Stuttgarter Lernprozesse in den Bonusspielen

Fußball  VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo darf denk des bereits gesicherten Bundesliga-Klassenerhalts schon an die nächste Saison denken. Es stellt sich die Frage: Spielt Kapitän Gonzalo Castro deshalb nicht mehr von Beginn an?

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Die Wege trennen sich: Der Stuttgarter Kapitän Gonzalo Castro (links) und Trainer Pellegrino Matarazzo hatten sich nach dem 1:3 nicht viel zu sagen.

Foto: dpa

Auf dem Gesicht von Pellegrino Matarazzo ließ sich die gesamte Bundesliga-Saison des VfB Stuttgart ablesen. Es war alles dabei: Lächeln, lachen, strahlendes Nicken. Aber auch grimmiges Kopfschütteln, taxierendes Kopfwackeln und eine Stirn in Falten. Auf den Bildschirmen der Presseplätze in der Mercedes-Benz-Arena waren die Interviews nach der 1:3-Heimniederlage des VfB Stuttgart gegen den VfL Wolfsburg zu sehen - aber nicht zu hören. Der Trainer der Gastgeber nahm sich Zeit für seine Antworten. Was er wohl gefragt worden war? Und was er entgegnete?

Es war in dieser Saison alles dabei beim VfB: Grandiose Siege wie das 5:1 bei Borussia Dortmund. Klare Niederlagen wie das 0:4 gegen den FC Bayern München. Und Spiele irgendwo dazwischen, wie das am Mittwochabend gegen die hungrigen Wölfe. Es war nicht alles schlecht bei der Mannschaft von Pellegrino Matarazzo. Aber es war auch nicht alles gut. Weshalb die Stuttgarter, die vor einem Jahr um den Aufstieg bangen mussten, nach 30 Spieltagen als Aufsteiger ziemlich genau in der Mitte der Tabelle stehen, auf Platz zehn. Mit nach wie vor 39 Punkten.

Geht dem VfB im Endspurt die Luft aus?

Schon den dritten Spieltag in Serie warteten sie vergeblich auf den 40. Punkt. "Den habe ich nie als Ziel ausgegeben", sagte Pellegrino Matarazzo mit sachlicher Miene später in der Pressekonferenz, die mit Bild als auch Ton in die Arena übertragen wurde. "Vielleicht ist das beim einen oder anderen Spieler eine imaginäre Hürde." Ob seiner Mannschaft im Saisonendspurt die Luft ausgeht? "Ich hoffe nicht", sagte der Coach, lächelte und schob nach: "Wir wollen weiter Gas geben." Auch in den letzten vier Spielen, also am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) in Leipzig, dann zu Hause gegen den FC Augsburg, bei Borussia Mönchengladbach und abschließend gegen Arminia Bielefeld.

Es sind Bonusspiele für den VfB, weil er nach allem, was die Historie der Bundesliga lehrt, weder absteigen, noch kommende Saison im Europapokal spielen wird. Matarazzo darf also schon an die nächste Saison denken, Versuchsanordnungen testen. Auffallend: Erneut stand Kapitän Gonzalo Castro nicht in der Startelf; das ist so, seit klar ist, dass der 33-Jährige beim VfB keine Zukunft hat. Dass ihm mit einem abgefälschten Schuss in der Nachspielzeit der Ehrentreffer gelang - womöglich Zufall. Wahrscheinlich auch, dass sich Kapitän und Trainer nach dem Schlusspfiff nichts zu sagen hatten, sich kurz umarmten und rasch voneinander abwandten.

Taktische Gründe sprechen für die anderen

"Es hat nicht mit seiner nicht erfolgten Vertragsverlängerung zu tun", versicherte Pellegrino Matarazzo später mit einem Vertreterlächeln. Es habe taktische Gründe gehabt, warum er Naouirou Ahamada (19) und Mateo Klimowicz (20) beginnen ließ. Stürmer Sasa Kalajdzic hatte jedenfalls "einen Riesenhals" nach der Niederlage, sprach von den Wolfsburgern als abgezockte Truppe: "Für uns gehören solche Spiele zum Lernprozess dazu." Philipp Förster, der einen Strafstoß verschoss, sagte es so: "Wolfsburg war reifer als wir." Pellegrino Matarazzo hätte diese Worte mit stummem Nicken kommentiert.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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