Testlauf in Stuttgart und Sinsheim: Fans sind zurück, die Disziplin nicht immer

Fußball  Die Konzepte der beiden Bundesligisten VfB Stuttgart und TSG Hoffenheim für die Zuschauerrückkehr geben längst nicht allen ein sicheres Gefühl.

Email

S. Schumacher

Foto: Huber

Die Luft knistert, sie vibriert. Das haben Michael und Daniel Feller schon auf dem Weg zum Stadion gespürt: "Diese Atmosphäre ist unbezahlbar, das wird im Fernsehen nicht transportiert", sagt der 49-jährige Daniel Feller, der mit seinem drei Jahre älteren Bruder Michael aus Aidlingen "das erste Mal seit sicher zwei Jahren" wieder in der Mercedes-Benz-Arena bei einem Heimspiel des VfB Stuttgart dabei ist. Beide stehen in der Nähe eines Stadionkiosks und haben jeweils einen Plastikbecher mit Bier in der Hand, sehen unter dem Mund- und Nasenschutz glücklich aus.

"Ich freue mich auf das Spiel an sich, das Grün des Rasens, die tolle Mannschaft", fasst Daniel Feller, der wie sein Bruder VfB-Mitglied ist, die Sehnsucht in Worte. Endlich wieder viele Fans im Stadion, ausverkauft: 25 000 geimpfte, getestete und genesene Zuschauer sind am Samstagabend Augen- und Ohrenzeugen des Tests der Stuttgarter gegen den FC Barcelona. Doch den beiden Geimpften ist unwohl bei der Sache.

Sechs, sieben dicht stehende Reihen von Fans

"Richtig wohl fühle ich mich gerade nicht", sagt Michael Feller und deutet auf die sechs, sieben dicht stehenden Reihen von Fans, die auf die Ankunft der beiden Barca-Busse warten. "Ich dachte, wenn das Stadion nur halbvoll ist, trifft man groß keine Fans." Die Aufforderung ist klar formuliert und vertraut: "Abstand halten außerhalb des eigenen Sitzplatzes", ist immer wieder auf den Anzeigetafeln zu sehen und über die Lautsprecher zu hören. "Wie man sieht, gibt es unterschiedliche Stufen der Disziplin", sagt Daniel Feller.

Der Stimmung während des Spiels tut das freilich keinen Abbruch. Alle erheben sich in der elften Minute beim Mitmachklassiker "Steht auf, wenn ihr Schwaben seid!", singen mit Freude "Ohne Messi, habt ihr keine Chance", bedenken eine schöne Aktion mit warmem Applaus - all das hat solange so gefehlt. "Es hat Spaß gemacht", sagt VfB-Kapitän Pascal Stenzel nach der 0:3-Niederlage, "vor allem, wieder vor Zuschauern zu spielen. Die Stimmung war super."

Guter Testlauf in Sachen Organisation bei Hoffenheim

Wenige Stunden zuvor in Sinsheim gibt Stadionsprecher Mike Diehl das Motto des Nachmittags aus: "Wir sind zwar nicht viele, aber wenigstens ein paar." Ein paar, das sind genau 3419 Zuschauer bei der Saisoneröffnung der TSG Hoffenheim. Mehr als 15 000 wären möglich gewesen, die gegen Union Berlin in rund drei Wochen beim ersten Bundesliga-Heimspiel dann dabei sein sollen. "Für uns ist das ein guter Testlauf in Sachen Organisation", sagt Hoffenheims Geschäftsführer Denni Strich.

Das Badnerlied vor Anpfiff hat Mitsänger. Einer von ihnen ist Sven Schumacher aus Neckarbischofsheim. "Endlich bin ich mal wieder in meinem zweiten Wohnzimmer", sagt der TSG-Fan, der den Ablauf rund um die Überprüfung des Test/-Impf-/Genesen-Nachweis lobt: "Das hat alles reibungslos geklappt." Für Fans mit digitalem 3G-Nachweis existiert am Stadion-Eingang eine "Überholspur". Mit Freikarte hat sich Jacqueline Wörner aus Ellhofen auf den Weg nach Sinsheim gemacht. "Anfeuern vor Ort ist eben ganz anders als daheim", sagt sie. Hoffnung auf ein bald wieder mit mehr als 30 000 Fans komplett gefülltes Stadion hat sie nicht: "Die vierte Corona-Welle spricht dagegen."


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen