Trifft Kramaric, kommen Punkte aufs Hoffenheimer Konto

Fußball  Beim 3:2-Comeback-Sieg gegen Gladbach wird einmal mehr deutlich, wie abhängig die TSG Hoffenheim von ihrem kroatischen Stürmerstar ist. Beim Kraichgauclub herrscht nach den Punkten 33,34 und 35 kollektive Erleichterung.

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Die zwei Matchwinner beim Jubeln: Pavel Kaderabek glänzte als Vorbereiter, Andrej Kramaric als Torschütze.

Foto: dpa

Die letzte Trainer-Anweisung des Abends sorgte nur noch für ein gequältes Lächeln. "Pavel, lach doch mal, freu dich", forderte Sebastian Hoeneß seinen Rechtsverteidiger namens Kaderabek auf, als er ihn am Mittwochabend nach Spielende innigst herzte. "Er war zu platt", erzählte Hoffenheims Trainer nach dem 3:2 (0:2) gegen Borussia Mönchengladbach. Zu müde zum Feiern. Pavel Kaderabek, der tschechischen Lokomotive, war der Strom ausgegangen bei den vielen Läufen die rechte Seite rauf und runter. Zwei davon hatten binnen fünf Minuten zu den Toren zum 2:2 (60./Ihlas Bebou) und 3:2 (65./Andrej Kramaric) geführt.

Der Trainer feiert die Tore emotional wie selten zuvor

Totale Erleichterung war das dominante Hoffenheimer Gefühl nach dem Comeback-Sieg. "Enorm wichtig, brutal", befand Kapitän Oliver Baumann. Emotional wie selten zuvor zelebrierte Sebastian Hoeneß die drei Tore seines Teams binnen 17 Minuten, die aus dem 0:2 das 3:2 machten.

Dieser TSG-Heimsieg war auch ein persönlicher Erfolg für den Trainer, der an der Wende beteiligt war. Mehr Überzeugung forderte er von seinen Mannen in der Halbzeitansprache: "Dann machen wir auch das erste Tor. Das war die Botschaft." Sie kam an. "Wir haben ein paar Feinheiten besprochen, uns noch einmal gepusht", sagte Florian Grillitsch über die Situation in der Kabine. Grillitsch und Co. sei klar gewesen: "Wenn wir ein frühes Tor machen, dann können wir das Spiel noch drehen." Das frühe Tor, Andrej Kramaric erzielte es mit seinem 1:2 in der 48. Minute. "Natürlich mit Glück, aber mutige Leute haben dann auch mal Glück", sagte der Stürmer hinterher über seinen Schuss, der vom Pfosten ins Tor prallte. Es ist vor allem Können, das den kroatischen Nationalstürmer auszeichnet. Nie war die TSG Hoffenheim abhängiger vom Wohl und Wehe eines einzelnen Akteurs.

Hoffenheim hat eine kroatische Lebensversicherung

Der Blick auf die Zahlen verdeutlicht seine Rolle als Hoffenheimer Lebensversicherung. 14 seiner nun 16 Ligatore verhalfen der TSG Hoffenheim zu Punkten. Bei sieben der neun TSG-Saisonsiege taucht in der Statistik der Name Kramaric als Torschütze auf. Gegen Gladbach erneut als Doppelpacker.

Trifft der Kroate, kommen Punkte aufs Konto. Der 29-Jährige war außer beim 4:0 gegen Werder Bremen, als er nur 29 Minuten auf dem Platz stand, an jedem der neun Bundesligasiege als Scorer beteiligt. Entweder durch Tore oder Vorlagen. Hoffenheim ohne Kramaric? Ein Horrorszenario, das möglicherweise nach dieser Saison droht, falls er ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages auf einen Abschied drängen sollte. "Das waren große drei Punkte, die anderen da unten haben gewonnen", sagte Kramaric hinterher mit dem Blick auf die Tabelle: "Es war die Situation, dass wir gewinnen müssen."

Das Halbzeitergebnis als "Farce"

In mehr als 500 Spielminuten zuvor hatte die TSG Hoffenheim zuletzt lediglich zwei Tore zustande gebracht, sich darauf fokussiert, in der Defensive nichts zuzulassen. Das klappte eigentlich auch gegen Gladbach. Mit Ausnahme von zwei Situationen, in denen Stefan Posch gegen Marcus Thuram, der den Österreicher in der Hinrunde noch bespuckt hatte, ganz schlecht aussah. Alassane Plea (25.) und Valentino Lazaro (45.+1) trafen so zur schmeichelhaften Gladbacher 2:0-Führung. "Wir machen auch in den ersten 45 Minuten ein gutes Spiel. Nur das Ergebnis war eine Farce", sagte Sebastian Hoeneß.

Nun reichten 17 Minuten für drei Treffer und ein "historisches Comeback", wie es Sebastian Hoeneß formulierte, weil sein Team aus einem 0:2 ein 3:2 machte, was Hoffenheim im eigenen Stadion zu Bundesligazeiten noch nie gelungen war.

Das Ende aller Sorgen?

Genügen 35 Punkte nun auch für den Ligaverbleib, einen sorgenfreien Blick auf die finalen vier Saisonspiele gegen Freiburg, Schalke, Bielefeld und Hertha? "Es kann nicht sein, dass wir in großer Not sind und ein Spieltag später ist alles in Ordnung", kritisierte Hoeneß die externe Wahrnehmung der TSG. Was dagegen hilft? Weitere Punkte. Am besten schon am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim SC Freiburg.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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