TSG-Trainer Hoeneß will Wolfsburger Serien brechen

Fußball  Der Schwung der Vertragsverlängerung von Christoph Baumgartner soll Hoffenheim gegen das Team des Tabellendritten helfen. Der Kraichgau-Bundesligist ist personell wieder besser aufgestellt.

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Augen zu und durch: Zum Duell von Christoph Baumgartner (vorne) und Wolfsburgs Topstürmer Wout Weghorst − wie hier im Hinspiel − könnte es auch an diesem Samstag in Sinsheim kommen.

Foto: dpa

In normalen Zeiten hätte die TSG Hoffenheim das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) genutzt, um die positive Nachricht effektvoll vorm Anpfiff unters Fanvolk zu bringen, damit möglichst viel Euphorie entsteht. Auf den beiden Videowänden in der Sinsheimer Arena hätte man um 15.20 Uhr die Zahl 2025 eingeblendet, garniert mit dem Konterfei von Christoph Baumgartner, seiner Rückennummer 14, vielleicht. Die Folge: Jubel in der Südkurve über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von zwei Jahren, Freude im restlichen Stadionrund.

So hat man das früher gemacht, bis vor einem Jahr, als es noch Zuschauer in den Arenen gab. Am Freitag um 14 Uhr musste eine Pressemitteilung herhalten, dass der österreichische Nationalspieler der TSG treu bleibt.

Offensivspieler war umworben

Der durchaus von internationalen Spitzenclubs wie Manchester United umworbene Offensivspieler hatte vor wenigen Wochen im Interview mit dieser Zeitung ja bereits durchblicken lassen, dass er sich eine Vertragsverlängerung beim Kraichgauclub gut vorstellen kann. Und Sportdirektor Alexander Rosen hatte im Stimme-Interview am Freitag noch "die eine oder andere Personalentscheidung" angekündigt, "die manch einen überraschen wird". Gesagt, getan.

In diese Kategorie fällt der neue Vertrag von Christoph Baumgartner bis 2025. Der junge Mann mit einer gewissen Vorliebe für Hackentore (in Österreich sagt man dazu "Ferserl") kam 2017 aus St. Pölten in die Hoffenheimer Nachwuchsakademie. Und ist seit seinem Bundesligadebüt im Mai 2019 durchgestartet. "Ich bin dem Verein extrem dankbar für die Chance, die ich hier bekommen habe", sagt Baumgartner und fügt hinzu: "Ich freue mich auf die nächsten Jahre hier." Den Schwung des neuen Vertrags brauchen Baumgartner und Co. ganz sicher gegen den VfL Wolfsburg. Die Gäste sind als Tabellendritter das beste Rückrundenteam, haben zuletzt vier Auswärtssiege gefeiert und seit mehr als elf Stunden kein Liga-Gegentor mehr kassiert. Letztmals musste der Ex-Hoffenheimer Koen Casteels Mitte Januar einen Ball passieren lassen.

Bange machen gilt nicht bei solchen Zahlen. "Es spornt uns natürlich an, dass wir in der Liga diejenigen sind, die ihnen mal wieder einen reinhauen und ihnen die erste Rückrundenniederlage beibringen", sagt Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß.

Beständigkeit als Gäste-Vorteil

Im Endspurt der Vorsaison hatte Hoffenheim den Wolfsburgern noch den fixen Startplatz in der Gruppenphase der Europa League auf der Zielgeraden weggeschnappt. In der Quali scheiterten die Niedersachsen anschließend kläglich. Schaut man auf die aktuelle Tabelle, dann liegt der Verdacht nahe, dass sich das alles irgendwie bezahlt macht. Die Mannschaft von Oliver Glasner ist als Dritter auf Champions-League-Kurs und hat satte 18 Punkte mehr gesammelt als die TSG, wobei man ähnlich viel Coronafälle wegzustecken hatte. Der Wolfsburger Vorteil: "Sie haben sehr beständig mit ihrer ersten Elf gespielt. Die Wolfsburger haben einen Rhythmus, das ist sichtbar. Da passt vieles zusammen", sagt Hoeneß über den nächsten Gegner.

Die Kraichgauer haben hingegen erst seit kurzem mehr defensive Stabilität auf dem Feld, "seit wir mit einem Kern von sieben, acht Spielern in jedes Spiel gehen können. Da ist ein Gerüst auf dem Feld, die Kommunikation ist besser", sagt Sebastian Hoeneß.

Aus dem Krankenstand gibt es gegen Wolfsburg immerhin einen Rückkehrer. Stürmer Ishak Belfodil hat seine Adduktorenprobleme überwunden und rutscht in den Hoffenheimer Spieltagskader. Als neues Saisonziel hat Sebastian Hoeneß unterdessen das maximal Machbare erkoren: "Noch sind 33 Punkte zu vergeben."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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