TSG Hoffenheim setzt bei der Suche nach Stabilität auf Glück und Geschick

Fußball  Beim Rückrunden-Auftakt gegen den 1. FC Köln treffen zwei Clubs aufeinander, die ihre Krise unter der Woche vorerst überwunden haben. TSG-Trainer Sebastian Hoeneß sieht Fortschritte in der Defensivarbeit.

Email

Endlich mal wieder obenauf: Die TSG Hoffenheim beim 3:0 in Berlin. Nun kommt am Sonntag der 1. FC Köln nach Sinsheim.

Foto: dpa

Bei Stürmern ist ja oft die Rede vom Ketchup-Flaschen-Effekt. Man wartet und wartet. Nix passiert. Es gelingt einfach kein Tor. Und dann kommt nach wenig urplötzlich ganz viel. Wie ist das aber bei einer Defensive wie jener der TSG Hoffenheim, die an den ersten 15 Bundesliga-Spieltagen immer mindestens ein Gegentor kassierte? Auf die Ketchup-Flasche übertragen heißt das: Der Deckel ist endlich mal drauf, fest verschraubt, endlich ist alles mal dicht.

Erst am 16. Spieltag blieb die Hoeneß-Elf beim 0:0 gegen Bielefeld ohne Gegentor, am 17. Spieltag (3:0 bei Hertha BSC) erneut. Was Trainer Sebastian Hoeneß seiner Mannschaft spendiert, wenn auf 180 Minuten ohne Gegentreffer an diesem Sonntag (18 Uhr/Sky) im Heimspiel gegen den 1. FC Köln das dritte Bundesligaspiel mit weißer Weste folgt? "Die Jungs haben da selber Bock drauf, die brauchen keinen Anreiz", sagt Hoeneß, der das "gute Gefühl" vom 3:0 aus Berlin mit in den Rückrunden-Auftakt nehmen möchte.

Nach Quarantäre und langwieriger Wadenverletzung ist Rechtsverteidiger Pavel Kaderabek zurück

Besonders groß dürfte die Lust bei einem sein. Pavel Kaderabek. Erstmals seit dem dritten Spieltag wird der tschechische Nationalspieler zum Kader gehören und wohl sein Comeback geben. Auf eine Corona-Quarantäne folgte eine hartnäckige Wadenverletzung mit langer Zwangspause. "Die vier Monate waren sicher keine einfache Zeit für ihn", sagt Hoeneß, der sich auf die Zweikampfhärte seines Rechtsverteidigers freut, der in den vergangenen Jahren stets als Leistungsträger gesetzt war, die rechte Seite auf und ab marschierte.

Kaderabek soll Teil sein des Hoffenheimer Stabilitätspakts. "Die Arbeit seit Beginn des Jahres 2021 trägt Früchte", sagt Hoeneß. Aufgrund der vielen Spiele gab es zuvor kaum Zeit und Raum, an der Problemzone hinten zu arbeiten. "Wir sind stabiler. Personell, von den Abläufen her", findet Hoeneß. Fußball ist eben auch ein Kopfspiel. Das Hoffenheimer Spiel werde automatisch besser, je länger man ohne Gegentor bleibt. Die es zuvor in Regelmäßigkeit früh setzte, was in Berlin Torwart Oliver Baumann mit seinem gehaltenen Strafstoß (12. Minute) verhinderte. Hoeneß sieht es im Gesamtzusammenhang: "Stabilität ohne Ball erleichtert das Spiel mit Ball. Und Spielglück ist eben auch sehr wichtig. Man hat gemerkt, wie wir uns minütlich daran hochgezogen haben."

Apropos Glück. Das hatte auch bei allem Verletzungspech Kevin Vogt. Die in Berlin erlittene Schulterverletzung des Abwehrchefs hat sich als nicht so gravierend erwiesen und damit auch Folgen für die Transferplanungen der TSG. "Wenn Kevin Vogt länger ausgefallen wäre, dann hätte man sich tatsächlich Gedanken machen müssen", sagt Sebastian Hoeneß, weil ja auch die Innenverteidiger Benjamin Hübner, Ermin Bicakcic und Kevin Akpoguma mittel- bis langfristig ausfallen.

Jacob Bruun Larsen steht vor einer Leihe zum RSC Anderlecht

Ein Winter-Abgang steht hingegen bevor: "Bei Jacob Bruun Larsen können wir es in den Raum stellen, dass es auf eine Leihe hinauslaufen wird", verriet Sebastian Hoeneß bei der digitalen Pressekonferenz. Der vor einem Jahr für neun Millionen Euro verpflichtete Offensivspieler steht vor einer Leihe zum belgischen Spitzenclub RSC Anderlecht. Bevor das Transferfenster am 1. Februar schließt, gastiert am Sonntag der 1. FC Köln in Sinsheim, der sich in ähnlicher Situation befindet wie die TSG Hoffenheim.

Unter der Woche wurde eine sportliche Krise mit einem glücklichen Auswärtserfolg (vorerst) beendet. Und damit auch (vorerst) die Diskussionen um die jeweiligen Trainer Markus Gisdol (Köln) und Sebastian Hoeneß (Hoffenheim). Hier wie dort ist vieles Kopfsache: "Sie hatten auch mental zu kämpfen, haben aber standgehalten", sagt Sebastian Hoeneß über das späte Kölner 2:1 bei Schalke 04. Beim TV-Studium ist dem TSG-Trainer aber nicht entgangen, "dass die Kölner bei beständigem Druck verwundbar sein können". Das gilt es nun zu nutzen. "Wir wollen am Sonntag unbedingt gewinnen", sagt Sebastian Hoeneß, der vor vier Monaten sein erstes Bundesligaspiel als Trainer mit einem 3:2-Erfolg beendete.

Rekord für Kramaric?

Trifft er schon wieder? Bei der TSG 1899 Hoffenheim werden am Sonntag gegen den 1. FC Köln noch mehr Augen als sonst auf Andrej Kramaric gerichtet sein. Der WM-Zweite von 2018 kann zum Rückrunden-Auftakt als erfolgreichster kroatischer Torschütze in die Bundesliga-Geschichte eingehen. Noch liegt er gleichauf mit Ex-Profi Ivica Olic (HSV, Bayern München, VfL Wolfsburg). Beide haben 72 Tore erzielt.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen