TSG Öhringen trennt sich von Trainer Martin Weiß

Fußball  Andrey Nagumanov und Daniel Alankus übernehmen den Tabellenletzten der Landesliga vorerst. Auch eine Reaktion der Mannschaft ist nun gefordert.

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Phasenweise ließen die Öhringer Spieler Trainer Martin Weiß alleine. Nun hat er den Landesligisten verlassen müssen.

Foto: Marc Schmerbeck

Lange haben die Verantwortlichen des Landesligisten TSG Öhringen das Unvermeidliche hinausgeschoben. "Irgendetwas müssen wir doch nochmal probieren", sagt Abteilungsleiter Michael Carle. Und was bleibt da bei einem nach zwölf Spieltagen immer noch sieglosen Schlusslicht? Die Trennung vom Trainer. Also musste Martin Weiß am Montag gehen.

"Es geht jetzt um die Sache", sagt Carle. "Es ist die letzte Option, die man ziehen kann. Wir müssen auch sehen, dass wir den Kader über die Saison hinaus zusammenhalten." Schon mehrfach gab es in den ersten Wochen der Saison Gespräche. "Irgendwann wird man dann an den Ergebnissen gemessen", meint Carle. Und diese stimmten aus verschiedenen Gründen nicht. Die Hoffnung, dass nun durch den Trainerwechsel die Klasse noch irgendwie gehalten werden kann, ist nach zwei Punkten in zwölf Spielen gering.

Belasteter Saisonstart

"Das ist natürlich keine einfache Situation. Ich hätte mir gewünscht, es hätte besser funktioniert. Ich war ja auch einer derjenigen, die sich dafür ausgesprochen haben, Martin als Trainer zu installieren", meint der Sportliche Leiter Wolfgang Guja. "Aber als Trainer ist man auch von Spielern und den Gegebenheiten abhängig." Und in dieser Beziehung lief alles gegen Weiß. Schon in der Vorbereitung hatte er phasenweise mehr Urlauber und Verletzte zu beklagen, als Spieler zur Verfügung. Dadurch war schon der Saisonstart negativ.

 

Die Mannschaft hatte früh kein Selbstvertrauen. Dazu kam, dass ausgerechnet die Stützen ausfielen. Andrey Nagumanov wurde nicht wie geplant fit, ist derzeit höchstens zu Kurzeinsätzen fähig. Kapitän und Abwehrchef Philipp Schropp fehlte zu Beginn der Saison verletzt, und jetzt ist er gesperrt. Ähnlich sieht es bei Cedric Weyreter aus. Er sollte mit Nagumanov die Schaltzentrale im Mittelfeld bilden, fiel lange aus und verletzte sich gleich wieder, als er einsatzfähig war. So war Weiß auf ganz wichtigen Positionen zum Improvisieren gezwungen. Nach dem schwachen Auftritt am Sonntag gegen den TSV Schornbach setzten sich die Verantwortlichen am Abend noch zusammen. "Vielleicht hilft es jetzt, wenn wir neue Wege gehen", sagt Guja. "Die Hoffnung ist immer da. Ein Impuls muss jetzt her."

Die beiden spielenden Co-Trainer haben bereits Chef-Erfahrung

Nagumanov und Daniel Alankus, die beiden spielenden Co-Trainer, übernehmen nun die Verantwortung. Beide haben auch schon Erfahrung als Cheftrainer gesammelt. Nagumanov beim TSV Obersontheim (Bezirksliga) und Alankus beim SV Dimbach (Kreisliga A) sowie beim FV Wüstenrot (Bezirksliga). "Wir stellen uns jetzt Veränderungen vor und schauen, ob es mit den beiden klappt", sagt Guja. "Aber es ist natürlich schon ein Unterschied, ob man Landes- oder Bezirksliga trainiert." Doch nicht nur das neue Trainerduo steht nun in der Verantwortung. Es ist eine Reaktion der Spieler gefordert - Weiß beklagte sich über mangelnde Einstellung und die Trainingsbeteiligung.

Der Trainerwechsel sollte nun ein Weckruf sein. "Es braucht mehr Eigenverantwortung, Intensität, Charakter und den Willen, sich zu quälen", sagt Guja. "Wenn ich in den Urlaub fahre, ist es immer auch die Frage, in welchem Zustand ich zurückkomme. Und wenn ich die Vorbereitung nicht dazu nutze, mir Substanz anzutrainieren, dann habe ich ein Problem. Auch was die Verletzungsanfälligkeit betrifft", kritisiert er die Spieler. "Es liegt aber auch am Trainer, das Feuer zu entfachen. Natürlich müssen sich die Spieler auch anzünden lassen." Und da gab es wohl auch Schwierigkeiten. So suchten die Verantwortlichen das Gespräch mit dem Team. "Andererseits nehmen sich auch Michael Carle und ich da nicht raus. Wir sind auch ein Bestandteil davon", sagt Guja. Gerade in Sachen Kaderzusammenstellung ging die TSG das Risiko ein, in erster Linie auf eigene Jugendspieler zu setzen. Das Problem ist eben, dass die Stabilisatoren fehlten.

Viele Spieler aus der eigenen Jugend

Ein Blick auf die Aufstellungen der vergangenen Wochen zeigt, dass die Hälfte der Mannschaft - oder sogar mehr - aus Spielern bestand, die in den vergangenen zwei, drei Jahren aus der Jugend aufrückten. Doch wegen der Saisonabbrüche durch die Corona-Pandemie fehlt ihnen die Wettkampfpraxis. "Das ist auch ein Stück weit Pech", sagt Guja. "Nichtsdestotrotz müssen wir mit Ausfällen zurechtkommen, den Jungs einen Plan geben." Ob es schon am Sonntag beim Gastspiel in Satteldorf neue Impulse gibt, wird sich dann zeigen.

Weiß ist von der Entscheidung enttäuscht

Martin Weiß war jedenfalls enttäuscht von der Entscheidung, die ihm am Montag mitgeteilt wurde. "Weil ich mich durch die letzten Wochen durchgekämpft habe und die Situation seit Vorbereitungsbeginn mit acht, neun, zehn Leuten im Training sehr bescheiden war", sagt Weiß. "In der Woche vor dem Derby gegen Pfedelbach waren sechs im Training. Ich hätte auch viel früher das Handtuch werfen können. Aber ich habe es mit Herz für den Verein gemacht. Es macht ja keinen Spaß, wenn man nicht auf den nächsten Gegner hinarbeiten kann, weil die Trainingsbeteiligung nicht stimmt. Noch dazu haben wichtige Spieler gefehlt." Auch er ist sich aber im Klaren, dass die Tabellensituation und auch teilweise die Leistungen nicht gut waren. Bei zwei Punkten nach zwölf Spielen werden dann auch mal die Verantwortlichen unruhig. "Das ist halt das Geschäft. Da bin ich als Trainer eben das schwächste Glied. Ich habe ja auch viel Zeit investiert und mich durchgebissen. Ich hätte mir da mehr Rückendeckung erhofft, wenn da die Stimmen von außen mal lauter werden."


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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