TSG gegen VfB: Ein wilder Ritt auf der Gefühls-Achterbahn

Fußball  Beim 3:3 zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart geht es hin und her bis zum späten Ausgleich. Für die Kraichgauer ist es am Ende eine gefühlte Niederlage.

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Nicht schwarz. Nicht weiß. Eine Punkteteilung, eigentlich ein Ergebnis aus dem Graubereich. Ohne Sieger oder Verlierer. Und doch waren die Emotionen direkt nach dem 3:3 zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart extrem. Bei den Kraichgauern war es "ein Gefühl wie eine Niederlage", so drückte es Torjäger Andrej Kramaric aus. Reichlich konsterniert waren die TSG-Profis nach dem Ausgleichstor von Marc Oliver Kempf in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Ein "brutaler Genickbrecher" sei das gewesen, beschrieb Trainer Sebastian Hoeneß seine Gefühlswelt. Stürmer Christoph Baumgartner sagte: "Der Ärger ist extrem." VfB-Verteidiger Kempf hingegen, der sein Team in der Offensive vor einer 2:3-Pleite im badisch-schwäbischen Prestigeduell bewahrt hatte, war "am Ende natürlich heilfroh, dass wir zumindest noch einen Punkt mitnehmen können". Besser als nichts.

Obwohl es nun schon das vierte Unentschieden in Folge für den Bundesliga-Aufsteiger war. Die Stuttgarter treten auf der Stelle.

Die immens coronageplagte TSG Hoffenheim hat den beinahe sicher gewähnten Befreiungsschlag doch noch verpasst. Nur zwei Punkte wurden in den letzten sechs Bundesligaspielen geholt.

 

"Wir müssen den Sieg einfach nach Hause bringen", haderte Torwart Oliver Baumann mit dem Spielverlauf am Samstagnachmittag. "Bei mir herrscht ganz klar Frust." Es gab für die Notelf der TSG, die personell den Virus-Trubel im Kraichgau widerspiegelte, kein Happy End nach einem wilden Ritt auf der Gefühls-Achterbahn.

Richtig schlecht war die Hoffenheimer Leistung in der ersten Halbzeit gewesen. Wäre Baumann nicht zum Retter geworden, als er einen Schuss von Silas Wamangituka famos ablenkte (39.), hätte die Partie vorentschieden sein können. 1:3 statt 1:2. Doch nach der Halbzeitpause lief plötzlich alles ganz anders. Ryan Sessegnon glich in der 48. Minute zum 2:2 aus. Andrej Kramaric sorgte in der 71. Minute mit einem sicher verwandelten Foulelfmeter für die 3:2-Führung. Die TSG war auf Drei-Punkte-Kurs.

Moral kombiniert mit einem Quäntchen Dusel

TSG gegen VfB: Ein wilder Ritt auf der Gefühls-Achterbahn

93. Minute, Torschütze Kempf jubelt, Gegenspieler Posch hadert.

Fotos: dpa

Bis eben Marc Oliver Kempf ganz spät das 3:3 schoss. Zwei Punkte waren futsch. "Das tut extrem weh", schilderte Christoph Baumgartner seine Empfindungen. Die Stuttgarter Profis konnten hingegen aufatmen. Mit viel Moral und einem Quäntchen Dusel in der Nachspielzeit hatten sie die drohende Niederlage verhindert und einen Auswärtspunkt geholt, immerhin. "Wir müssen auch glücklich darüber sein", meinte VfB-Torwart Gregor Kobel.

Als Baumgartner die TSG Hoffenheim in der 16. Minute überraschend in Führung geschossen hatte, wankten die Stuttgarter kein bisschen. Schon in der 18. Minute glich Nicolas Gonzalez aus, in der 27. Minute traf Silas Wamangituka zum verdienten 2:1 für den stark spielenden, klar besseren VfB. Aber dann kam die Halbzeitpause, dann kam der Bruch. "Wir haben nicht mehr so in unser Spiel gefunden", sagte Marc Oliver Kempf. Man habe "den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht".

Die Hoffenheimer waren wie verwandelt aus der Kabine gekommen, aggressiver und aktiver. Sie übernahmen schnell die Spielkontrolle. "Wir haben unser Herz in die Hand genommen, Eier gezeigt", beschrieb Christoph Baumgartner den Wandel.

Warum Sportchef Rosen stolz ist

TSG gegen VfB: Ein wilder Ritt auf der Gefühls-Achterbahn

Ein Zweikampf mit gleichen Mitteln − und am Schluss gleicher Punkte-Lohn für Hoffenheims Andrej Kramaric (links) und den Stuttgarter Wataru Endo.

Foto: dpa

Von Sportchef Alexander Rosen gab es spätabends im ZDF-Sportstudio ein Kompliment. "Diese Mannschaft zeigt Charakter." Er sei "wirklich auch ein Stück weit stolz", wie die Hoffenheimer Profis mit der hoch problematischen Coronavirus-Situation im Club umgegangen seien. Dennoch, es blieb ein "Ärgernis, dass wir dieses Spiel hinten raus noch abgegeben haben".

Es gibt sie momentan nicht, die ganz einfachen Schwarz-weiß-Wahrheiten. Nicht bei der TSG und nicht beim VfB, dem bei all den vielen Unentschieden die klare Richtung im Gefühlsleben fehlt.

Fakt ist: Die Stuttgarter haben auch nach dem badisch-schwäbischen Prestigeduell drei Punkte mehr in der Bundesliga-Tabelle.

 

Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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