Schluss mit lustig: Marcel Fesenbeck kann doch Elfmeter

Fußball  Torhüter sind eine spezielle Gattung. Sie nehmen eine Sonderrolle im Team ein, haben es mitunter schwer. Während der Partie sind sie die meiste Zeit nicht gefordert, beinahe untätig. In wenigen Momenten aber hängt alles von ihnen ab.

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Streich Nummer zwei: Marcel Fesenbeck (li) hält kurz vor Schluss einen Elfmeter von Marcel Schaardt aus Neckarbischofsheim. Gegen Ketsch hatte der Kürnbacher Keeper kurz zuvor bereits seine jahrelange Durststrecke beendet.

Foto: Klaus Krüger

Torhüter sind eine spezielle Gattung. Sie nehmen eine Sonderrolle im Team ein, haben es mitunter schwer. Während der Partie sind sie die meiste Zeit nicht gefordert, beinahe untätig. In wenigen Momenten aber hängt alles von ihnen ab. Wehe dem, sie sind da nicht auf der Höhe. Da hat Marcel Fesenbeck grundsätzlich Glück: Der Torhüter des Landesligisten TSV Kürnbach ist ein richtig Guter. Nicht umsonst ist der 34-Jährige der Kapitän. Er geht voran, zeigt konstant starke Leistungen - an ihm geht kein Weg vorbei. Und doch lag in all den Jahren ein dunkler Schatten über ihm.

Hinter Fesenbeck lag eine lange Durstrecke. So lang, dass sich der Keeper nicht mehr daran erinnern kann, wann er den letzten Elfmeter gehalten hat. "Fünf, sechs Jahre ist das sicher schon her", sagte Fesenbeck am Samstag nach dem 2:2 im Landesliga-Derby gegen den TSV Neckarbischofsheim. "Früher hat das schon an mir genagt, ich habe mich aber immer an den positiven Dingen hochgezogen." An seinen Paraden, Siegen, Aufstiegen zum Beispiel. Da hat Marcel Fesenbeck durchaus was vorzuweisen.

Das habe ihm geholfen, seine Elfmeter-Misere weitgehend auszublenden. Womöglich wäre sie auch kein Thema gewesen, wenn ihn seine Teamkollegen nicht ständig genüsslich daran erinnert hätten. "Die Jungs haben mich all die Jahre damit aufgezogen, dass ich nie einen hebe." Im Spaß. Jetzt ist Schluss mit lustig: Gegen die Spvgg Ketsch beendete Kürnbachs Keeper am zweiten Spieltag seine jahrelange Durststrecke. Zum Sieg reichte es damals nicht. Kürnbach verlor das Duell trotzdem 0:2. Und damit sich auch wirklich niemand mehr traut, mit Fesenbeck über die Angst des Tormanns vor Elfmetern zu diskutieren, legte der 34-Jährige gegen Neckarbischofsheim nach.

Das zweite Mal war fast noch schöner, weil dieses Mal auch was Zählbares heraussprang. Marcel Fesenbeck verhinderte gegen Marcel Schaardt in der 83. Minute das 1:3, es wäre die Entscheidung gewesen. Stattdessen machte Kürnbach in der Nachspielzeit das 2:2 - dem Kapitän sei Dank. Dafür haderte nun Marcel Schaardt. Der Stürmer von Neckarbischofsheim wusste: "Den habe ich schlecht geschossen." Er habe verzögert, um zu schauen, was Fesenbeck anbietet. "Und dann schieße ich so in die Mitte", ärgerte sich Schaardt.

Kürnbach ist einfach kein gutes Pflaster für ihn. Im Derby vor einem Jahr sah er Rot, nun der vergebene Elfmeter. Aber Sorgen, der Fesenbeck-Fluch könnte auf ihn übergehen, macht sich Schaardt nicht. Er weiß, dass er ein sicherer Schütze ist. Im Zweifel hat er es als Schütze auch einfacher als der Keeper. Wie Fesenbeck erinnerte sich am vergangenen Samstag nach dem Spiel auch Schaardt an ein episches Elfmeterschießen im Kreispokal-Viertelfinale vor fünf Jahren. Mit 11:10 gewann "Bischesse". Schaardt traf gleich zwei Mal vom Punkt. Fesenbeck hielt nicht einen. "Und er hat den letzten Elfer verschossen", sagt Schaardt. Als Keeper hat man es halt nicht leicht.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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