Ungleiches Fußball-Derby mit Überraschungspotenzial?

Fußball  Der Unterländer Landesliga-Tabellenführer Türkspor Neckarsulm erwartet am Samstag den Tabellen-17. SV Leingarten. Die Gäste haben sich neues Selbstbewusstsein erspielt. Der Erste ist zuletzt gestrauchelt.

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Türkspor Neckarsulm (linkes Bild) ist der klare Favorit, doch der SV Leingarten fährt nach drei Spielen ohne Niederlage selbstbewusst auf den Pichterich.

Fotos: Bertok

Am vergangenen Spieltag überraschten die Landesligisten aus dem Fußballbezirk Unterland. Tabellenführer Türkspor Neckarsulm mit der ersten Saisonniederlage und der abstiegsbedrohte SV Leingarten mit dem ersten Heimsieg in dieser Runde. Am Samstag (14.30 Uhr) stehen sich beide Teams auf dem Neckarsulmer Pichterich gegenüber. Von der Tabellenkonstellation betrachtet sind die Gastgeber der klare Favorit. Doch Fußball ist nun mal eine Sportart, die von unerwarteten Ergebnissen lebt.

Der SV Leingarten befindet sich auf einem völlig ungewohnten Höhenflug, drei Spiele ohne Niederlage hat es in der jüngeren Landesliga-Geschichte des SVL noch nicht gegeben. Der Höhenflug von Türkspor hat hingegen mit der 2:3-Niederlage in Leonberg/Eltingen einen Dämpfer erhalten.

Kritik am Schiedsrichter

"Wir haben die Anfangsphase total verpennt, waren immer zu spät am Mann", blickt Türkspor-Spielertrainer Kushtrim Lushtaku zurück, hadert aber auch mit der Leistung des Unparteiischen. "Der hat jede, wortwörtlich jede Aktion gegen uns gepfiffen. Das habe ich so in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt. Der Schiedsrichter hat uns das ganze Spiel kaputtgemacht."

Ungleiches Fußball-Derby mit Überraschungspotenzial?

Die Niederlage ist jedoch nicht der Schiedsrichterleistung zuzuschreiben. "Deren Torhüter zeigte ein überragendes Spiel und dann habe ich beim Stand von 2:3 auch noch einen Elfmeter verschossen", ärgert sich Lushtaku. "Wir haben das Spiel von Anfang an zu leicht genommen. Es kam einfach alles zusammen. Es gibt immer einen Tag, an dem es einfach nicht sein soll."

Leingarten soll am Samstag nicht zu leicht genommen werden. "Meine Jungs sind heiß, wollen es wiedergutmachen. Wir werden unsere Lehren aus der Niederlage ziehen", sagt Lusthaku. "Wir werden von Beginn an wach sein."

Der Rückschlag für Türkspor ist für Yannick Titzmann zu einer Unzeit gekommen. "Ehrlich gesagt passt uns das gar nicht", meint der Leingartener Spielertrainer.

An Motivation fehlt es sicherlich nicht

Die zu erwartende Reaktion der Gastgeber macht die Aufgabe für den SVL nicht einfacher. "Ob es nun noch schwerer wird, weiß ich nicht. Es kann aber schon sein, dass Türkspor jetzt motivierter ist. Aber wir sind auch motiviert und werden voll dagegenhalten."

Klar ist aber, Leingarten ist der Außenseiter und Türkspor der klare Favorit. "Von der Tabelle und von der Gesamtsituation her, auch wie sich die Kader zusammensetzen, spielen wir in zwei völlig verschieden Welten", sagt Titzmann. "Alle gehen davon aus: Türkspor gewinnt diese Begegnung. Somit haben wir nichts zu verlieren. Und wenn alle der Meinung sind, Leingarten verliert, kann man schon sagen, wir sind der Außenseiter."

Doch Titzmann ist Trainer. In dieser Berufssparte gehört Optimismus zur Grundausstattung und so fühlt er sich nicht als Außenseiter und sagt: "Wir fahren mit breiter Brust nach Neckarsulm." Schließlich hat es Leingarten in den vergangenen Jahren immer wieder mal geschafft, einen Landesliga-Tabellenführer zu besiegen. "Das war mal gegen Crailsheim so und auch gegen Satteldorf und Breuningsweiler", erinnert sich Titzmann. "Die Situation ist die gleiche, für uns spielt es keine Rolle, ob wir gegen den Ersten oder den Letzten antreten müssen. Jede Partie ist eine Herausforderung, und wenn wir sie annehmen, können wir auch gegen den Ersten gewinnen, wenn nicht, auch gegen den Letzten verlieren."

Die Niederlage in Eltingen/Leonberg hat für Lusthaku auch irgendwie ihre gute Seite. "So kommen die Jungs wieder auf den Boden und sehen, dass in dieser Liga immer alles möglich ist. Jetzt waren halt wir dran." Die Bodenhaftung hat auch der SV Leingarten nicht verloren, trotz der zurückliegenden sieben Punkte aus drei Spielen. Das Selbstbewusstsein ist jedoch gewachsen und so erwartet Titzmann durchaus "ein spannendes Spiel".

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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