Sebastian Hoeneß und Co. sind auf dem richtigen Weg

Fußball  Erfolgserlebnisse wie gegen die Bayern lassen bei der TSG Hoffenheim das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen. Am Samstag kann der Sieg veredelt werden, wenn es zur Frankfurter Eintracht geht.

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Ein Fingerzeig an die Konkurrenz und die eigenen Spieler: Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß beim 4:1 der TSG gegen den FC Bayern.

Foto: dpa

Zum 16. Mal seit 1899 ist eine Fußball-Mannschaft aus dem kleinen Sinsheimer Teilort Hoffenheim Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. Das ist am zweiten Spieltag nicht ganz so viel Wert wie am 34., ganz klar. Weitaus wertvoller kommt so etwas aber in Zeiten daher, in denen eh immer die Bayern Meister werden und im Briefkopf der TSG 1899 Hoffenheim noch ein bisschen Weißraum vorhanden ist: Bayern-Besieger 2017, 2018, 2019, 2020 - in jedem der vergangenen Jahre hat es der Kraichgauclub geschafft, den FC Bayern München in einer Bundesligapartie zu bezwingen.

Der Platz an der Tabellenspitze war TSG-Trainer Sebastian Hoeneß am Sonntagabend gar nicht so recht. In jedem Text, der in dieser Woche irgendwo gedruckt oder im Internet über die TSG Hoffenheim erscheint, steht nun auch zwangsläufig das Wort "Tabellenführer" drin. "Mir bedeutet das gar nix, mir wäre es lieber gewesen, wenn wir Zweiter sind", sagte Sebastian Hoeneß. Zu viel Aufmerksamkeit kann halt auch ablenkend wirken.

Die Tabellenführung ist für den neuen Trainer irrelevant

Erster? Für Hoeneß irrelevant: "Das ist gerade nicht interessant." Bloß nicht durchdrehen, bloß nicht abheben, diese Devise vermittelte er bei aller sichtbarer Freude über dieses 4:1 seiner Mannschaft gegen den FC Bayern München. "Es wird jetzt die Kunst sein, das richtig einzuordnen", sagte Hoeneß. Weil die Dauerspieler und -sieger müde wirkten. "Man hat natürlich gemerkt, was den Bayern in den Knochen steckte", sagte Dennis Geiger.

Sebastian Hoeneß verwendete am Sonntag hinterher auffallend häufig die Wörter "Prozess" und "Weg". Es geht ja darum, alle anderen vom eigenen Tun zu überzeugen - und vielleicht auch ein bisschen sich selbst als Neuling in der ersten Liga. "Wir sind mitten in einem Prozess, aber das stärkt uns natürlich in diesem Prozess", sagte Hoeneß: "Dieser Erfolg bedeutet mir erstmal, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Das sehen auch seine Spieler so. Kevin Vogt lobte: "Bei uns war wichtig, was uns der Trainer mitgegeben hat, immer wieder mal den Rhythmus zu wechseln. Die Kunst war es, tief verteidigen zu müssen, aber nicht passiv zu werden."

Eine Aufgabe, an der zuletzt ja ziemlich ruhmreiche Kontrahenten in der Champions League krachend gescheitert waren.

Kramaric: Unser Trainer hat uns genau richtig eingestellt

Doppel-Torschütze Andrej Kramaric befand: "Unser Trainer hat uns genau richtig eingestellt. Wir haben gezeigt, dass wir auch gegen die Besten der Welt mithalten können."

Ob das nun auch am nächsten Samstag (15.30 Uhr/Sky) der Fall sein wird, wenn es zur Frankfurter Eintracht geht? Man könne dort den Sieg veredeln, merkte Hoeneß an, der einfach nur mit der TSG Hoffenheim dort weitermacht, wo das Interimstrainerteam im Saisonendspurt aufgehört hat.

Hübners Absenz fiel bisher nicht ins Gewicht

Hoeneß muss kein Moderator eines Umbruchs sein wie sein Vorgänger Alfred Schreuder, keinen Neuaufbau leiten. Dazu ist Andrej Kramaric topfit und gerade der treffsicherste Bundesligastürmer. Der Vorjahres-Rekordeinkauf Diadie Samassekou zeigte gegen das Münchner Starensemble, warum die TSG vor einem Jahr zwölf Millionen Euro für ihn bezahlte.

Der Hoffenheimer Kader ist so breit aufgestellt wie wohl noch nie zuvor, auf der Bank sitzt noch viel Offensiv-Qualität, die als Joker ran durfte (Ihlas Bebou, Mijat Gacinovic) oder nur zuschaute (Ishak Belfodil, Jacob Bruun Larsen). Die Absenz des oft unersetzbaren Benjamin Hübner fiel in den ersten Spielen nicht ins Gewicht. Ist es somit ein Versprechen oder gar eine Drohung, wenn Sebastian Hoeneß feststellte: "Wenn wir so spielen, dann können wir gegen jeden Gegner Punkte holen."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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