So lief das Spiel für den Heilbronner Trainer Rüdiger Rehm

Fußball  Der Heilbronner Fußballtrainer Rüdiger Rehm triumphiert mit dem Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden erneut über seine Jugendliebe VfB Stuttgart.

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Jaaaaaa! Rüdiger Rehm freut sich über den wichtigen Sieg.

Foto: dpa

Die Siegesfeier fiel klein und intim aus. Rüdiger Rehm war ja der einzige Gast. Der Trainer des SV Wehen Wiesbaden nutzte den Sonntagabend für die sofortige Video-Analyse des 2:1-Sieges gegen den VfB Stuttgart.

So verzichtete er trotz des Endes der Team-Quarantäne auf die Heimfahrt zur Familie im Unterland. Etwas zu Essen und Trinken holte sich der 41-jährige Heilbronner in seine Wiesbadener Wohnung. Dinner for One.

Der echte VfB-Killer

Im Kraichgau gibt es die HSV-Killer des VfB Eppingen, das Unterland hat nun einen echten VfB-Killer. Zum zweiten Mal in dieser Saison hat Fußballtrainer Rüdiger Rehm mit seinem SV Wehen Wiesbaden den VfB Stuttgart mit 2:1 besiegt.

VfB-Killer, das ist nichts, was der Fußballlehrer auf ein T-Shirt gedruckt sehen will. "Ich freue mich einfach über die drei Punkte, da ist es mir eigentlich egal, gegen wen wir die Punkte holen." Für den Aufsteiger waren es die Zähler 26 bis 28. Auf Relegationsrang 16 ist das rettende Ufer für die Hessen aktuell in greifbarer Nähe. Für den Klassenerhalt müssen dieses Jahr vielleicht tatsächlich mal 40 Punkte her.

Heidenheim, SV Sandhausen und Hamburger SV heißen die nächsten Gegner.

Umstrittener Hand-Elfmeter hilft

"Der Anfang war glücklich, das Ende auch", fasste Wehens Trainer den Sonntagnachmittag gegen den VfB zusammen. Zu Spielbeginn vergaben die Schwaben zu viele Chancen, am Ende half Wehen ein umstrittener Hand-Elfmeter durch den Video-Schiedsrichter. Den Stuttgarter Frust über den späten Pfiff konnte Rehm nachvollziehen.

Schließlich wurde er mit seinem Team schon drei, vier Mal Opfer später Video-Entscheidungen. "Es muss ein klarer Elfer sein. Wenn es strittig ist, dann darf es nicht so lange dauern. Dadurch ist es sehr ärgerlich für den VfB", sagte Rüdiger Rehm.

Mehr als 200 Nachrichten für Rehm

Etwa 200 Nachrichten sind bis Sonntagabend auf Rehms Handy eingetrudelt, alle hatte er noch gar nicht gelesen. Nicht nur Gratulationen waren dabei, Rüdiger Rehm kennt viele VfB-Fans, er war ja in jungen Jahren selbst einer.

180 Minuten Zweitliga-Fußball, also das Duell Stuttgart gegen Wehen Wiesbaden in der Hin- und Rückrunde, haben sonderbare Zahlen produziert. 51:18 Torschüsse für Stuttgart, 76 Prozent Ballbesitz für den VfB. Aber zwei Mal null Punkte für den haushohen Aufstiegsfavoriten mit dem besten und teuersten Spielerkader.

In den vergangenen 19 Zweitligaspielen hat der SVWW nur einen Punkt weniger geholt als der VfB Stuttgart. Dass Wehen im Keller der Tabelle steckt, liegt am schlechten Start in die neue Liga. "Es zeigt aber auch, wie wahnsinnig ausgeglichen diese 2. Liga ist", sagt Rehm.

Ausgleich mitverschuldet?

Gegen den VfB waren die Hessen dieses Mal auf Augenhöhe. Rüdiger Rehm ärgerte sich in der Schlussphase über sich selbst, weil er den Ausgleich mitverschuldete. "Fast wäre mir die Möglichkeit der fünf Wechsel zum Verhängnis geworden." Er zögerte einen Wechsel hinaus, exakt über diese Seite fiel dann das Stuttgarter 1:1 durch Nicolas Gonzalez (84.).

Nach 97 Minuten jubelte Rehm - mit Abstand zu den Teamkameraden. In diesen besonderen Zeiten freut sich der Fußballlehrer aber mindestens genauso, "dass mein Sohn wieder bei seinem Fußballverein ins Training darf". Und dann hat der VfB-Fan in Rehm noch einen Wunsch für den weiteren Saisonverlauf, der sich nicht auf den Klassenerhalt seines SV Wehen Wiesbaden beschränkt. "Ich wünsche mir, dass der VfB aufsteigt und nicht die Punkte, die er gegen uns hat liegenlassen, den Ausschlag geben." Damit dürften dann auch all jene zufrieden sein, die sich bei Rehm über die Stuttgarter Niederlage beschwerten.

VfB Stuttgart: Kobel - Phillips (58. Stenzel), Kempf, Kaminski - Förster, Endo, Castro (73. Massimo), Wamangituka (73. Klimowicz) - Didavi (64. Klement), Gonzalez - Gomez (58. Al Ghaddioui).

Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel).

Tore: 1:0 Schäffler (50.), 1:1 Gonzalez (83.), 2:1 Tietz (90.+7/Handelfmeter).


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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