Schnelles Wiedersehen mit Marcel Rapp

Fußball  Der ehemalige Hoffenheimer U19-Trainer Marcel Rapp ist seit gerade einmal drei Wochen Zweitliga-Trainer von Holstein Kiel. Am Dienstagabend (18.30 Uhr) gastiert er mit seinem neuen Team als Außenseiter im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals bei der TSG Hoffenheim.

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Marcel Rapp will mit Zweitligist Holstein Kiel im Pokal seinen alten Arbeitgeber TSG Hoffenheim ärgern. Foto: dpa

Wie heißt noch gleich der in internationalen Wettbewerben erfolgreichste Hoffenheimer Trainer? Nein, Julian Nagelsmann ist es nicht. Wer dann? Die Antwort lautet Marcel Rapp. 2019 führte er die U19 der TSG Hoffenheim ins Halbfinale der Youth League, dem Uefa-Nachwuchsfußball-Pendant der Champions League.

Bis vor wenigen Wochen wirkte der 42-Jährige als Cheftrainer der U19, immer im langen Schatten der Profis. Seit Anfang Oktober ist Marcel Rapp nun Cheftrainer des Zweitligisten Holstein Kiel. Am Dienstagabend (18.30 Uhr/Sky) gastiert er mit seinem neuen Verein für das Zweitrundenspiel im DFB-Pokal in Sinsheim. Für wen macht das Wiedersehen mehr Spaß?

"Wir wollen den Pokalwettbewerb auch einmal nutzen, um für uns zu werben", sagt Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß. Das gelang in der Vorsaison nicht wirklich. In Runde zwei kam daheim das Aus im Elfmeterschießen gegen Greuther Fürth, einen Zweitligisten.

Ein Unentschieden wird es dieses Mal nicht geben

Fürth ist mittlerweile Erstligist, Kiel hingegen steht aktuell nur auf Rang 15, als Fast-Aufsteiger der Vorsaison. Deshalb ist Marcel Rapp vor etwas mehr als drei Wochen aus dem Kraichgau in den hohen Norden gewechselt. Er ist noch unbesiegt, aber auch ohne Erfolgserlebnis. In Ingolstadt und gegen Darmstadt gab es jeweils ein Zweitliga-1:1. Eins ist sicher: Unentschieden endet das Pokal-Duell keinesfalls. Ist Rapp im Vorteil, weil er die TSG besser kennt als umgekehrt? "Ich weiß vielleicht einen Tick mehr im Detail", sagt er: "Aber trotzdem spielt Andrej Kramaric genauso gut, wie wenn ich ihn nicht kennen würde."

Mit dem Übergang aus dem Jugend- in den Aktivenbereich hat sich der Pforzheimer Zeit gelassen. "Ich hatte seit zwei, drei Jahren erwartet, dass er da oben reinrutscht", sagt Marcel Busch, Trainer der Neckarsulmer Oberliga-Fußballer über seinen Freund und Ex-Mitspieler Rapp. Der hatte bei Angeboten immer auch die Familie und die Arbeitsplatz-Zufriedenheit im Kopf. "U19-Trainer in Hoffenheim ist schon ein außergewöhnlich guter Job", sagt Rapp. Und eben auch ein Sprungbrett.

Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco, Pellegrino Matarazzo haben es beispielsweise erfolgreich benutzt. Marcel Rapp schnupperte nach der Entlassung von Alfred Schreuder im Sommer 2020 interimsweise für vier Spiele Bundesligaluft in einem Team um Sportdirektor Alexander Rosen. Formal war Rapp als Fußballlehrer sogar der Chef - und ist damit Vorgänger von Sebastian Hoeneß, dem aktuellen Bundesliga-Cheftrainer.

Der Kontakt Hoeneß-Rapp war nicht so eng

Aufgrund der zwei räumlich getrennten Standorte, die Profis trainieren in Zuzenhausen, die U19 in Hoffenheim, sei der Kontakt zu Rapp nicht so eng gewesen, sagte Sebastian Hoeneß am Montag. Co-Trainer Matthias Kaltenbach pflegt den Austausch zur U19. "Ich kenne 'Rappo' aber noch von früher, wir haben als U19-Trainer schon gegeneinander gespielt." Damals verantwortete Hoeneß noch die A-Jugend des FC Bayern. Rapp die TSG.

Jetzt also Kiel, das im Vorjahr die Bayern aus dem Pokal beförderte und bis ins Halbfinale stürmte: "Mich freut es, dass er dort zeigen kann, was er kann", sagt Marcel Busch über Rapp. Seit gemeinsamen Tagen im Trikot des SC Pfullendorf sind der aktuelle Oberligatrainer der Neckarsulmer Sport-Union und der Kieler Coach dicke Kumpels. Seine Stärke: "Er hat immer über den Tellerrand hinausgeschaut, sich viele Gedanken über Fußball gemacht, davon habe ich auch profitiert", sagt Busch über Rapp.

Viele Neckarsulmer Akteure haben auch schon unter Rapp trainiert

Der Badener trainierte bei der TSG Hoffenheim die U16, die U17, zuletzt war er viereinhalb Jahre meist sehr erfolgreicher Cheftrainer der U19. Einige Spieler haben unter ihm den Sprung in den Profifußball geschafft. Die meisten aber nicht, was in der Natur des Nachwuchsfußballs auf allerhöchstem Niveau liegt. Nicht aus jedem U19-Bundesligaspieler wird eben ein Bundesligaprofi.

Spieler wie Pasqual Pander, Yannick Eitelwein, Noah Schorn, Lukas Schappes oder Adrian Beck (heute SSV Ulm) landeten auch wegen der engen Verbindung Busch-Rapp in Neckarsulm. "Sie sind sich auch als Trainer ähnlich, vergleichbare Typen", sagt Pasqual Pander.

 


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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