscheinlich, dass die Fußball-Bezirke Hohenlohe und Unterland, zwei gesunde Bezirke wohlgemerkt, in ihrer aktuellen Form in einigen Jahren nicht mehr existieren. Das wird am Anfang zu Problemen führen. Zu Unannehmlichkeiten, wie sie alle Veränderungen mit sich bringen können. Fußballer, die auf dem Platz so gerne feste Laufwege haben, müssen dann neue Fahrtwege einstudieren. Teils deutlich weitere als bisher.

Aber drehen wir es mal um: Veränderungen bieten auch Chancen. Diese müssen gesucht und auch genutzt werden, sollte der Vorschlag nächstes Jahr beim Verbandstag verabschiedet werden. Dem Alten nachzutrauern bringt dann nichts mehr. In den vergangenen Jahren wirkte der Amateurfußball etwas eingefahren. Selbst Derbys erzeugten nicht mehr allerorts die großen Emotionen. Neue Gegner bieten auch neue Potenziale und frische Anreize. So eine Landpartie von Brackenheim nach Weikersheim oder umgekehrt kann auch ihre schönen Seiten haben. Es ist eine Möglichkeit, die Region auf andere Art kennenzulernen.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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