So gehen die Kraichgau-Clubs mit dem Saison-Abbruch um

Fußball  Das beschlossene Saison-Aus im Amateurfußball überrascht im Kraichgau niemanden, hat mitunter aber Konsequenzen. Der Blick geht bei den meisten Clubs nach vorne.

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Es kam wie überall erwartet: Die Saison im Amateurfußball ist abgebrochen, soll im Sommer bei Null gestartet werden. Nachvollziehbar finden das die meisten Vereine und hoffen auf Besserung ab Sommer.

Foto: imago images/Noah Wedel

Die Saison im Amateurfußball ist abgebrochen, die Runde annulliert: Auch für die Vereine im Raum Sinsheim ist es das erwartete Ende. Mit ganz unterschiedlichen Konsequenzen, unterschiedlichen Meinungen. Ein Überblick:

Landesliga

Die Sinsheimer Vertreter haben es in der Landesliga naturgemäß schwer, so waren auch die drei aktuellen Vereine aus Neckarbischofsheim, Kürnbach sowie Steinsfurt akut vom Abstieg bedroht. Nach dem Abbruch dürfen alle drei sicher bleiben - sofern sie denn wollen. Im Fall von Neckarbischofsheim war jedoch klar: Der Club würde sich freiwillig zurückziehen, sollte die Runde annulliert und der Abstieg erneut ausgesetzt werden. Den nötigen Antrag dafür hat Herbert Heer bislang zwar noch nicht gestellt - lässt daran jedoch kaum Zweifel. "Es ist zu 99,9 Prozent sicher", sagt der TSV-Manager. Grund ist der enorme Aderlass, neben ihrem Spielertrainer-Duo Oliver Mahrt und Benjamin Huwer verlieren die Neckarbischofsheimer im Sommer auch Marcel Schaardt und Torwart Dennis Weis. Die Mehrheit der verbliebenen Spieler plädiert dafür, in der Kreisliga anzutreten. "Das nehmen wir ernst", sagt Heer.

Steinsfurt und Kürnbach wollen sich erneut in der Landesliga beweisen. "Für uns als Kürnbach ist es ein Privileg, überhaupt in der Landesliga spielen zu dürfen", sagt der Vorsitzende Marcel Genc. Als tragende Stütze der Mannschaft weiß der Mittelfeldspieler auch: Die Jungs haben Lust auf die Herausforderung. "Wer weiß schon, ob wir jemals wieder in der Landesliga spielen dürfen."

Kreisliga

Den ersten Platz hätte SV Rohrbach/S. schon gerne verteidigt. "Aber wenn wir dann Erster geblieben wären, hätten wir uns sicher nicht als Meister gefühlt", sagt Trainer Joachim Heger. Der Aufstieg sei ohnehin kein Muss gewesen - "wir standen wesentlich besser da, als es nach dem Umbruch mit dieser jungen Mannschaft zu erwarten gewesen wäre." In der Summe: kein Beinbruch also. "Es gibt andere Vereine, die viel investiert haben, die trifft es schlimmer."

Gut getroffen hat es das Schlusslicht Eppingen II: Der VfB bleibt nun in der Liga. "Ich hoffe, wir hätten es auch anders geschafft", sagt Trainer Detlef Liehs. "Bei den wenigen Spielen wäre es aber schwer geworden."

Kreisklasse A

Der FVS Sulzfeld fühlt sich als einer von vielen Verlierern. "Wir alle sind Verlierer", meint Vorsitzender Bernd Hildebrand. Mit Blick auf die Coronapolitik im Lande sagt der Einzelhändler: "Das läuft alles völlig aus dem Ruder." Ihm wäre am liebsten, man würde einen Resetknopf drücken und noch einmal neu überlegen und sehen, welche Maßnahme was gebracht hat - und eben was nicht. Seine größte Sorge: Dass die Vereine nach Corona kaum mehr auf die Beine kommen. "Das ganze Vereinsleben ist nachhaltig ins Wanken geraten." Ob man aufsteigt oder nicht: Das sei das kleinste Problem.

Kreisklasse B1

Es gab wohl niemanden mehr, der den Hauch eines Zweifels am Aufstieg des TSV Dühren in die A-Klasse gehabt hat. Acht Spieltage waren in der abgebrochenen Saison zwar erst absolviert, aber das Team des Trainertrios Rico Unser, Yannick Heinlein sowie Marvin Ziegler hat die Klasse mit ihrer enormen Qualität dominiert. Auch in der kurzen Phase gelang es den Dührenern, den Verfolgern schon um sieben Punkte zu entfliehen. "Die Stimmung im Verein war so gut wie lange nicht", sagt der Vorsitzende Michael Baumgartner. Umso größer fällt die Enttäuschung aus über das Aus der Saison. "Wir können diese Entscheidung aber nachvollziehen", sagt der Vorsitzende des TSV. "Es waren erst acht Spieltage gespielt. Wäre die Entscheidung acht Spieltage vor Ende der Runde so gefallen, hätten wir uns aufgeregt." Sie nehmen es sportlich, wollen es halt nächste Saison erneut angehen. Von Heinlein einmal abgesehen, der zum FC Zuzenhausen zurückgeht, bleibt die Mannschaft zusammen.

Kreisklasse B2

Pech für den SV Grombach: Wäre der Aufstieg in der Spielgemeinschaft mit Kirchardt geglückt, hätte der Verein der ab Sommer wieder eigenständig unterwegs ist, mit seinem Trainer-Duo Alexander Breunig und Detlef Liehs in der A-Klasse antreten dürfen. Kein Drama, findet Liehs, der vom VfB Eppingen kommt. "Das Ganze ist von Anfang an Liga unabhängig geplant gewesen." Ziel des SV sei, junge Spieler zu entwickeln.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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