Sehnsucht nach der Rückkehr auf den Fußballplatz

Fußball  Amateure wollen zurück auf das Spielfeld. Eine Studie zeigt große Identifikation mit den Vereinen.

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Noch gibt es dunkle Wolken am blauen Himmel. Doch nach dem Öffnungs-Stufenplan dürfen die Sportplätze bald wieder bevölkert werden − je nach Inzidenzwerten. Den Anfang macht der Nachwuchs.

Foto: dpa

Der Deutsche Fußballbund (DFB) versucht den Druck auf die Politik zu erhöhen. "Unsere Fußballspieler wollen zurück auf den Platz. Die Sehnsucht nach dem Fußball, nach den Vereinen, nach dem gesellschaftlichen Leben ist riesig", sagte DFB-Präsident Fritz Keller am Montag auf einer virtuellen Pressekonferenz.

Seit November liegen die Sportplätze praktisch brach. Rund 140.000 Mannschaften in Deutschland warten auf eine Rückkehr aufs Feld. Eine kleine Perspektive, zumindest bald wieder trainieren zu können, gibt es durch den Lockerungs-Stufenplan. Allerdings wird es zunächst regional große Unterschiede geben.

Der Basisfußball leidet unter der Corona-Krise

"Das an vielen Stellen prognostizierte Untergangsszenario gibt es für den Amateurfußball nicht. Klar ist aber auch: Der Basisfußball ist gezeichnet von der Corona-Krise", sagte der für den Amateurfußball zuständige Vizepräsident Rainer Koch. "Der Patient aber liegt nicht auf der Intensivstation. Er sitzt im Wartezimmer der Politik." Allerdings verschlechtert sich sein Zustand, je länger der Lockdown andauert. "Auch der Letzte muss jetzt verstehen, dass wir rasch wieder den Fußball brauchen, den wir alle so sehr lieben", sagte Koch.

Ein klares Öffnungsszenario gibt es momentan allerdings nicht. Für Keller sind neben den Hygienekonzepten die Corona-Tests ein wichtiges Mittel, um wieder auf die Plätze zurückkehren zu können und um vielleicht sogar einen Spielbetrieb mit Zuschauern zu ermöglichen. "Der organisierte Fußball kann, wenn er darf, zur Normalisierung beitragen", sagte Keller. "Wir bieten die Infrastruktur." Und Koch fügte hinzu: "Der Amateurfußball ist kein pandemisches Problem, sondern fester Teil der Lösung." Eben durch die Tests. Zudem seien Sportler daran gewöhnt, sich an Regeln zu halten. "Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass das Infektionsrisiko während des Fußballspielens sehr, sehr gering ist", sagte Keller. "Offenbar liegt die Hauptquelle außerhalb des Platzes. Fußball ist eine Sportart mit sehr wenigen und kurzzeitigen Kontakten und damit keine Kontaktsportart."

Aktuell noch keine Sorgen vor großem Mitgliederschwund

Beruhigend für die Vereine dürften die Zahlen sein, die bei einer DFB-Umfrage mit 100000 Teilnehmern aus allen Bereichen des Fußballs auf den Tisch kamen. Zwar leiden die Vereine unter erheblichen finanziellen Belastungen, doch Sorgen um einen großen Mitgliederschwund müssen sie sich derzeit noch keine machen.

So gaben 98 Prozent an, den Amateurfußball zu vermissen. Ein Großteil davon nicht nur den sportlichen sondern auch den gesellschaftlichen Teil. 83 Prozent der Befragten gaben an, sobald es wieder erlaubt ist, aktiv in den Verein zurückzukehren. Bei elf Prozent ist die Rückkehr wahrscheinlich. Auch 88 Prozent der Eltern wollen ihre Kinder sofern möglich, zum Fußball schicken.

Eines ist den DFB-Bossen aber klar. Sollten die Inzidenzzahlen weiter steigen, "haben wir wieder die Füße still zu halten", sagte Keller.

 


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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